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pte20190130011 Unternehmen/Finanzen, Umwelt/Energie

Chemie hadert mit Digitalisierung und Politik

Horváth & Partners bewertet Ausblick für Industrie trotzdem positiv


Wien (pte011/30.01.2019/10:40) - Die chemische Industrie steht vor gewaltigen Umbrüchen. Zum stetig steigenden Regulierungsdruck der Politik und den Recycling-Anforderungen von Umwelt- und Konsumentenschutz kommt nun auch noch der interne Druck, die Produktion und Systemabläufe effizienter zu gestalten. Digitalisierung und Automatisierungszwänge nötigen die lange Zeit verwöhnte Branche zum Handeln, um die Profitabilität zu erhalten. Obwohl die Unsicherheit durch Brexit und US-Handelshemmnissen groß ist, überwiegt die Zuversicht.

"Die Hebel zur Differenzierung haben sich gewandelt", sagt der Managementberater für die Chemische Industrie von Horváth & Partners http://horvath-partners.com , Peter Sattler, im Gespräch mit pressetext. "Früher ging es um Differenzierung und Kernkompetenzen. Heute wird die Innovationskompetenz immer wichtiger." Unternehmen wollen Dinge natürlich immer richtig machen, aber die Frage steht im Raum: Machen sie die richtigen Dinge? Da werde es immer wichtiger, sich beim Geschäftsmodell zu differenzieren.

Sattler zufolge bieten Digitalisierung und Automatisierung viel Potenzial, nicht nur in der Produktion selbst, sondern vor allem auch in Vertrieb, Marketing und Supply Chain Management. Und er spricht aus Expertensicht. Horváth & Partners berät seit bald 30 Jahren die großen europäischen Chemiekonzerne. Hier stehen derzeit Geschäftsmodelle ebenso wie lange erfolgreiche Prozesse und Abläufe auf dem Prüfstand. "Jetzt geht's ums 'Anpacken', und viele Unternehmen packen es nicht richtig an. Bei Vermarktung und Vertrieb findet man nur kleine Verbesserungen. Da fehlen die disruptiven Ideen."

Produktion und Vertrieb rücken zusammen

Eine Folge der Digitalisierung ist, dass Produktion, Marketing und Vertrieb näher zusammenrücken. Das ist gerade für chemische Industrieunternehmen Neuland, die bisher rein produktionsgetrieben waren. Stärker mit Kundenbedürfnissen umzugehen, erfordert vollständiges Umdenken in vielen Belangen, da gehe es um die gesamte Kultur eines Unternehmens, so der Berater. Dabei wird die Digitalisierung die fundamentalen Produktionsprozesse gar nicht verändern. Die Fundamente bleiben dieselben.

"Große Innovationen kommen nur über disruptive Ideen, bei großen ebenso wie bei kleinen Unternehmen", erläutert Sattler. Daher sei es wichtig, Versuchspiloten zu starten und Testumgebungen zu schaffen, und das möglichst fern vom Kerngeschäft, um sich nicht wieder von vornherein im Denken und Handeln einzuschränken beziehungsweise in eingeübte Routinen zu verfallen. Aus solchen Prozessen heraus gelingt es dann eher, eine ganz neue Sicht auf das Betriebs- und Geschäftsmodell zu finden.

Daten als Hebel zur Systemoptimierung

Als "daily struggle" bezeichnet Sattler die Datenlandschaft in vielen Unternehmen. Die Stammdaten seien oft verwahrlost, doch gerade die pefekte Erhebung und Aufbereitung von Produktinformationen, Material-, Kunden- und Personalstammdaten ebenso wie kontinuierliche Sensorenmessungen können von fundamentaler Bedeutung für künftige Digitalisierungsmaßnahmen sein. Zudem sind damit hohe Kosteneinsparungen möglich, etwa bei der laufenden Instandhaltung von Maschinen und Anlagen.

"Das Rauf- und Runterfahren von chemischen Produktionsanlagen kann Millionen kosten. Sensoren sind da eine gute Investition, denn sie können Wartungsintervalle optimieren und Wirkungszyklen verlängern. Die Messwerte zeigen schließlich, wie rund eine Anlage läuft", erklärt der Unternehmensberater.

Mit dem Einsatz von Sensoren und computergestützten Helferlein kommt man rasch von der hergebrachten "Corrective Maintainance" (Behebung von Mägeln und Schäden, wenn sie auftauchen) über die vorausschauende "präventive Instandhaltung" zur "Predictive Maintainance", also zur vorhersagenden Instandhaltung. Roboter im Laborbereich und Test-Tools in virtuellen Umgebungen sind heute vielfach schon ein großer Hebel für die Effizienzsteigerung.

