pte20260122012 in Forschung

Kiefernrinde bindet Rückstände von Medikamenten

Arzneimittelreste lassen sich mit Verfahren der Universität Oulu äußerst zuverlässig entfernen


Versuchsanlage zur Entfernung von Arzneimttelrückständen (Foto: Mahdiyeh Mohammadzadeh, oulu.fi)
Versuchsanlage zur Entfernung von Arzneimttelrückständen (Foto: Mahdiyeh Mohammadzadeh, oulu.fi)

Oulu (pte012/22.01.2026/11:46)

Forscher der Universität Oulu nutzen die in großen Mengen anfallende Rinde von Kiefern zur Entfernung von Medikamentenrückständen aus dem Abwasser von Kläranlagen. Die Inhaltsstoffe der Kiefernrinde binden die Rückstände zuverlässig an sich, müssen später jedoch wieder aus dem Wasser entfernt werden. Hierfür werden Partikel aus Magnetit an die Rindenstücke angeheftet, ein stark magnetisches, schwarzes Eisenoxid-Mineral.

Schadstoffe herausgeangelt

Derart präpariert lassen sich die kontaminierten Rindenstückchen mit Magneten aus dem Wasser angeln, sodass sie sich verbrennen lasse. Dabei werden die Arzneimittelrückstände zerstört. Probeweise haben die Forscher das Verfahren mithilfe von Kolonnen getestet. Das sind hohe Behälter aus Plexiglas, die mit präparierten Rindenstückchen und arzneimittelhaltigen Abwässern gefüllt wurden.

In einem viermonatigen Pilotversuch lag die Entfernungseffizienz in der Regel im zweistelligen Prozentbereich und überstieg je nach Verbindung im besten Fall 90 Prozent. Beim Antibiotikum Trimethoprim waren es 99,7 und beim Antidepressivum Venlafaxin 93,7 Prozent, unterstreichen die finnischen Wissenschaftler.

Falsche Entsorgung riskant

In die Umwelt gelangende Arzneimittel beschleunigen Antibiotikaresistenzen. Im Fall des Schmerzmittels Diclofenac beispielsweise verlassen 70 Prozent den Körper unverändert. Allein in Deutschland fallen jährlich rund 90 Tonnen des Wirkstoffs an. Davon werden 63 Tonnen über den Urin in den Wasserkreislauf gespült. Ähnlich sieht es bei anderen Medikamenten aus. Darüber hinaus entsorgen viele Menschen Restbestände von Medikamenten statt im Hausmüll in der Toilette.

Die jüngste EU-Richtlinie über die Behandlung von kommunalem Abwasser fordert eine wirksamere Entfernung von Mikroverunreinigungen, was neue Lösungen und Investitionen erfordert. Die Behandlung mit Kiefernrinde könnte die Lösung sein, weil sie deutlich kostengünstiger ist als beispielsweise der Einsatz von Aktivkohle, heißt es abschließend.

(Ende)
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