Vor dem IPO lässt sich großer Reibach machen
Bewertung von Aktienoptionen spielt laut Studie der University of Notre Dame wichtige Rolle
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Wall Street: Bereits vor dem IPO lockt das große Geld (Foto: rabbimichoel, pixabay.com) |
Notre Dame (pte003/05.02.2026/06:05)
Die Bewertung von Aktienoptionen vor dem Börsengang (IPO) eines Unternehmens könne eine Quelle für "billiges Geld" sein, so Brad Badertscher von der University of Notre Dame. Dem Experten nach gelingt das mit der Ausgabe von Optionen zum aktuellen Preis. Da dieser jedoch nicht vollständig vom Markt bestimmt wird, basiert diese Bewertung auf Modellen und Einschätzungen, was den Unternehmen einen großen Ermessensspielraum lässt.
Plötzlich sehr profitabel
Vor einem Börsengang wird ein Marktwert festgelegt, der oft weit über der früheren privaten Bewertung liegt. Optionen, die einst fair bewertet schienen, können plötzlich besonders profitabel werden, sodass Führungskräfte Aktien zu Preisen weit unter dem Marktwert erwerben können. Dadurch lässt sich ein erheblicher Gewinn erzielen, der nicht durch neue Leistungen, sondern durch den Wechsel von der privaten Bewertung zum öffentlichen Markt entsteht, heißt es.
Badertscher: "Der durchschnittliche IPO-Preis eines Unternehmens ist mehr als fünfmal so hoch wie der Ausübungspreis der im Geschäftsjahr vor dem Börsengang ausgegebenen Optionen. Wir zeigen, dass die Gewährung von günstigen Aktienoptionen weitverbreitet und wirtschaftlich bedeutsam ist. Es geht nicht nur um hohes Wachstum, mangelnde Liquidität oder Unsicherheiten beim IPO. Tatsächlich wird dies durch bestimmte Anreize vorangetrieben wie die Unterstützung durch Risikokapitalgeber und die Vergütung von Managern."
963 Börsengänge analysiert
Die Differenz zwischen dem IPO-Preis und dem Ausübungspreis kürzlich gewährter Optionen ist bei Unternehmen größer, die mehr Optionen gewähren, größere Börsengänge haben und von Risikokapital unterstützt werden, ergänzt der Experte. Badertscher hat mit Bjorn Jorgensen von der Copenhagen Business School, Sharon Katz von INSEAD Business School und Jeremy Michels von der Purdue University die Prospekte von 963 US-Firmen analysiert, die zwischen 2007 und 2022 an die Börse gingen, und zog dabei detaillierte Infos über die Gewährung von Aktienoptionen vor dem IPO heran.
Die wichtigste Kennzahl der Forscher ist die Differenz zwischen dem IPO-Preis und dem durchschnittlichen Ausübungspreis für Mitarbeiter im Geschäftsjahr unmittelbar vor dem IPO. Das Ergebnis: Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn ein Unternehmen günstige Aktienoptionen vergibt. Dies hängt mit einer überhöhten Vergütung des CEO, einem enttäuschenden IPO und geringeren Investitionen in Wachstum zusammen, was zu einer schlechten langfristigen Kursentwicklung führt.
"Etablierte CEOs, die durch den IPO einen finanziellen Gewinn erzielt haben, bevorzugen möglicherweise den Status quo und sind nicht motiviert, Risiken einzugehen, die im besten Interesse der Aktionäre sind", so die Forscher. Sie bestätigen die Bedenken der US-Börsenaufsicht SEC, wonach die Ausgabe günstiger Aktien vor einem IPO die Vergütungsaufwendungen viel niedriger erscheinen lassen kann, als sie tatsächlich sind, was das Finanzbild verzerrt, selbst wenn keine eindeutigen Hinweise auf Betrug vorliegen.
Investoren und Analysten zeigt die Studie, dass ein Blick auf die Vergütungsstrukturen vor dem IPO einen Einblick in die künftige Entwicklung im Allgemeinen und die Investitionspolitik eines Unternehmens nach dem Gamg an die Börse gibt. Für Vorstände und Vergütungsausschüsse deutet dies darauf hin, dass günstige Aktien zu langfristigen Verzerrungen der Anreize führen können, die weit über den IPO hinausreichen.
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