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pte20200326015 Forschung/Entwicklung, Umwelt/Energie

Zu viel Salz im Körper hemmt Immunabwehr

Wissenschaftliche Tests zeigen: Bakterielle Infekte verlaufen erheblich schwerwiegender


Katarzyna Jobin (links) mit Bonner Forscher-Team (Foto: Max Germer)
Katarzyna Jobin (links) mit Bonner Forscher-Team (Foto: Max Germer)

Bonn (pte015/26.03.2020/10:30) - Eine salzreiche Kost ist nicht nur schlecht für den Blutdruck, sondern auch für das Immunsystem, wie eine aktuelle Studie unter Federführung des Universitätsklinikums Bonn http://www.ukbonn.de zeigt. In Tests mit Mäusen verliefen bakterielle Infekte erheblich schwerwiegender. Auch menschliche Probanden, die täglich sechs Gramm Salz zusätzlich zu sich nahmen, zeigten erhebliche Immundefizite. Diese Menge entspricht dem Salzgehalt zweier Fast-Food-Mahlzeiten. Details wurden in "Science Translational Medicine" publiziert.

Natriumchlorid-Sensor

Fünf Gramm pro Tag, nicht mehr: Das ist die Salzmenge, die Erwachsene laut Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO maximal zu sich nehmen sollten. Sie entspricht etwa einem gestrichenen Teelöffel. Tatsächlich überschreiten viele Deutsche diesen Grenzwert aber deutlich: Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts kommen Männer im Schnitt auf zehn und Frauen auf gut acht Gramm täglich.

Laut Erstautorin der Studie, Katarzyna Jobin, hält der Körper die Salzkonzentration im Blut und in den verschiedenen Organen weitgehend konstant. Ansonsten würden wichtige biologische Prozesse nicht funktionieren. Die einzige große Ausnahme ist die Haut: Sie fungiert als Salzspeicher des Körpers. Daher wirkt die zusätzliche Zufuhr von Natriumchlorid bei manchen Hauterkrankungen so gut.

An anderen Stellen im Körper kommt das zusätzlich mit der Nahrung aufgenommene Salz aber gar nicht an. Stattdessen wird es von den Nieren herausgefiltert und über den Urin ausgeschieden. Die Nieren verfügen über einen Natriumchlorid-Sensor, der die Salz-Ausscheidefunktion aktiviert. Als unerwünschte Nebenwirkung sorgt dieser Sensor allerdings auch dafür, dass sich im Körper so genannte Glukokortikoide anhäufen. Und die wiederum hemmen die Funktion der Granulozyten, des häufigsten Immunzelltyps im Blut.

Test mit Listerien-Infektion

Granulozyten zählen wie die Makrophagen zu den Fresszellen. Sie attackieren aber keine Parasiten, sondern vor allem Bakterien. Wenn sie das nicht in ausreichendem Maße tun, verlaufen Infektionen weitaus heftiger. "Das konnten wir in Mäusen mit einer Listerien-Infektion zeigen", so Jobin. "Einige von ihnen hatten wir zuvor auf eine salzreiche Kost gesetzt. In Milz und Leber dieser Tiere zählten wir eine 100- bis 1.000-fache Menge der krankmachenden Keime."

Auf das Immunsystem von Menschen wirkt Natriumchlorid ebenfalls negativ. "Wir haben Freiwillige untersucht, die täglich sechs Gramm Salz zusätzlich zu sich nahmen. Nach einer Woche entnahmen die Wissenschaftler ihren Probanden Blut und untersuchten die Granulozyten. Die Immunzellen wurden deutlich schlechter mit Bakterien fertig, nachdem die Versuchspersonen begonnen hatten, sich salzreich zu ernähren", erläutert Forscher Christian Kurts.

Bei menschlichen Probanden führte die überreichliche Salzzufuhr zudem auch zu erhöhten Glukokortikoid-Spiegeln. Dass dies das Immunsystem hemmt, ist nicht überraschend: Das bekannteste Glukokortikoid Kortison wird traditionell eingesetzt, um Entzündungen zu unterdrücken.

(Ende)
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