Vergangenheit holt Unternehmen immer ein
Laut Studie der Cornell University werden Änderungen von Ansichten als Heuchelei angesehen
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Manager: Vergangenheit ist für Unternehmen entscheidend (Bild: Bendesigner, pixabay.com) |
Ithaca (pte003/12.03.2026/06:10)
Unternehmen riskieren ihren Ruf, belasten ihren Aktienkurs und rufen Protestaktionen hervor, wenn ihre Worte und Taten nicht übereinstimmen - selbst wenn Jahrzehnte vergangen sind. Das zeigen Forscher der Cornell University. Reale und fiktive Firmen werden demnach als heuchlerisch eingestuft, wenn sie beispielsweise 2008 staatliche Rettungsmaßnahmen akzeptierten, nachdem sie sich in den 1960er-Jahren vehement gegen solche Maßnahmen ausgesprochen hatten.
Erinnerungen nicht ausgelöscht
"Wenn Jahrzehnte vergangen sind, könnte man meinen, dass die Menschen verstehen, dass sich Organisationen im Laufe der Zeit verändern und anpassen, oder dass sie Heuchelei einer Person zuschreiben, die längst nicht mehr da ist. Wir stellen jedoch fest, dass diese Heuchelei-Effekte nachwirken und wir über diese längeren Zeiträume hinweg Strafen für Inkonsistenz sehen", sagt Forschungsleiter Brian Lucas.
Das Team um Lucas stützt seine Erkenntnisse auf unterschiedliche Experimente. In einem Fall lasen die Probanden einen Artikel, nach dem Deutschland 1953 einen Schuldenerlass akzeptiert hatte, und wurden dann zu einer Stellungnahme zu einer Entscheidung Deutschlands aus dem Jahr 2015 aufgefordert, Griechenland einen Schuldenerlass zu gewähren. Das wurde mehrheitlich als heuchlerisch abgetan.
Neigung zu Protesten wächst
In weiteren Experimenten haben die Experten den Probanden fiktive Szenarien vorgestellt, in denen sich die Positionen zu verschiedenen kontroversen Themen im Laufe der Zeit änderten - neben Rettungsaktionen und Schuldenerlass auch Outsourcing, räuberische Kreditvergabe, Produktsicherheit, Umweltverschmutzung, Geschlechtervorurteile, Ausbeutung von Arbeitskräften, Abholzung und Tierversuche.
Die Teilnehmer sahen die Diskrepanz zwischen früheren und aktuellen Äußerungen und Taten als heuchlerisch an und zeigten sich geneigter, dagegen zu protestieren. Da sich Firmen zunehmend gefordert sehen, zu politischen und sozialen Themen Stellung zu beziehen, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Führungskräfte Positionen berücksichtigen müssen, die lange vor ihren eigenen Amtsantritt eingenommen wurden und wie ihre Handlungen in einigen Jahren gesehen werden könnten.
Einige Unternehmen denken bereits strategisch und machen die Anerkennung von Umweltstandards oder Corporate Governance nicht öffentlich, um zu vermeiden, dass ein künftiger Fehltritt als Heuchelei gebrandmarkt wird. "Unsere Forschung zeigt, dass der Zeitrahmen, den Führungskräfte dabei berücksichtigen sollten, weiter zurückreicht, als sie vielleicht denken", so Lucas abschließend.
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