pts20060510006 Unternehmen/Wirtschaft, Handel/Dienstleistungen

Ukrainische Banken wachsen von niedrigem Niveau aus

Marktfragmentierung, Unterkapitalisierung & politisches Umfeld als Hauptrisiken


Wien (pts006/10.05.2006/09:10) Die Ukraine gilt zwar nach wie vor als "under-banked", der Aufholprozess hat aber bereits begonnen. Stärkere Überwachung und ein verbesserter Anlegerschutz lassen das Vertrauen der Bevölkerung in die Branche wachsen. Doch die meisten Banken leiden unter einer zu geringen Eigenkapitalausstattung und die Bankenlandschaft ist stark fragmentiert. Auch das instabile politische System gilt noch als Risiko. Trotzdem wagen derzeit viele ausländische Institute den Sprung in den ukrainischen Markt, der als der letzte große noch zu erobernde Markt in Osteuropa gilt. Um einen Teil des Kuchens zu ergattern, sind ausländische Banken bereit, durchschnittlich das Vier- bis Fünffache des Buchwertes für eine ukrainische Bank zu zahlen. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Marktanalyse der internationalen Strategieberatung Roland Berger Strategy Consultants.

Einer der Hauptgründe für die durchwachsene Situation im ukrainischen Bankensektor ist die zu hohe Anzahl an Banken: Insgesamt sind ca. 150 Institute auf dem Markt aktiv, die meisten davon unterkapitalisiert. Dazu kommen die negativen Auswirkungen der politischen Krise auf das Rating von ukrainischen Banken. "Auch wenn sich das Bankensystem positiv entwickelt, ist es im internationalen Vergleich noch schwach und intransparent. Der Konsolidierungsprozess hat erst begonnen und wird sich fortsetzen", erklärt Hendrik Bremer, Project Manager im Wiener Büro von Roland Berger. Dabei wurde der Markt in den vergangenen Jahren weitgehend liberalisiert, der Staatsanteil gesenkt und die gesetzlichen Rahmenbedingungen stark verbessert. "Ein Markteintritt für ausländische Geldinstitute scheint also sehr attraktiv. Doch die meisten internationalen Player kennen die wirtschaftlichen und politischen Risiken und agieren deshalb sehr vorsichtig. Erst in den vergangenen zwölf Monaten hat der Run auf die Ukraine begonnen", so Bremer.

Überdurchschnittliches Wachstum durch boomendes Kundengeschäft
Im Jahr 2001 betrug der Anteil der Bilanzsummen aller Banken am Bruttoinlandsprodukt nur rund 24 Prozent, 2005 waren es bereits 47 Prozent. Für 2010 wird mit einer weiteren Steigerung auf rund 70 Prozent des BIP gerechnet. (Zum Vergleich: In der Eurozone lag dieser Anteil im Jahr 2003 bei 201 Prozent und in Polen bei 73 Prozent). Allerdings hat der gesamte ukrainische Bankenmarkt ein Bilanzvolumen von 33 Milliarden Euro, was in etwa einem Fünftel der Bilanzsumme der Erste Bank (152 Milliarden Euro) entspricht.

"Das überdurchschnittliche Wachstum ist vor allem auf das steigende Vertrauen der Bevölkerung zurückzuführen. Immer mehr Menschen, die ihr Geld bislang irgendwo deponiert hatten, eröffnen jetzt ein Konto. Dadurch wachsen die Einlagen deutlich schneller als das BIP", so der Finanzexperte. Für den nächsten Entwicklungsschub sorgt derzeit die Vergabe von Privatkrediten zur Finanzierung von Konsumgütern wie Autos, Elektrogeräten oder Hypothekendarlehen zur Eigenheimfinanzierung. Wesentlich zum gesteigerten Vertrauen beigetragen haben die Maßnahmen der ukrainischen Nationalbank, die vor allem die Vergabe von zweifelhaften Krediten deutlich senken sollten.

