pte20260109001 in Business

Hyperwachstum ist für viele Mieter riskant

King's College London sieht strukturelle Probleme im Immobiliensektor auf Kosten der Bewohner


Junge Mieterin: Immo-Start-ups erschweren ihre Wohnsituation (Foto: pixabay.com, klimkin)
Junge Mieterin: Immo-Start-ups erschweren ihre Wohnsituation (Foto: pixabay.com, klimkin)

London (pte001/09.01.2026/06:00)

Das Streben von Risikokapital nach Hyperwachstum gefährdet Mieter. Zu diesem Befund kommt eine neue, im "International Journal of Urban and Regional Research" veröffentlichte Studie des King's College London unter der Leitung von Ökonom Tim White. Sie zeigt auf, wie Investitionsstrategien im Stil des Silicon Valley den Wohnungsmarkt verändern - und warum dies für viele Mieter ein Problem darstellt.

Investment-Folgen

Der Studie zufolge setzen Immobilien-Start-ups im Wohnungsbau, die mit Risikokapital finanziert werden, Mieter ernsthaften Risiken aus, da sie weltweit expandieren wollen. Die Studienautoren fordert daher eine genauere Prüfung der Frage, wer Innovationen im Wohnungsbau finanziert - und welche Auswirkungen das auf die Bezahlbarkeit und Sicherheit hat.

White befürchtet vor diesem Hintergrund schlechtere Lebensbedingungen, überhöhte Mieten und Zwangsräumungen für Mieter. "Risikokapitalgeber haben versucht, den Wohnungsmarkt nach ihren eigenen Vorstellungen neu zu gestalten - aber es sind die Mieter, die den Preis dafür zahlen", unterstreicht der Wissenschaftler.

"Co-Living" im Visier

Die Studie fokussiert sich auf Start-ups im Bereich "Co-Living": gemeinschaftlich genutzte Mietwohnungen, die sich an junge Berufstätige richten. Sie zeigt, wie diese Unternehmen von Investoren dazu gedrängt wurden, schnelle Expansion vor Stabilität zu priorisieren, Konkurrenten zu übernehmen und gleichzeitig in mehrere Märkte einzusteigen.

Diese aus dem Technologiesektor übernommene Logik des Hyperwachstums passt laut White nur schwer zu den komplexen und kostspieligen Realitäten des Wohnungsmarktes. Als die Verluste stiegen, hätten Unternehmen ihre Kosten gesenkt, wobei die Mieter die Folgen zu tragen hatten. Berichten zufolge kam es zu vernachlässigter Instandhaltung, einbehaltenen Kautionen und plötzlichen Räumungen, als die Unternehmen zusammenbrachen.

Monatelang ausgesperrt

In einigen Fällen wurden Bewohner monatelang ausgesperrt oder mussten mit unsicheren Wohnbedingungen leben. Andere wurden mit unerwarteten Gebühren konfrontiert, als die Start-ups um Einnahmen kämpften. White argumentiert, dass diese Probleme struktureller Natur sind und nicht zufällig auftreten.

"Wohnen ist für uns alle ein Grundbedürfnis. Wenn es als weiteres Experimentierfeld für Silicon Valley behandelt wird, sind die menschlichen Kosten kaum zu übersehen." Die Autoren fordern daher eine genauere Prüfung der Frage, wer Wohninnovationen finanziert - und welche Auswirkungen dies auf die Erschwinglichkeit und Sicherheit hat.

(Ende)
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