Neurologen ignorieren Spiritualität von Patienten
Wissenschaftler kritisieren Ärzte: "Diese stellen keine Fragen nach Identität, Sinn und Bedeutung"
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Neurologe: kaum Interesse an Spiritualität nachgesagt (Foto: pixabay.de/Julio Cesar Velasquez Mejia) |
Los Angeles (pte013/09.03.2026/10:30)
Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Demenz und Epilepsie haben auch grundlegende Fragen zu Identität, Sinn und Bedeutung. Jedoch verfügen die Ärzte, die am besten in der Lage wären, diese Bedenken anzusprechen, weder über die entsprechende Ausbildung noch über die notwendigen Tools. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von UCLA Health, der University of Colorado, der Harvard Medical School und der Brown University.
Spirituelle Anamnese nötig
Die spirituelle Anamnese sollte laut den Experten eine Routine-Aufgabe der neurologischen Versorgung werden. Sie bieten daher einen praktischen Leitfaden zur Umsetzung an und beschreiben in "Neurology Clinical Practice", warum Neurologen wie dafür geschaffen seien, sich mit Fragen der Spiritualität auseinanderzusetzen. Die Wissenschaftler betonen auch, warum die Abneigung dieses Bereichs dazu führt, dass ein wichtiger Teil der Patientenversorgung nicht berücksichtigt wird.
Laut Forschungsleiterin Indu Subramanian von UCLA Health greifen neurologische Erkrankungen jene Gebiete an, die die Persönlichkeit eines Menschen definieren: Gedächtnis, Bewegung und die Fähigkeit zur Kommunikation. "In diesem Kontext ist die Spiritualität für die medizinische Versorgung keine Nebensache. Sie ist häufig dabei von zentraler Bedeutung, wie Patienten ihre Erkrankung bewältigen, einen Sinn finden und Entscheidungen über ihre Behandlung treffen", so Subramanian.
Früheren Studien zufolge sind rund 60 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner daran interessiert, dass ihre religiösen oder spirituellen Fragen in einem medizinischen Umfeld berücksichtigt werden. Gleichzeitig zeigen die Erhebungen konsequent, dass Ärzte - inklusive Neurologen - zögern, dieses Thema anzusprechen. Als Grund dafür nennen sie Unbehagen, die fehlende Ausbildung und Zeitbeschränkungen.
Zwei grundsätzliche Fragen
Die aktuelle Studie argumentiert, dass diese Lücke spürbare Auswirkungen auf die Patienten haben kann. Eine nicht berücksichtige spirituelle Notlage stehe demnach mit einer schlechteren Lebensqualität in Zusammenhang. Die spirituelle Unterstützung hingegen sei mit einer verbesserten Bewältigung, einer stärkeren Beziehung von Patienten und Arzt sowie einer besseren Abstimmung der Behandlungsziele verknüpft.
Vor allem bei fortschreitenden neurologischen Erkrankungen sind diese Faktoren den Experten nach von Bedeutung. Sie würden oft an einer Aushöhlung von Identität und Gedächtnis sowie einem körperlichen Verfall leiden. Die Studie greift daher auf ein biopsychosozial-spirituelles Modell der Pflege zurück. Dabei wird die Spiritualität als eine eigenständige und messbare Dimension der Gesundheit anerkannt.
Die Forscher haben hierfür einen praktischen Leitfaden für Neurologen erstellt. Dieser wirft die Fragen auf, ob Spiritualität oder Glaube für die Auseinandersetzung mit der Gesundheit wichtig sind. Und er stellt die Frage, ob die Erkrankten jemanden, mit dem sie darüber sprechen können, haben oder sich eine Person wünschen, die einen entsprechenden Kontakt herstellt.
Zusätzlich wird ein sogenanntes "FICA-Modell" diskutiert, um die spirituelle Geschichte eines Menschen besser zu verstehen. Ärzte sollten, so die Forderung der Wissenschaftler, ein Gespür für die spirituelle Notlage eines Patienten entwickeln. Subramanian betont, dass Neurologen nicht als spirituelle Berater auftreten müssen, sondern eher als Generalisten, die eine spirituelle Notlage erkennen und entsprechend darauf reagieren.
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