Zu viel Transparenz schadet Finanzmärkten
Marktteilnehmer werden dann laut Analyse der Texas McCombs School of Business zu leichtsinnig
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Maßvolle Transparenz: Das tut den Finanzmärkten gut (Foto: Natalia_Kollegova, pixabay.com) |
Austin (pte006/27.02.2026/06:15)
Zu viel Transparenz kann auf den Finanzmärkten Schaden anrichten, mahnt Michael Sockin von der Texas McCombs School of Business. Denn übermäßig viele öffentlich zugängliche Infos über den Handel mit Anleihen und kurzfristige Kredite könnten riskante Investitionen auslösen. Eigentlich soll die Offenlegung der Vorgänge an den Finanzmärkten Investoren und Regulierungsbehörden dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Doch das kann manchmal nach hinten losgehen.
Transparenz erhöht Risiken
Bei Unternehmensanleihen und kurzfristigen Krediten kann weniger Transparenz zu besseren wirtschaftlichen Ergebnissen führen. Zu viele öffentliche Infos über diese Märkte veranlassen Unternehmen dazu, riskantere Investitionen zu tätigen, was zu Folgen wie der globalen Finanzkrise von 2008 führen kann.
"Diese zusätzlichen Daten sind nicht unbedingt eine gute Sache. Zu den Spillover-Effekten können mehr Unternehmensinsolvenzen und höhere Verluste für Investoren gehören. Das wiederum schafft Probleme für Versicherungsgesellschaften oder Pensionsfonds", verdeutlicht Sockin in seinem Paper.
Im Mittelpunkt seiner Studie stehen Rückkaufvereinbarungen - sogenannte Repo-Geschäfte. Institutionelle Anleger wie Versicherungsgesellschaften und Pensionsfonds beschaffen sich Bargeld, indem sie Wertpapiere an Repo-Kreditgeber verkaufen. Nach einer kurzen Zeitspanne - von über Nacht bis zu 28 Tagen - kaufen sie die Wertpapiere zu einem höheren Preis zurück. Der Kreditgeber behält die Differenz als Kreditgebühr.
Systeme für mehr Transparenz
In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die US-Aufsichtsbehörden zwei Systeme geschaffen, um die Anleihe- und Repomärkte transparenter zu machen: Die Trade "Reporting and Compliance Engine" (TRACE), die die meisten Transaktionen mit Anleihen landesweit innerhalb von 15 Minuten veröffentlicht, und den Short-term Funding Monitor, der täglich Statistiken über die Repo-Märkte veröffentlicht.
Mithilfe mathematischer Modelle hat Sockin die Wechselwirkungen zwischen den beiden Systemen und die Auswirkungen von Transparenz untersucht. Er hat festgestellt, dass Akteure, die über detailliertere Infos zu Volumen und Werten in jedem Markt verfügen, dazu neigen, Kredite lockerer zu vergeben. Es treten mehr Käufer in die Märkte ein, und Unternehmen können mehr Anleihen emittieren.
Wenn die Akteure hingegen weniger Details haben, neigen sie dazu, vorsichtiger zu sein. Repo-Kreditgeber werden wählerischer, welche Wertpapiere sie als Sicherheiten akzeptieren und wie viel sie dafür verleihen. Das wiederum führt dazu, dass die Institutionen bei den Anleihen, die sie kaufen, selektiver vorgehen. "Diese Marktteilnehmer zwingen sich gegenseitig zu Disziplin. Die Qualität der Investitionen steigt", erklärt Sockin.
2008 wurde Rechnung präsentiert
Das Modell des Forschers wirft ein neues Licht auf die Ereignisse vor und während der Krise von 2008. "Nach der Einführung von TRACE im Jahre 2002 waren die Menschen weniger besorgt über unzureichende Informationen beim Handel. Die Zahl der Teilnehmer am Anleihemarkt stieg dramatisch an, und mehr Unternehmen konnten Anleihen emittieren."
Die Rechnung für diese lockere Kreditvergabe wurde 2008 fällig. Riskante Wertpapiere - wie beispielsweise solche, die durch Subprime-Hypothekendarlehen besichert waren - verloren einen Großteil ihres Wertes, und Repo-Kreditgeber zögerten, sie als Sicherheiten zu akzeptieren. Das Finanzsystem erstarrte, da weniger Geld an institutionelle Anleger floss, die daraufhin weniger Unternehmensanleihen kauften, wie pressetext berichtete.
"Das Ergebnis war, dass es für Unternehmen schwieriger wurde, Geld zu beschaffen, wenn sie es dringend benötigten. Unternehmen, die im Herbst 2008 ihre Schulden refinanzieren mussten, konnten dies nur tun, indem sie den Emissionsumfang reduzierten und schlechtere Preise in Kauf nahmen", argumentiert der Finanzwissenschaftler.
Sein abschließendes Fazit: Anleihe- und Repo-Märkte gehen weniger Risiken ein und stehen am Ende besser da, wenn sie selektiver vorgehen, weil sie weniger Details kennen. Sie verlassen sich stärker auf allgemeine Signale für die Gesundheit eines Unternehmens, wie beispielsweise Anleihepreise. Regulierungsbehörden sollten demnach ein mittleres Maß verlangen: allgemeine Infos über Anleihepreise, aber weniger Details zu Transaktionen.
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