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pts20210309027 Forschung/Entwicklung, Medizin/Wellness

"Österreichs Impfrate stimmt nachdenklich"

OCG-Experten Müller-Török und Prosser orten Optimierungspotenziale


Wien (pts027/09.03.2021/12:45) - In einem Webinar der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG) haben sich Univ.-Prof. Alexander Prosser und Prof. Robert Müller-Török gestern nachmittags (8.3.2021) besorgt über Österreichs Impfkampagne gezeigt. Die aktuelle Impfrate von nur gut 7 Prozent stimme nachdenklich. Würde man dieses Tempo beibehalten, wäre die Bevölkerung erst Ende 2022 durchgeimpft. Während die Stopp-Corona-App als gescheitert betrachtet werden müsse, könne man bei der gerade erst anlaufenden Impfkampagne und der Impfdokumentation von Ländern wie Israel, Singapur oder Indien lernen. Deren Impfkampagnen haben Alexander Prosser und Robert Müller-Török in den letzten Monaten intensiv beobachtet und analysiert. Prosser lehrt an der WU Wien Produktionsmanagement und Logistik, Müller-Török Information Management und E-Government an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg (Baden-Württemberg). Beide sind Vorstandsmitglieder der OCG.

In einem viel beachteten Beitrag über die indische COVID 19-Impfkampagne, die sie dem deutschen Bundesgesundheitsminister als Nachhilfestunde empfehlen, haben die beiden Wissenschaftler Anfang Februar die Debatte über die mangelhafte Digitalisierungsstrategie weiter befeuert. Dass Alexander Prosser und Robert Müller-Török in einem Webinar Einblick in ihre einzigartige Expertise gewähren, unterstreiche die Rolle der OCG als Think-Tank für alle Fragen der Digitalisierung, erklärte OCG-Präsident Wilfried Seyruck bei der Begrüßung.

"Dass die beiden die heimische Impf-Kampagne kritisch beleuchten, ist nicht nur legitim, sondern fast schon lebensnotwendig", betonte Seyruck vor dem Hintergrund der schleppend anlaufenden Impfungen. Tatsächlich gingen die Referenten gleich zu Beginn ihres Vortrages mit der vom Roten Kreuz ins Leben gerufenen Stopp Corona-App hart ins Gericht. "Sowohl diese als auch das fast baugleiche bundesdeutsche Pendant sind gescheitert", konstatierte Robert Müller-Török.

Wirkungslose Symbolpolitik

Weil nur eine sehr hohe Durchdringung eine Tracing- und Warning-App schlagkräftig mache, sei Singapur ein Best-Practice Beispiel. Die dortige TraceTogether-App sei auch für Menschen ohne Smartphone über kostenlos von der Regierung verteilte Token mit Bluetooth-Funktionalität zugänglich gemacht worden. Weil die Verwendung und Meldung einer Erkrankung verpflichtend sind, habe man eine 83-prozentige Verbreitung erreicht. "Damit ist es möglich, zwei Drittel aller Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen", erklärte Müller-Török.

Die nur etwa 25-prozentige Verbreitung der Apps in Deutschland und Österreich sei in Verbindung mit der Freiwilligkeit der Weitergabe einer vorliegenden Infektion nur eine stumpfe Waffe zur Nachverfolgung. Rein rechnerisch liege die Chance, dass das Zusammentreffen zwischen einer infizierten und nicht infizierten Person, die beide die App aktiviert haben und die Infektion freiwillig melden bei knapp sieben Prozent. "Peilt man nicht eine Verbreitung in Richtung 100 Prozent an, verankert eine Pflicht zur Infektionsmeldung und verankert einen europaweit funktionierenden Datenaustausch, bleibt eine Tracing-App reine Symbolpolitik", präzisiert Müller-Török.

Digitalisierung der Wertschöpfungskette...

