pte20260319003 in Business

Grüne Anleihen zünden trotz kleiner Renditen

Regierungen können bei ohnehin geplanten Projekten sparen und sich auf loyale Investoren verlassen


Sparschwein: Mit grünen Anleihen sparen Regierungen Geld (Bild: OpenClipart-Vectors, pixabay.com)
Sparschwein: Mit grünen Anleihen sparen Regierungen Geld (Bild: OpenClipart-Vectors, pixabay.com)

Austin/Houston/New York (pte003/19.03.2026/06:10)

Mit grünen Anleihen, die explizit für Projekte zum Schutz der Umwelt aufgelegt werden, können Staaten Projekte kostengünstiger finanzieren als mit konventionellen. Investoren sind nach Beobachtungen von Aaron Pancost, Assistenzprofessor für Finanzwesen an der Texas McCombs School of Business, bereit, diese zu schlechteren Konditionen zu erwerben als normale Bonds. Die niedrigeren Renditen, die sie in Kauf nehmen, bezeichnet der Ökonom als "Greenium".

Deutschland als guter Testfall

Zusammen mit der Wirtschaftswissenschaftlerin Stefania D'Amico von der Federal Reserve Bank of New York und Johannes Klausmann von der University of Houston hatte Pancost dazu deutsche Staatsanleihen aus den Jahren 2009 bis 2023 untersucht. Deutschland sei ein guter Testfall, da jede grüne Anleihe einen nahezu identischen Zwilling habe - eine gewöhnliche Anleihe mit demselben Emittenten, derselben Laufzeit und demselben Kupon. Jeder Preisunterschied zwischen den Anleihen lässt sich darauf zurückführen, wie viel mehr die Menschen bereit sind auszugeben - allein wegen des "grünen" Labels.

Die Forscher haben jedoch festgestellt, dass die Messung des Greeniums nicht so einfach war wie der Vergleich des Zinssatzes einer grünen Anleihe mit dem einer entsprechenden regulären. Der Spread spiegelt nicht nur Umweltpräferenzen wider. Er kann sich aus anderen Gründen vergrößern oder verkleinern. Beispielsweise stürzen sich Anleger manchmal auf deutsche Anleihen als sichere Häfen oder um sie als Sicherheiten für Kredite zu nutzen.

Daher haben die Forscher eine zweite Messgröße entwickelt. Sie schätzten die Preisbildungsmuster für alle deutschen Staatsanleihen: eines für reguläre Anleihen und eines für grüne Anleihen. Die Differenz zwischen diesen beiden Mustern lieferte eine klarere Messgröße für das Greenium. Im Laufe der Zeit lag es durchschnittlich bei vier Punkten oder vier Prozent der Rendite einer zehnjährigen Anleihe. Das Greenium war allerdings keineswegs statisch, sondern stieg nach großen Klimaereignissen wie schweren Überschwemmungen in Deutschland und in Zeiten von Energieknappheit an. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine erreichte es einen Höchststand von sieben Punkten.

Investoren fördern grünen Wende

Praktisch gesehen tragen Investoren durch ihre Akzeptanz niedrigerer Renditen bei grünen Anleihen zur Finanzierung der grünen Wende bei. Dieses Wissen könnte es Regierungen ermöglichen, mehr kurzfristige grüne Anleihen mit niedrigeren Zinssätzen zu emittieren und so Steuergelder zu sparen. "Es ist kostenloses Geld, solange die Regierung diese grünen Investitionen ohnehin tätigt", so Pancost. Während Deutschland, Frankreich, Großbritannien und viele andere Länder grüne Anleihen emittieren, tun dies die USA nicht. Pancost sieht darin eine verpasste Chance. "Anleger verzichten auf Gewinn, um in etwas Grünes zu investieren", erklärt er abschließend.

(Ende)
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