Zweckwidmung lässt mehr spenden
Experiment: 25 Euro mehr durch Bestimmung des Spendenziels
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Kann man sich aussuchen wofür, spendet man mehr (Foto: pixelio.de/Richter) |
Mannheim (pte004/27.05.2010/06:05) Eine kleine Liste, auf der Spender das Ziel ihrer Geldzuweisung auswählen können, bringt Spendenorganisationen große Vorteile. Die wissenschaftliche Bestätigung dafür liefern nun Forscher vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung http://www.zew.de . "Wer sich dafür interessiert, wofür seine Geldspende eingesetzt wird, gibt mehr wenn er den Zweck der Spende selbst bestimmen kann", berichtet Studienleiter Bodo Aretz gegenüber pressetext.
25 Euro dank Länderwahl
Die Forscher untersuchten in ihrem Feldexperiment die Spendeneingänge einer Wohltätigkeitsorganisation, die alljährlich einen Spendenbrief an knapp 60.000 Haushalte versendet. Erfahrungsgemäß spenden zwölf Prozent der Empfänger. Zu Versuchszwecken gab man einem zufällig ausgewählten Teil der Kontaktierten die Möglichkeit, das Land selbst auszuwählen, in dem die jeweilige Spende zum Einsatz kommen sollte.
Jeder Dreißigste nutzte diese Möglichkeit der Auswahl. Die Spende fiel bei dieser Gruppe mit durchschnittlich 160 Euro um 25 Euro höher aus als bei denjenigen, die kein Land ausgewählt hatten. Dass die meisten Adressaten die Möglichkeit nicht genutzt hatten, führt Aretz zumindest teilweise auf das fehlende Lesen des Spendenbriefes zurück. "Da die Untersuchten langjährige Spender sind und regelmäßig einen ähnlichen Brief erhalten, dürften sie bloß gespendet haben, ohne die Informationen genau zu lesen."
Spender wollen Beziehung
Der Umstand der deutlich höheren Spendensumme bei Mitbestimmung ist für Aretz ein deutliches Signal für Spendenorganisationen. "Das ist ein Effekt, der etwa im Fall der verschwundenen Madeleine besonders sichtbar wurde. Der Aufruf der Eltern bewirkte in Großbritannien einen enormen Spendeneingang. Das Kind wurde in der Kommunikation als Opfer klar identifiziert und man weiß, wo das Geld landet. Auch wenn dies die Auswahl des begünstigten Landes weniger erlaubt, stellt sie doch mehr Beziehung zum Spendenziel her."
Ausgenützt wird dieser Effekt bereits bei vielen Spendenorganisationen, die professionelles Marketing betreiben. Dass der Spender durch die Zweckwidmung den Handlungsspielraum der Organisation einschränkt, wurde etwa bei der Tsunami-Katastrophe 2004 zum Problem. "Zur Vorsorge hatte die an der Studie teilnehmende Organisation daher darauf hingewiesen, dass Spendeneingänge anderorts eingesetzt werden könnten, falls zu viele Spenden gesammelt werden", berichtet der Mannheimer Wirtschaftsforscher.
Detaillierte Studienergebnisse unter http://www.zew.de/de/publikationen/publikation.php3?action=detail&nr=5762
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