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pte20070621039 Umwelt/Energie, Forschung/Entwicklung

Herbst und Winter 2006/07: Wärmste Jahreszeit seit 700 Jahren

Schweizer Forscher: Erdbeeren zu Weihnachten gab es zuletzt 1290


Blühende Obstbäume im Jänner 1290 in Wien (Foto: pixelio)
Blühende Obstbäume im Jänner 1290 in Wien (Foto: pixelio)

Bern (pte039/21.06.2007/13:50) - Der vergangene Herbst und Winter 2006/07 war der wärmste seit mehr als 700 Jahren. Zu diesem Schluss kommen die Forscher um Jürg Luterbacher vom Nationalen Forschungsschwerpunkt Klima am Geografischen Institut der Universität Bern http://www.geography.unibe.ch in einer Studie für das Wissenschaftsmagazin Geophysical Research Letters. Die Wissenschaftler hatten Aufzeichnungen der vergangenen 700 Jahre unter die Lupe genommen, um herauszufinden wie die Temperaturmittel in Europa auch zu Zeiten waren, in denen es keine instrumentellen Messungen gab.

"Die Temperaturdaten der vergangenen 250 Jahre sind relativ gut dokumentiert", so Luterbacher im pressetext-Interview. "Die Daten davor sind ungenauer." Allerdings gebe es zahlreiche Witterungstagebücher und schriftliche Überlieferungen mit Wetter und Klimainformationen, die in Temperaturen umgerechnet werden können, wie die durchschnittlichen Temperaturen waren. Ein Ziel dabei war es herauszufinden wie extrem der letzte Herbst und Winter im Kontext der Vergangenheit waren. Die Wissenschaftler griffen bei ihren Untersuchungen unter anderem auf Aufzeichnungen von Kirchen oder Klöstern, aber auch Doktoren zurück, die immer wieder über Wetterereignisse berichteten. "Klima-Historiker können solche Informationen gut nutzen und daraus ableiten, welche Temperaturen zum Zeitpunkt geherrscht haben." Darüber hinaus hat das Forscherteam auch Klimadaten anderer Kollegen zur Hand genommen und den Schluss gezogen, dass die Temperaturen im Herbst 2006 und Winter 2007 im Mittel die wärmsten seit mindestens 500 Jahren waren. "Die sequenzielle Kombination von zwei warmen Jahreszeiten ist ein noch selteneres Ereignis und das aller Wahrscheinlichkeit nach erste seit 1289/1290", erklärt der Wissenschaftler.

"Aufzeichnungen berichten davon, dass es 1289/1290 keinen wirklichen Wintereinbruch gegeben hat", so Luterbacher. "Nach Auswertungen des Klimahistorikers Christian Pfister gibt es Dokumente, wonach Menschen zu Weihachten Erdbeeren essen konnten, die Weinreben auch im Winter ausgetrieben haben und die Obstbäume in Wien im Jänner in Blüte standen wie dies normalerweise im Mai der Fall ist." Diese Saison sei wirklich extrem gewesen, erklärt der Forscher. Und sie könne durchaus mit der in West- und Zentraleuropa heute verglichen werden. Berichten zufolge war die Haselnussblüte in Deutschland 30 Tage vor dem 50jährigen Durchschnitt und in der Schweiz blühte die Rosskastanie 2006 zwei Mal in Folge.

Luterbacher gibt zu bedenken, dass die Untersuchungen einerseits durchschnittliche Temperaturwerte miteinander vergleicht, andererseits das gesamte Klima Europas von Nord-Norwegen bis zum Mittelmeer und von Island bis zum Ural mit einbezieht. "Das bedeutet, dass es natürliche Unschärfen und statistische Fehler gibt", führt der Klimatologe aus. Der warme Herbst und Winter 2006/07 entstand durch die warme Luft, die vom Atlantik vor der Küste Nordafrikas nach Europa gezogen ist, unterstützt von häufigen Hochdrucklagen. Ob das nun ein einzigartiger extremer Event sei oder eine Folge der menschgemachten Klimaänderung, sei schwierig zu sagen und wird im Moment untersucht, erklärt der Forscher abschließend im pressetext-Interview.

(Ende)
Aussender: pressetext.schweiz
Ansprechpartner: Wolfgang Weitlaner
Tel.: +43-1-811 40-307
E-Mail: weitlaner@pressetext.com
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