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pte20220923009 Medizin/Wellness, Umwelt/Energie

Luftverschmutzung schädigt Kindergehirne

Struktur der weißen Substanz verändert sich ISGlobal-Wissenschaftlern zufolge durch Feinstaub


Luftverschmutzung: Gehirne von Kindern werden stark belastet (Foto: pixabay.com, TF3000)
Luftverschmutzung: Gehirne von Kindern werden stark belastet (Foto: pixabay.com, TF3000)

Barcelona (pte009/23.09.2022/10:30) -

Forscher des Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal) http://isglobal.org/en haben bei Kindern im Alter von neun bis zwölf Jahren einen Zusammenhang zwischen der Belastung mit Luftschadstoffen in der Gebärmutter und Veränderungen der strukturellen Konnektivität der weißen Substanz des Gehirns nachgewiesen. Je größer die Belastung vor dem fünften Lebensjahr ist, desto größer sind auch die in der Präadoleszenz beobachteten Veränderungen der Struktur des Gehirns. Eine abnormale Mikrostruktur der weißen Substanz wurde mit Depressionen, Angst- sowie Autismus-Spektrum-Störungen in Verbindung gebracht.

Daten einer großen Kohorte

Die Studie hat auch einen Zusammenhang zwischen der Belastung mit Feinstaub (PM2.5) und dem Volumen des Putamen nachgewiesen. Dabei handelt es sich um eine Struktur im Gehirn, die mit der motorischen Funktion, Lernvorgängen und vielen anderen Funktionen in Verbindung steht. Je größer die Belastung mit PM2.5 vor allem in den ersten beiden Lebensjahren war, desto größer war auch das Volumen des Putamen in der Präadoleszenz. Laut Erstautorin Anne-Claire Binter wurde ein vergrößertes Putamen mit bestimmten psychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Autismus-Spektrum-Störungen und Zwangsstörungen in Verbindung gebracht.

Binter zufolge ist ein neuer Aspekt der Studie, dass Zeiträume identifiziert werden konnten, in denen eine Anfälligkeit für Luftverschmutzung besteht. Zudem wurden die Daten von der Empfängnis der Kinder bis zum Alter von achteinhalb Jahren monatlich gesammelt. Für die Untersuchung spricht der Wissenschaftlerin nach auch, dass der analysierte umfassende Daten-Pool von einer großen Kohorte stammt - und zwar von 3.515 Kindern, die in den Niederlanden Teil der "Generation-R-Studie" http://generationr.nl waren.

Grenzwerte oft überschritten

Um die Belastung durch die Luftverschmutzung festzustellen, haben die Forscher die täglichen Werte von Stickstoffoxid (NO2) und Feinstaub (PM2.5) zu Hause während der Schwangerschaft und bis zum achteinhalbten Lebensjahr untersucht. Als die Teilnehmer zwischen neun und zwölf Jahre alt waren, wurde mittels Magnetresonanztomografie die strukturelle Konnektivität und der Umfang von verschiedenen Gehirnstrukturen untersucht. Die Werte von NO2 und PM2.5, die festgestellt wurden, überschritten die von der Weltgesundheitsorganisation pro Jahr festgelegten Grenzwerte. Sie entsprachen jedoch den Standards der Europäischen Union (EU).

Dies ist laut den Studienautoren ein Hinweis darauf, dass die Entwicklung des Gehirns auch durch die Belastung mit einer Luftverschmutzung beeinträchtigt werden kann, die niedriger als die EU-Grenzwerte zur Luftqualität sind. Laut Binter ist eine wichtige Erkenntnis dieser Studie, dass das Gehirn von Kindern nicht nur während der Schwangerschaft besonders anfällig für die Auswirkungen von Luftverschmutzung ist, sondern auch während der Kindheit. Die Forschungsergebnisse wurden in "Environmental Pollution" veröffentlicht.

(Ende)
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