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pte20190412002 Kultur/Lifestyle, Politik/Recht

Görner: Großbritannien versteht Europa nicht

Literaturwissenschaftler sieht Brexit als Trotzreaktion auf verletzten Stolz


Wien (pte002/12.04.2019/06:00) - Großbritannien versteht die Europäische Union und ihre Vorzüge nicht. Da sich das Königreich noch immer als großer europäischer Souverän sieht, zählen Nutzen und Pluspunkte aus der EU-Mitgliedschaft kaum. Deswegen hat sich das einst so beliebte Understatement der Briten in eine Sprache des Trotzes und des verletzten Stolzes gewandelt - das Ergebnis kommt im Brexit zum Ausdruck, sagt der deutsch-britische Literaturwissenschaftler Rüdiger Görner, Gründungsdirektor des Centre for Anglo-German Cultural Relations an der Queen Mary University of London http://qmul.ac.uk , im Gespräch mit pressetext.

Görner referiert über die britische Sichtweise zu Europa bei den Europäischen Toleranzgesprächen am 6. Juni im Kärntner Bergdorf Fresach http://fresach.org . Er bedauert, dass ein Land, dessen Sprache ganz Europa spricht, sich genau von diesem Europa trennen will. "Das ist ein Paradoxon erster Ordnung", meint der Literaturwissenschafter. "Englisch ist die sprachliche Grundlage der EU. Sie ist der große kulturelle gemeinsame Nenner in Europa, aber leider nicht der gemeinsame politische Nenner."

Festhalten an Souveränität

Dabei habe Großbritannien in einem Maße von der EU profitiert, das die Brexit-Anhänger niemals zugeben würden. Deren feindselige Einstellung sei nur eine Trotzreaktion gegen diese Tatsache. "Die Brexiteers tun so, als wolle Brüssel Großbritannien kaufen. Die EU muss für sie als Prügelknabe herhalten, ohne dass sie sich selbst fragen, was Großbritannien konstruktiv in die EU eingebracht hat, außer Geld", kritisiert Görner.

Diese extreme Einstellung kommt vor allem daher, dass Großbritannien zu sehr am Souveränitätsbegriff festhält. Man habe nicht verstanden, dass dieser nach dem Zweiten Weltkrieg für die meisten europäischen Länder relativiert wurde. In Großbritannien dagegen sei die Eigenständigkeit immer noch eine absolute Größe. Die Brexiteers träumen von einer Rückkehr ins 19. Jahrhundert und wollen das Empire wiederbeleben. Die rechte Presse dagegen sehnt sich nach einem neuen Winston Churchill und tut so, als müsse man Brüssel wie das Dritte Reich bekämpfen.

Kein Wissen über Brüssel

Für Görner ist der große Unterschied zwischen Großbritannien und den anderen europäischen Ländern, dass die Bevölkerung des Kontinents relativ gut über die Vorgänge in Brüssel Bescheid weiß. In Großbritannien sei dieses Wissen kaum vorhanden, was einen starken Einfluss auf das Ergebnis des Brexit-Referendums hatte. "Das Ergebnis dieser unsäglichen Referendumsdebatte wurde danach als 'Wille des Volkes' definiert. Das zieht aber nicht in Betracht, dass es die uninformierteste Wählerentscheidung war, die man sich vorstellen kann. Nach dem Referendum war der größte Hit auf Google: 'Was ist eigentlich die Rolle der EU?' Die Wähler wussten nichts über die EU und sie war ihnen auch egal", erläutert Görner.

Sprache verroht zusehends

Dieses Unverständnis sorgt laut Görner für eine Verrohung der britischen Sprache. "Es gibt eine auffallende Abkehr vom beliebten britischen Unterstatement", meint Görner. Statt der subtilen Untertreibung herrscht in Großbritannien jetzt eine angriffige, auftrumpfende Ausdrucksweise. Eine weitere Veränderung sei die Lust an der Vereinfachung komplexer Sachverhalte. Görner nennt hier exemplarisch das May-Zitat: "Brexit means Brexit". Gepflegte Diskurse führt man nur noch im kleinsten Kreis. Doch auch der private Raum sei gespalten, man muss sich heute vorsichtig an den anderen und seine Sichtweise herantasten. "Das bestimmt die Art, wie man mit Nachbarn, Freunden und sogar Familie umgeht."

Der gebürtige Deutsche Rüdiger Görner lebt seit vielen Jahrzehnten in Großbritannien und zählt zu den ausgewiesenen Kennern des Landes. Er wird am 6. Juni 2019 bei den Europäischen Toleranzgesprächen im Kärntner Bergdorf Fresach zum Thema "Unerhörte Klagen: Europa aus britischer Sicht" referieren.

(Ende)
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