pts20060312001 Politik/Recht

Gewerbeverein: Europa hat seinen Schwerpunkt im Zentrum, nicht im Westen!

Herr Sarkozy träumt von Macht in EU, bei seiner Frau und auf der Skipiste!


Wien (pts001/12.03.2006/20:45) Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy hielt vor zwei Wochen in der Berliner Konrad-Adenauer-Stiftung einen Vortrag und warb dafür, den deutsch-französischen EU-Motor wieder anzuwerfen. Der Österreichische Gewerbeverein (ÖGV) wundert sich über die Sicht des möglichen Chirac-Nachfolgers und erblickt darin persönliche Psychohygiene-Strategie die eigenen (Sarkozy'schen) mitteleuropäischen Wurzeln zu verleugnen.

Sarkozy ist uns ja hinlänglich bekannt als Verhinderer der Herausgabe der Memoiren seiner Frau, die ihn nicht gerade in bestem Licht erscheinen ließen und als der glorreiche Ideengeber, künftig Pistenrowdys per Radar bei der Abfahrt zu überführen. Ein universeller Machtmensch sozusagen.

O-Ton Sarkozy: "Keiner bezweifelt, dass der deutsch-französische Motor das europäische Aufbauwerk vorangebracht hat. Doch dies ist heute nicht mehr im gleichen Maße der Fall. Ich teile mit Angela Merkel die Vision, dass das deutsch-französische Paar nicht nur Deutschland und Frankreich, sondern dem allgemeinen Interesse der Union dienen muss. Darüber hinaus bin ich davon überzeugt, dass das Europa der 25 einen neuen Motor braucht. So sollten die sechs großen Länder in der Union die Verantwortung für jene übernehmen, die auf eine raschere Integration aus sind."

Der Herr Innenminister Sarkozy mag zwar ein gewiefter Machtpolitiker sein. Dass sich die Machtverhältnisse in der EU zunehmend ins Zentrum hin verschieben, scheint er aber übersehen zu haben. Wenn es in der EU noch deutliches Wachstum gibt, dann in den mitteleuropäischen Staaten. Und davon profitiert auch die marode Wirtschaft Frankreichs.

Mag schon sein, dass die Atombomben innerhalb der EU - hoffentlich nur - in Frankreich und Großbritannien liegen. Aber der Besitz dieser Dinger gibt ja keinen Anspruch, die mittleren und kleinen Staaten der Union zu bevormunden.
Gerade jetzt hätte Kanzler und Ratspräsident Schüssel die einmalige Chance, die Position Österreichs als Drehscheibe im Kern Europas herauszustreichen. Vielleicht macht er dies mit der ihm eigenen stillen Politik.

Ein Typ wie Sarkozy braucht auf seine Rede vor der Konrad-Adenauer-Stiftung eine klare Antwort. Möglicher Weise hat er in seinem Machttaumel wirklich die Bodenhaftung verloren.

Schüssel möge Herrn Sarkozy deutlich mitteilen, dass in dieser EU jedes Land auf Augenhöhe mitentscheidet. Nur weil einer Innenminister eines scheinbar großen Landes ist, deswegen hat ihm der liebe Gott ja noch nicht Verstand verliehen!

(Ende)
Aussender: Österreichischer Gewerbeverein
Ansprechpartner: Herwig Kainz
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