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pte20090216021 Forschung/Technologie, Medizin/Wellness

Unerschöpfliche Quelle für Nervenzellen erzeugt

Vielversprechende Forschungsergebnisse im Mäuseversuch

Bonn (pte021/16.02.2009/13:01) - Einem Forscherteam der Universität Bonn ist es gelungen, aus menschlichen embryonalen Stammzellen so genannte Gehirnstammzellen herzustellen, die als unerschöpfliche Quelle für verschiedene Nervenzelltypen dienen. In Mäuseversuchen konnten die Forscher zeigen, dass sich diese Nervenzellen in die Schaltkreise eines Gehirns integrieren können. Über ihre Entdeckungen berichten die Forscher in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS).

Mit den neuen Zellen können die Forscher auch den Bedarf an embryonalen Stammzellen reduzieren, die bisher für jedes einzelne Zellgewinnungsverfahren als Ausgangsmaterial eingesetzt werden mussten. "Die Gehirnstammzellen funktionieren wie eine unerschöpfliche Quelle. Sie liefert über Monate und Jahre menschliche Nervenzellen, ohne dass wir dafür weiter auf embryonale Stammzellen zurückgreifen müssten", so Oliver Brüstle, Leiter des Forscherteams am Institut für Rekonstruktive Neurobiologie der Universität Bonn http://www.uni-bonn.de .

Im Tierexperiment konnten die Forscher nachweisen, dass die künstlich gewonnenen Nervenzellen auch funktionieren. Nach der Transplantation in das Gehirn von Mäusen haben die Zellen Kontakt mit dem Empfängergehirn aufgenommen. Die Zellen konnten dann sowohl Signale senden als auch empfangen. "Das ist der erste direkte Beweis, dass sich Nervenzellen aus menschlichen Stammzellen in die Schaltkreise eines Gehirns integrieren können", erklärt Studien-Erstautor Philipp Koch. Den funktionellen Nachweis der Zellen untersuchte Thoralf Opitz. Die nahezu unerschöpfliche Zellquelle soll auch dazu eingesetzt werden, neurodegenerative Erkrankungen und mögliche Wirkstoffe direkt an menschlichen Nervenzellen zu studieren. Das Forscherteam um Brüstle war das erste in Deutschland, das eine Bewilligung zum Import humaner embryonaler Stammzellen erhalten hat.

Die Stammzellenforschung steht seit einigen Jahren im Brennpunkt des öffentlichen Interesses. Auf der einen Seite stand die Verwendung von embryonalen Stammzellen als Alleskönner mit uneingeschränktem Entwicklungspotenzial, die von einigen Gruppen massiv bekämpft wurde. Auf der anderen Seite waren die so genannten somatischen Stammzellen, die sich auch aus Gewebe von Erwachsenen gewinnen lassen, aber nur begrenzt vermehrungs- und entwicklungsfähig sind. Den Bonner Forschern ist es nun gelungen, diese beiden Welten zusammenzuführen, indem aus menschlichen embryonalen Stammzellen Gehirnstammzellen hergestellt haben. Aus den stabilen Zelllinien konnten die Wissenschaftler im Labor dann kontinuierlich verschiedene Sorten menschlicher Nervenzellen gewinnen. Darunter waren beispielsweise auch solche, wie sie bei der Parkinsonschen Erkrankung ausfallen.

(Ende)
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