pte20260323009 in Leben

Widerstand ist eine traditionelle Domäne der Frau

Autorin und Historikerin Irmgard Bohunovsky: Atomdrohung kein Grund, sich alles gefallen zu lassen


Klagenfurt (pte009/23.03.2026/10:30)

Dass der Widerstand gegen herrschende Verhältnisse, Unrecht und Ungerechtigkeit eine klassische Domäne der Frau ist, darauf hat die Historikerin und Autorin Irmgard Bohunovsky (87) bei der Programmvorstellung der Europäischen Toleranzgespräche 2026 in Klagenfurt hingewiesen. Frauen hätten zu allen Zeiten - aus Verantwortung - effektiven und gewaltfreien Widerstand geleistet, um größeren Schaden von Familie und Gesellschaft abzuwenden.

Der griechische Dichter Aristophanes berichtet von Lysistrate, die im antiken Griechenland einen Aufstand der Frauen gegen ihre kriegführenden Männer mit der Besetzung der Akropolis in Athen angeführt hat - und damit Erfolg hatte. Im westafrikanischen Liberia habe Lymah Gbowee auf dieselbe Weise 2003 den Bürgerkrieg beendet und dafür 2011 den Friedensnobelpreis erhalten. Widerstand hat laut Bohunovky weniger mit Heldentum als mit Vernunft zu tun, doch Vernunft habe allzuoft nur eine leise Stimme.

Angesichts der derzeitigen Weltlage wisse man nicht so recht, wo man mit dem Widerstand anfangen soll. Und wie Verantwortung übernehmen? Am besten bei sich selbst, sagte Bohunovsky in ihrem Impulsvortrag im Spiegelsaal der Kärntner Landesregierung. "Ich kann allein Widerstand leisten, wenn ich mich persönlich angegriffen fühle. Ich kann mich aber auch wehren aus Verantwortung für die Gesellschaft, in der ich lebe und Widerstand organisieren." Die Frauen von Athen und Jahrtausende später Liberia hätten das verstanden.

Widerstand ist demokratie-immanent

Noch in den 1960er-Jahren konnten junge Männer einen Heiratsantrag an die Bedingung knüpfen, ihre Frau habe ihr Studium aufzugeben. Das ist inzwischen Schnee von gestern, aber "wie ich kürzlich gelesen habe, gibt es in der Generation Z wieder ein Drittel junger Männer, die meinen, die Frau habe dem Mann zu gehorchen... und natürlich auch Mädchen, die das gut finden". Trotzdem: "Es hat sich seit meinen jungen Jahren vieles zum Besseren gewendet. Widerständige Verhaltensweisen und unterstützende institutionelle Einrichtungen sind demokratie-immanent."

Die Gefahr, dass einer einen Atomkrieg anzettelt und die Menschheit dabei zugrunde richtet, sei real, aber "kein Grund, sich alles gefallen zu lassen". Vernünftiger Widerstand sei daher angesagt. Ihrer Einschätzung nach waltet seitens der EU Vernunft, und zwar nicht aus Schwäche, sondern aus Verantwortung: "Ich würde sehr dafür plädieren, all jenen, die Europa als schwach und handlungsunfähig sehen, ja das Abendland im Untergang wähnen, zu widersprechen und zu widerstehen. Nein zu sagen zu allen, die uns in ein nationales Gefängnis werfen wollen."

Lange Friedenszeiten verleiten zur Lethargie

Bohunovsky im Wortlaut: "Offensichtlich gehört es zur conditio humana, dass lange Friedenszeiten als langweilig gelten und interessante Zeiten immer Kriegszeiten waren. Doch Kriege, wenn sie schon stattfinden, sollten nicht unser Gehirn und unser Gemüt besetzen." Europa sei stark, wir sollten die EU nicht unterschätzen. "Die Vernunft sagt und die Geschichte bestätigt es, freie Gesellschaften können sehr resilient sein: Gemeinsam vernünftig sein, heißt Widerstand zu leisten, aber mit Verstand - das ist unglaublich schwierig, eine Kunst, ja. Aber gemeinsam wütend zu sein, ist leichter."

Vorsicht, Wachsamkeit und antizipatorisches Handeln sind laut der Historikerin Grundlagen des Widerstandes. Die Menschheit sei schon immer sehr einfallsreich gewesen. Von Cicero stammt der Satz: Wir sind die Füchslein der Weltgeschichte, nicht deren Löwen. Und auch die Mächtigen und all die reichen Tech-Bros sind nur nackte Kaiser. Die sogenannten "Trümmerfrauen" müssten es dann wieder richten. "Ein Kanzler muss gehen, Bierlein kommt. Das Burgtheater ist Chaos, eine Frau sorgt für Ordnung. Der ORF braucht Vernunft und Ordnung, eine Frau wird bestellt."

In so turbulenten Zeiten wie heute sei Resilienz wichtig, betonte Bohunovsky. Und das Wissen, wie die Akteure denken oder welche Denker Einfluss haben. "Statt den Kopf einzuziehen, müssen wir uns gemeinsam aufmachen, uns gut organisieren und den Gefahren auf den Grund gehen." Die 12. Europäischen Toleranzgespräche zum Thema "Widerstand & Verantwortung" finden vom 17. bis 24. Mai im Kärntner Bergdorf Fresach statt. Weitere Informationen und Anmeldung hier.



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