pte20260210017 in Forschung

Neuer Kunststoff kühlt oder wärmt bei Bedarf

Anpassung an die Witterung durch einfaches Strecken von innovativem Blockcopolymer des MIT


Kleidung der Zukunft: Neue Polymerfaser kühlt bei Bedarf (Foto: PublicDomainPictures, pixabay.com)
Kleidung der Zukunft: Neue Polymerfaser kühlt bei Bedarf (Foto: PublicDomainPictures, pixabay.com)

Cambridge (pte017/10.02.2026/11:30)

Der weiche und zugleich flexible Kunststoff Olefin-Blockcopolymer lässt sich gedehnt in nur 0,22 Sekunden von einem Wärmeisolator zum Leiter umwandeln. Hält er also im Normalzustand Wärme an ihrem Platz, so wird er im gedehnten Zustand zum Kühler. Das Material haben Ingenieure des Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt. Denkbar wäre Kleidung, in deren Stoff Fasern aus dem variablen Kunststoff eingewebt sind. Bei wechselnder Witterung halten sie den Körper warm oder leiten überschüssige Wärme ab.

"Wärmeschalter" fehlt noch

Wie die Anwendungsidee praktisch funktionieren soll, ist noch offen. Dass der Anwender an Bluse oder Hemd zerren muss, um einen Kühleffekt zu erzielen, ist unwahrscheinlich - ebenso, dass der Träger die Oberbekleidung zusammenknüllen muss, um nicht zu frieren. Doch das Material ist ganz neu, sodass der "Schalter", der zwischen Wärmen und Kühlen wechselt, noch entwickelt werden muss.

Bei Wänden von Häusern ist das schon einfacher. Würden diese mit dem Olefin-Blockpolymer ausgestattet, könnte ein Motor das Umschalten übernehmen. Der Kunststoff besteht aus vielen Fasersträngen, die ineinander verschlungen sind. Wegen dieser Struktur kommt der Wärmefluss nicht in Gang. Die Wärme folgt den Fasern, kommt also nicht voran. Anders sieht es aus, wenn der Kunststoff gedehnt wird. Dadurch werden die Fasern langgezogen, sodass die Wärme ihnen folgen kann.

"Wir brauchen kostengünstige und reichlich vorhandene Materialien, die sich schnell an Umgebungstemperaturänderungen anpassen können", unterstreicht MIT-Materialwissenschaftlerin Svetlana Boriskina, die den Kunststoff gemeinsam mit ihrem Team entwickelt hat.

Start mit Einweg-Wärmeleiter

Boriskinas Kollege Gang Chen hatte zuvor bereits Kunststoffe so modifiziert, dass sich die normalerweise wirren Faserstränge exakt ausrichtem, also der Wärme die Möglichkeit geben hindurchzufließen. Dessen Kunststoffe waren jedoch nicht schaltbar, sondern dauerhaft wärmeleitend. Die Stretching-Idee brachte Boriskina ein.

"Unsere Fasern können schnell reagieren, um Wärme abzuleiten, beispielsweise für Elektronik, Textilien und die Gebäudeinfrastruktur. Wenn wir weitere Verbesserungen erzielen könnten, um sie fast so leitfähig zu machen wie Diamant, hätte dies enorme industrielle und gesellschaftliche Auswirkungen", ist sich Boriskina abschließend sicher.

(Ende)
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