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pts20220523025 Unternehmen/Wirtschaft, Handel/Dienstleistungen

IV-Chefökonom Helmenstein sieht 2022 ökonomische Zeitenwende

Neue Mechanismen in Preiskalkulation aufgrund hoher Inflation


Wien (pts025/23.05.2022/13:15) -

Von einer ökonomischen Zeitenwende sprach der Chefökonom der Industriellenvereinigung, Univ.-Prof. Dr. Christian Helmenstein, im Rahmen des AmCham Talks der Amerikanischen Handelskammer in Österreich, am Freitag, den 20. Mai im Hilton Vienna Plaza. Aufgrund der hohen Inflation werde nun eine neue Preiskalkulationsstrategie in der Industrie erforderlich. Die letzten Jahrzehnte habe man übliche Kostensteigerungen durch eine höhere Produktivität kompensiert. "Nun fallen die Kostensteigerungen - beispielsweise bei Energie - jedoch so hoch aus, dass die Betriebe die höheren Preise weitergeben müssen, um überhaupt weiter zu bestehen", erklärt Helmenstein.

2022 Jahr der Superlative

Helmenstein bezeichnete das Jahr 2022 als "Jahr der Superlative". Eine hohe Inflation war für dieses Jahr bereits vorauszusehen. "Derzeit wird die höchste Inflation in Österreich seit 41 Jahren prognostiziert", sagt Helmenstein. "Ohne den Angriff auf die Ukraine hätten wir andererseits heuer wohl den stärksten wirtschaftlichen Aufschwung seit 50 Jahren in einer Zwei-Jahres-Betrachtung erlebt."

Fundamentale Änderung der Energiepreise

"Dass China Europa als größten Nettoenergieimporteur abgelöst hat, bringt eine fundamentale Änderung beim Weltrohstoffpreiszyklus mit sich", sagt Helmenstein. "Über ein Jahrhundert hinweg sanken in Phasen, in denen die USA und Europa in einer Krise steckten, auch die Energie- und Rohstoffpreise. Darin wiederum steckte schon der Keim des nächsten wirtschaftlichen Aufschwungs. In Zukunft wird die Nachfrage aus China jedoch den Weltrohstoffpreiszyklus bestimmen - wenn China sich also im Aufschwung befindet, Europa aber noch in einer Rezession, können europäische Verbraucher in Industrie und privaten Haushalten keine Entlastung bei den Energiepreisen mehr erwarten."

Helmenstein: Welthandel wird weiter wachsen

An eine De-Globalisierung infolge der multiplen Krise glaubt Helmenstein nicht. Der Welthandel habe in den letzten Dekaden bis auf einzelne Jahre stets zugenommen. Und nach Krisen sei es in den darauffolgenden Jahren stets zu Überkompensationen gekommen. Vor allem der Welthandel mit Dienstleistungen wächst weiter stetig an. Helmenstein betonte die hohe Relevanz eines florierenden Welthandels für Europa und Österreich. "Knapp die Hälfte des intraregionalen Welthandels findet in Europa statt: so viel wie im Rest der Welt zusammen." Auch im Rückblick auf die heimische Inflation der letzten zehn Jahre zeige sich die Bedeutung des Welthandels. Während die Preise beispielsweise für Gastronomie und Beherbergung zwischen 2011 und 2020 stark angestiegen seien, habe die Teuerung bei Bekleidung und Fahrzeugen nur 6 Prozent über den gesamten Zeitraum betragen. Dieses Beispiel zeige, dass der Welthandel wesentlich zur Kaufkraft der privaten Haushalte beitrage, so Helmenstein.

Im Rahmen des AmCham Talks stellte Generalsekretärin Susanne Reisinger-Anders "Home of Work" als neues Mitglied der AmCham Austria vor. Das Unternehmen ist ein Planungs- und Gestaltungsbüro für moderne, inspirierende Büro- und Arbeitswelten.

Unter den Gästen und DiskutantInnen des AmCham Talks waren unter anderem (in alphabetischer Reihenfolge):
Thomas Bene (Geschäftsführer, Home of Work)
Martin Butollo (Country CEO Austria, Commerzbank)
Johannes Dobretsberger (Director Marketing, Oracle)
Carmen Greider (Country Lead Austria, 3M)
Bernd Hofmann (Partner, PwC Österreich)
Peter Holzmueller (CEO, Country Head and Co-Owner, Lee Hecht Harrison / OTM)
Philipp Krabb (Manager, Accenture)
Markus Mantwill (Managing Director, AxilPartners)
Johannes Martschin (CEO, Martschin & Partner)
Marco Porak (Country General Manager & Director of Technology, IBM Austria)
Susanne Reisinger-Anders (Generalsekretärin, AmCham Austria)
Alexander Shopov (Head of Austria Branch and Sales Director Austria, AIG Europe)

Die American Chamber of Commerce in Austria (AmCham Austria) wurde 1960 gegründet und ist offizieller Vertreter der österreichisch-amerikanischen Geschäftswelt. Als gemeinnützige Organisation ist AmCham Austria unabhängig und unpolitisch. AmCham Austria ist Teil des globalen AmCham-Netzwerks, das in mehr als 100 Ländern vertreten ist und seinen Hauptsitz in Washington D.C. hat. AmCham Austria fördert den Ausbau und die Stärkung der Handelsbeziehungen zwischen Österreich und den USA und spielt dabei eine doppelte Rolle. Erstens übernimmt AmCham Austria die Rolle eines aktiven Lobbyisten für US-Unternehmen, die Niederlassungen in Österreich gegründet haben und für österreichische Unternehmen, die Handelsbeziehungen und Interessen in den USA haben. Zweitens fördert AmCham neue Geschäftsbeziehungen amerikanischer Unternehmen in Österreich und umgekehrt. Weitere Informationen unter: http://amcham.at

(Ende)
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