Geringe Rentabilität durch Konzentration auf Großkunden
Die Insolvenz der Bank Ukraina im Jahr 2000 traf die gesamte ukrainische Bankenlandschaft. Inzwischen hat sich das Umfeld zwar erholt. Nach wie vor sehr hoch ist jedoch die Anzahl unseriös vergebener Kredite; die Maßnahmen der Nationalbank beginnen nur langsam zu greifen. Dazu kommt, dass die Unternehmenskredite weiterhin den Markt dominieren und sich die meisten Institute auf einige wenige Großkunden konzentrieren. Zu der geringen Rentabilität tragen auch die derzeit hohen Investitionen in den boomenden Retail-Bereich bei: Es werden neue Zweigstellen eröffnet und Mitarbeiter eingestellt. Das wirkt sich natürlich negativ auf das Ergebnis aus. "Generell ist zu sagen, dass ukrainische Banken mit einer Vielzahl ökonomischer und politischer Risiken konfrontiert sind", meint Bremer.

Ein weiteres Problem ist die starke Fragmentierung des ukrainischen Bankenmarkts. "In der Ukraine gibt es neben den sieben Großbanken und rund 20 mittelgroßen Instituten nur noch sehr kleine und massiv unterkapitalisierte Mitbewerber. Letztere werden in den kommenden Jahren der Marktbereinigung zum Opfer fallen oder von ausländischen Banken aufgekauft werden", schätzt Bremer.

Ausländische Investoren starten Markteintritt
Ausländische Investoren haben auf Grund der bestehenden Risiken lange mit ihrem Markteintritt gezögert. Nur einzelne Institute, etwa die österreichische Raiffeisenbank, die niederländische ING, die US-amerikanische Citibank und die deutsche HVB, wurden Ende der neunziger Jahre auf dem ukrainischen Markt aktiv. Russland spielt mit der Alfa Bank, NRB und Petrokommerts eine Vorreiterrolle, weitere Banken wie die Vneshtorgbank und die Sberbank sollen folgen. West- und mitteleuropäische Big Player wie die Société Générale, die österreichische Erste Bank oder die ungarische OTP haben ihr Interesse am ukrainischen Markt bekundet.

Billig wird der Markteintritt allerdings nicht. Die letzten Zukäufe lagen weit über den langjährigen Durchschnittspreisen. Während in den vergangenen drei Jahren in Mittel- und Osteuropa das Zwei- bis Zweieinhalbfache des Buchwertes bezahlt wurde, lag dieser Wert bei ukrainischen Banken weit darüber. "Raiffeisen musste für die Avalbank das 4,2-Fache bezahlen; die BNP Paribas für die Ukrsibbank und BCI Intesa für die Ukrsotsbank jeweils das Vier- bis Fünffache des Buchwerts", so Bremer.

Über Roland Berger Strategy Consultants
Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, ist eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Mit 32 Büros in 23 Ländern ist das Unternehmen erfolgreich auf dem Weltmarkt aktiv. Mehr als 1.600 Mitarbeiter haben im Jahr 2005 einen Honorarumsatz von rund 530 Mio. Euro erwirtschaftet. Die Strategieberatung ist eine unabhängige Partnerschaft im ausschließlichen Eigentum von rund 130 Partnern.

Weitere Informationen:
Hendrik Bremer
Project Manager
Roland Berger Strategy Consultants
Freyung 3/2/10
1010 Wien
Tel. +43-1-536 02-137
E-Mail: hendrik_bremer@at.rolandberger.com

Matthias Sturm
Marketing & PR Advisor
Roland Berger Strategy Consultants
Freyung 3/2/10
1010 Wien
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E-Mail: matthias_sturm@at.rolandberger.com

(Ende)
Aussender: Temmel, Seywald & Partner Communications
Ansprechpartner: Mag. Franz Ramerstorfer
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