"Nachdenklich" stimmt Müller-Török, dass Deutschland und Österreich aktuell nur eine Impfrate von 7,4 Prozent (Financial Times COVID-19 vaccine tracker) aufweisen könnten, wenn diese in Israel bei knapp 90 und selbst in Serbien bei 20,7 Prozent liege. Deshalb empfiehlt Alexander Prosser, sich etwa die Impfkampagne in Indien zum Vorbild zu nehmen. Dort habe die Regierung mit dem National Cold Chain and Vaccine Management Resource Centre, dem Electronic Vaccine Intelligence Network (eVIN), einer zentralen Anmeldeseite für alle 1,4 Mrd. Einwohner und zwei nationalen Probeläufe für die Impfkampagne ein Best Practice-Beispiel geschaffen. Auch in Österreich müsse man schleunigst dafür sorgen, dass die Chargen-Verwaltung der Impfstoffe von der Übernahme vom Hersteller bis zum Oberarm des Patienten lückenlos erfolgt.

...vom Hersteller bis in Oberarm...

"Nur so ist gewährleistet, dass man beim Rückruf einer Charge nachvollziehen kann, wer damit geimpft wurde", erklärt Prosser. Dafür sei für die zum Teil extrem sensiblen Impfstoffen neben einer lückenlosen Dokumentation der Kühlkette sowie der Transportwege mittels Temperatursensor und GPS-Tracking in den Kühlboxen nötig, argumentiert Prosser. Dass Indien nur ein Impfanmeldeportal, Österreich aber neun habe, sei ebenso irritierend wie die Tatsache, dass man dabei nicht auf die bereits verfügbaren Bürgerkarten samt Handysignatur gesetzt habe. Auch Testläufe für die Massenimpfungen empfiehlt der WU-Professor.

...statt Kartoffelstempel in Impfpass

Chaos befürchten beide Experten aber vor allem bei den großen Reisewellen im Sommer. Dann dürfe man nicht darauf hoffen, "dass der Kartoffelstempel im Impfpass aus Papier weltweit als Nachweis der Immunität anerkannt wird", warnt Müller-Török. Wie eine effiziente Lösung für die Impfdokumentation aussehe, könne man derzeit in Israel beobachten. "Dort verfügen Geimpfte über einen QR-Code mit digitaler Signatur am Smartphone oder als Ausdruck auf Papier, der einfach per App ausgelesen werden kann", konkretisiert Prosser. Mittels Personalausweis wird die Identität des Geimpften überprüft. In einer XL-Variante ist der QR-Code um ein biometrisches Merkmal - etwa das Passfoto - ergänzt. "Dann reicht alleine der QR-Code zur Identitätsfeststellung. Der Personalausweis ist nicht mehr notwendig."

Elektronischer Impfpass auch kurzfristig möglich

Da mithilfe eines elektronischen Impfpasses auch allfällige Nebenwirkung dokumentiert, zentral erfasst und die Reisefreiheit erleichtert werden könne, halten Prosser und Müller-Török auch eine zunächst unorthodox anmutende Lösung für praktikabel und rasch durchführbar: "Es sollte etwa möglich sein, auf gängigen Kreditkarten den grünen Impfpass digital abzulegen und weltweit verfügbar zu machen", hoffen Prosser und Müller-Török auf eine rasche Lösung vor der Hauptreisezeit. "Mit ein bisschen Nachdenken käme man vermutlich rasch auf eine intelligente Lösung." Denn die keineswegs fälschungssicheren Impfpässe aus Karton könne man sogar auf Amazon bestellen. Die Versuchung, diese mit etwas grafischem Geschick selbst zu bearbeiten, könnte für einige Reisewillige groß sein.

Über die OCG
Die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG) ist ein gemeinnütziger Verein mit Mitgliedern aus der Wissenschaft, Anwendung, Lehre und Ausbildung sowie aus Unternehmen im Bereich Informationstechnologie (IT) und Einzelpersonen. Vereinsziel ist die Förderung der Informatik und Informationstechnologie unter Berücksichtigung ihrer Wechselwirkungen auf Mensch und Gesellschaft.

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