pte20260403002 in Leben

KI-Software CLAiR sieht im Auge die Gefahren fürs Herz

Routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen sind dank des neuen Diagnosesystems bald möglich


Beim Augenarzt wird bald auch das Herz getestet (Foto: pixabay.com, Paul Diaconu)
Beim Augenarzt wird bald auch das Herz getestet (Foto: pixabay.com, Paul Diaconu)

Stanford (pte002/03.04.2026/06:00)

Aus den Bildern der Netzhaut kann die auf KI basierende Auswertesoftware CLAiR das Risiko von Patienten erkennen, an einem Herz-Kreislaufleiden zu erkranken. Augenuntersuchungen könnten somit künftig dazu beitragen, dass sich mehr Menschen ihres Risikos bewusst werden und vorsorgen. Das hofft jedenfalls Michael V. McConnell, Mediziner an der Stanford University, der das automatische Diagnosesystem mit seinem Forscherteam entwickelt hat. Präsentiert haben es die Wissenschaftler kürzlich auf der American College of Cardiology's Annual Scientific Session.

KI trainierte Mustererkennung bei Blutgefäßen

Bislang war bekannt, dass Netzhautbilder zur Beurteilung von Erkrankungen wie Diabetes genutzt werden können, doch die meisten Methoden stützten sich auf die Interpretation durch menschliche Experten. Mit CLAiR lässt sich das nun automatisieren, sodass eine routinemäßige Vorsorge möglich wird, die bisher am hohen Aufwand scheitert. Das KI-System wurde darauf trainiert, Muster im Erscheinungsbild der Blutgefäße zu erkennen, die mit der Entwicklung von Herzerkrankungen in Verbindung stehen.

Um das Verfahren zu beurteilen, rekrutierten die Forscher 874 Menschen im Alter von 40 bis 75 Jahren, die keine lipidsenkenden Medikamente einnahmen und keine Arteriosklerose hatten. Mit Standardkameras, wie sie in Augenarztpraxen verwendet werden, fertigten die Forscher von jedem Probanden ein Netzhautbild an.

Anschließend wertete CLAiR die Bilder aus, um jene zu identifizieren, deren Wahrscheinlichkeit, in den nächsten zehn Jahren eine Herzerkrankung oder einen Schlaganfall zu erleiden, bei 7,5 Prozent oder höher lag. Das ist der Schwellenwert, der üblicherweise verwendet wird, um Patienten zu identifizieren, denen zur Vorbeugung Statine verschrieben werden, die den Cholesterinspiegel senken.

Parallel dazu wurden die Teilnehmer mit dem herkömmlichen Verfahren auf ihr Risiko überprüft, an einem Herzleiden zu erkranken. Die Ergebnisse von CLAiR stimmten mit den konventionell ermittelten zu mehr als 90 Prozent überein.

Zeitaufwand nur fünf Minuten

Die Netzhautbildgebung dauert etwa fünf Minuten, und der CLAiR-Algorithmus liefert die Ergebnisse in etwa 30 Sekunden. Das würde den Zeitplan in einer Augenarztpraxis also kaum beeinträchtigen, hätte für den Patienten allerdings einen echten Mehrwert. McConnell ergänzt einschränkend, dass das CLAiR-System nicht für den Einsatz bei Schwangeren oder Patienten mit fortgeschrittenen Augenerkrankungen konzipiert ist, da deren Netzhaut atypische Muster aufweise. CLAiR ist bereits von der US-Zulassungsbehörde FDA freigegeben worden.

(Ende)
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