Digital Twins zum Testen, Drohnen zum Überwachen

Während die Produktionsseite in der Chemie weitgehend beständig bleibt, verändern sich die Prozesse rundherum gravierend. Produktionsanlagen können so etwa simuliert oder digital nachgebaut, Komponenten verändert werden, um kostenschonend zu testen beziehungsweise virtuell Stellschrauben zu verändern und zu schauen, was dabei herauskommt. Solche "digitalen Zwillinge" (digital twins) benötigen neue Software und innovative Ansätze - zusätzlich zum vorhandenen einschlägigen Know-how.

Das gleiche gilt auch für die Überwachung von Fertigungsprozessen und Transporten. Von der Ölindustrie hat sich die chemische Industrie den Einsatz von Flugdrohnen abgeschaut, von Transportunternehmen die "Drohnenschiffe". Auch wenn die Vision der "intelligenten Fabrik" in der Chemie noch fern der Realität ist: Roboter und digitale Helferlein halten schon länger Einzug in den Labors und Abläufen. Sie assistieren und begleiten die Produktion und liefern Messdaten, die in Kombination mit anderen Unternehmens- und Marktdaten zu neuen Erkenntnissen führen.

Nicht auf "Grüne Bananen" hereinfallen

Bei Innovation und Digitalisierung ist die Chemie grundsätzlich eher Nachzügler, da die Lebens- und Produktzyklen deutlich länger dauern, schränkt Sattler ein. Dadurch ist die Industrie auch weniger gefordert, Neuerungen umgehend umzusetzen. "Nicht immer muss man gleich umrüsten, oft reichen ein paar Stellschrauben und die Veränderung von wenigen Parametern, um völlig neue Materialeigenschaften zu gewinnen und damit völlig andere Produkte herstellen und andere Kundensegmente ansprechen zu können." Bei der Digitalisierung ist generell klug zu überlegen, was möglich und machbar ist. "Grüne Bananen" wie Augmented Reality seien kritisch zu hinterfragen, ob sie überhaupt den gewünschten Nutzen bringen. Da gibt es zwar erste Use Cases, aber rechnerisch ist das Ganze noch nicht darstellbar, sagt der Unternehmensberater.

Customer Journey auch für die Chemie relevant

Alles in allem wird auch die chemische Industrie künftig von der "Amazon Experience" beeinflusst werden, ist Sattler überzeugt. Zu den herkömmlichen Ein- und Verkaufswegen kommen neue Supply Chains ebenso wie neue Kommunikations- und Vertriebskanäle hinzu, das beinhaltet intelligente SEO-Maßnahmen, Online-Plattformen, Apps etwa für die satellitengestützte Bodenbearbeitung (Digital Farming) oder Predictive-Analytics-Techniken und datenbasiertes Risikomanagement. Bei allen Entwicklungen werden die Kunden in den Fokus rücken und die Produkte verstärkt an den Kundenbedürfnissen ausgerichtet.

Bei allen Digitalisierungsaktivitäten ist man von relevanten Daten abhängig, a. Kundendaten, b. öffentlich verfügbaren Daten und c. nichtöffentlichen Daten, die zum Beispiel über Marktforschungsinstitute zugekauft werden. Erst wenn interne und externe Daten gut kombiniert werden, erhält man neue Erkenntnisse. Die chemische Industrie muss daher lernen, professionell Daten zu erheben und die Kundenbeziehungen zu optimieren.

Digitale Plattformen als Zukunft

Digitale Plattformen sind für die Branche eine realistische Zukunft. Wer intelligent automatisieren will, muss seine Systeme und Netzwerke mit Kunden und Lieferanten verbinden. Einkauf und Verkauf, ebenso wie Fertigungsaufträge, werden dann nur noch über Schnittstellen generiert. Das verändert die gesamte Organisationsstruktur eines Unternehmens. "Früher oder später werden Kunden lieber über solche Systeme einkaufen", ist Sattler überzeugt. "Eine verbesserte Partnerschaft ist deshalb gleichbedeutend mit verbessertem Nutzen für beide Seiten."

Peter Sattler ist Managementberater bei Horváth & Partners Österreich, mit Schwerpunkt Chemie und Öl-Industrie. Die Branche hat ein sehr gutes Jahr hinter sich und erwartet für 2019 und 2020 eine leichte Abkühlung, da die Kunden etwas vorsichtiger planen. Das wäre ein guter Moment, Innovation und Digitalisierung voranzutreiben, um die Profitabilität hochzuhalten, meint Peter Sattler.

Weitere Fotos vom Interview zum freien Download auf Fotodienst: http://fotodienst.pressetext.com/album/3693

(Ende)
Aussender: pressetext.redaktion
Ansprechpartner: Dr. Wilfried Seywald
Tel.: +43-1-81140-116
E-Mail: seywald@pressetext.com
Website: www.pressetext.com
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