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pte20190624006 Medizin/Wellness, Medien/Kommunikation

Suche nach Informationen endet oft in Sucht

Forscher erklären "Wikipedia-Effekt": Hirn wird ähnlich stimuliert wie bei Geld, Essen oder Drogen


Smartphone: Informationen haben Suchteffekt (Foto: pixabay.com, rawpixel)
Smartphone: Informationen haben Suchteffekt (Foto: pixabay.com, rawpixel)

Berkely (pte006/24.06.2019/06:15) - Menschen suchen im Internet immer weiter nach für sie eigentlich unwichtigen Informationen, beispielsweise wenn sie auf Wikipedia unterwegs sind. Die Gründe hierfür liegen auf neurologischer Ebene, wie eine Studie der University of California http://berkeley.edu zeigt. Informationen lösen im Gehirn demnach ein Gefühl der Belohnung aus, ähnlich wie es Essen, Geld oder sogar Drogen tun. Sie haben also eine Art Suchtfaktor.

Unwichtiges wird angeklickt

Menschen wollen immer mehr Informationen haben, wenn sie an einer Quelle wie Wikipedia sitzen und geraten in eine Klick-Spirale. Dabei haben die Informationen oft nicht einmal einen rationalen Wert für sie. "Beispielsweise habe ich neulich auf eine wichtige E-Mail gewartet und mich dabei ertappt, wie ich meinen Server immer wieder aktualisiert habe. Ich wusste aber, dass ich eigentlich etwas Produktiveres tun könnte, vor allem weil man moderne E-Mail-Programme nicht einmal mehr aktualisieren muss", erläutert Koautor Ming Hsu.

Die Forscher haben die Gehirne von 37 Probanden gescannt, während diese eine Art Lotto spielten. Dabei wurden die Probanden gefragt, wie viel sie für Informationen über ihre Gewinnchancen zahlen würden. Die Infos waren dabei manchmal hilfreich, manchmal nicht. Es zeigte sich, dass zwei Gehirnregionen aktiviert wurden, wenn die Probanden Informationen erhielten: Das Striatum und der präfrontale Cortex. Diese Hirnareale produzieren Dopamin und werden auch dann aktiviert, wenn Menschen Geld erhalten und Essen oder auch Drogen konsumieren.

Verbindung mit "Digitaler Sucht"

Für Hsu ist dieses Ergebnis vor allem für die Erforschung der digitalen Medien wichtig, da es darauf hinweist, wieso Menschen in scheinbar endlose Konsumspiralen geraten, wenn sie Wikipedia oder soziale Medien wie Twitter konsultieren. "Es wurde schon viel über digitale Sucht geschrieben, doch Spekulationen sind oft schneller als die Wissenschaft. Wir haben mit unserer Studie gezeigt, dass es die oft vermutete Verbindung zwischen Informationen und Belohnungssystemen wirklich gibt", meint Hsu. Es seien aber noch mehr Studien nötig, um diese Verbindung genauer zu erforschen.

(Ende)
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