Virtuelle Influencer prägen Lebensstil
Gesteuert von Algorithmen beeinflussen sie zunehmend Entscheidungen und Weltanschauungen
![]() |
Virtuelle Influencerin Lil Miquela hat 2,5 Mio. Follower (Screenshot: University of Melbourne) |
Melbourne (pte026/02.04.2026/13:30)
Sie haben Millionen Follower in den sozialen Medien, doch sie existieren nicht wirklich: Virtuelle Influencer ersetzen menschliche, haben aber die gleichen Funktionen und fast identische Fähigkeiten. "Virtuelle Persönlichkeiten dieser Art sind nicht einfach nur eine skurrile digitale Neuheit", sagt Tommaso Durante von der University of Melbourne. "Meine Forschung zeigt, dass sie Symptome von etwas weitaus Bedeutenderem sind. Sie sind Beispiele für einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise, wie globale Kultur geschaffen, verbreitet und kontrolliert wird."
Seine Forschungsergebnisse hat Durante kürzlich im "Fudan Journal of the Humanities and Social Sciences" veröffentlicht. Eine virtuelle Influencerin, die er untersucht hat, heißt Lil Miquela. Sie hat 2,5 Millionen Instagram-Follower, eine High-Fashion-Garderobe und eine klare politische Meinung. Sie hat sich für Black Lives Matter und die LGBTQI+-Community eingesetzt, große Markenkampagnen angeführt und eine treue globale Fangemeinde aufgebaut.
Algorithmen prägen Lebensstil
"Im Gegensatz zu menschlichen haben virtuelle Influencer nie einen schlechten Tag", so Durante. "Sie sagen nie etwas, das nicht im Skript steht. Sie sind von Grund auf perfekt kontrollierbar. Das ist der springende Punkt." Die Algorithmen, die diese Influencer steuern, seien keine neutralen Systeme. Sie prägten aktiv Entscheidungsfindung, Weltanschauungen und Lebensstile. "Diese Algorithmen entscheiden, welche kulturellen Ideen sich weltweit verbreiten dürfen", befindet der Wissenschaftler.
"Da virtuelle Influencer im Besitz von Unternehmen sind, werden die Weltanschauungen und Werte, die sie vermitteln, sorgfältig auf kommerzielle Attraktivität hin gesteuert", sagt Durante. "Das läuft auf eine Art ideologische Kuratierung im globalen Maßstab hinaus, bei der menschliche Erfahrungen zunehmend durch von Unternehmen entworfene Simulationen ersetzt werden. Kulturelle und wirtschaftliche Macht konzentriert sich in den Händen einer kleinen Anzahl transnationaler Technologieunternehmen, während das Erscheinungsbild lokaler Identität von oben sorgfältig gesteuert wird."
Kommerzielle Logik überwiegt
Virtuelle Influencer würden zunehmend für das eingesetzt, was die Branche als "Markenaktivismus" bezeichnet – also die Unterstützung sozialer Bewegungen, politischer Anliegen und kultureller Werte. Wenn jedoch ein Algorithmus die politische Haltung eines virtuellen Influencers fördere, weil dies wirtschaftlich rentabel sei, werde der öffentliche Diskurs von kommerzieller Logik geprägt und nicht von echter menschlicher Überzeugung.
Dabei gehe es um weit mehr als um Marketing. Virtuelle Influencer seien Frühindikatoren für einen viel tieferen strukturellen Wandel, der bereits jetzt die Funktionsweise von Macht, Kultur und Identität in einer vernetzten Welt neu gestalte. Die Technologie, die dies antreibe, werde nur noch ausgefeilter werden, prophezeit Durante und warnt: "Die virtuellen Influencer von heute sind relativ leicht zu erkennen. Die kommenden werden es nicht sein."
(Ende)| Aussender: | pressetext.redaktion |
| Ansprechpartner: | Wolfgang Kempkens |
| Tel.: | +43-1-81140-300 |
| E-Mail: | kempkens@pressetext.com |
| Website: | www.pressetext.com |


