Umyma El-Jelede erhält Europäischen Toleranzpreis 2026
Villach ehrt Engagment der Ärztin gegen weibliche Genitalverstümmelung
Villach (pts008/22.05.2026/09:30)
Die Ärztin und Sozialberaterin Umyma El-Jelede (54) wurde am Donnerstagabend mit dem Europäischen Toleranzpreis für Demokratie und Menschenrechte der Stadt Villach ausgezeichnet. Ihr Engagement für Mädchen und Frauen aus afrikanischen und arabischsprachigen Gemeinschaften sei beispielgebend, ihr Wirken für interkulturelles Verständnis, Bildung und soziale Integration eine wesentliche Grundlage für den Zusammenhalt einer pluralistischen Gesellschaft, so die Begründung der Jury. fresach.org
Die gebürtige Sudanesin Umyma El-Jelede praktizierte in Lybien als Ärztin und Chirurgin, bevor sie 2004 aus politischen Gründen flüchten musste. Nach drei Jahren in einem Caritasheim in Wien erhielt sie Asyl in Österreich. Ab 2007 baute sie für das Frauengesundheitszentrum FEM Süd ein Beratungsangebot für Frauen aus FGM/C-betroffenen Ländern auf. Für ihr Engagement und ihre Widerstandsarbeit gegen die weibliche Genitalverstümmelung erhielt sie unter anderem den Menschenrechtspreis (MiA Award 2014) der Bundessportorganisation.
Das Kürzel FGM/C steht für "Female Genital Mutilation/Cutting", also die weibliche Genitalbeschneidung, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als schwere Menschenrechtsverletzung beurteilt wird, da sie gravierende gesundheitliche und psychische Folgen für die betrofenen Mädchen und Frauen hat. Sie bezeichnet die teilweise oder vollständige Entfernung der äußeren weiblichen Geschlechtsteile oder andere Verletzungen der weiblichen Genitalien aus nicht-medizinischen Gründen.
Umyma El-Jelede ist Gesundheitsberaterin, FGM/C-Expertin und leitet unterschiedliche Projekte im Wiener Frauengesundheitszentrum FEM Süd. Sie hält Vorträge, Workshops und Fortbildungen für arabischsprachige und afrikanische Frauen und Mädchen. Für Fachkräfte der Medizin, Gesundheits- und Krankenpflege, Sozialarbeit und Elementar-Pädagogik, für Hebammen sowie für das Österreichische Bundesheer, Heeresspital Wien, führt sie FGM/C-Fort- und Weiterbildungen durch.
"El-Jelede steht für interkulturelle und psychosoziale Kompetenz im Gesundheitssystem. Sie kämpft für Toleranz in der Mehrheitsgesellschaft, sie hilft Geflüchteten und Verlassenen, sie unterstützt Mädchen und Frauen ohne Stimme und ohne Sprache, sie gibt ihnen Mut und Kraft, sich in eine fremde Umgebung zu integrieren, selbständig und ohne Bevormundung in einer neuen Gesellschaft zu etablieren. Wer Umyma El-Jelede in ihrer Arbeit begleitet und beobachtet, ihre Geduld und Zuversicht, der kann nur vor Bewunderung staunen", heißt es in der Begründung der Jury.
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Der Europäische Toleranzpreis der Stadt Villach
wird seit 2018 jährlich vergeben. Zu den PreisträgerInnen zählten unter anderem der türkisch-deutsche Schriftsteller Dogan Akhanli, die libanesische Autorin Sonja Boumad, die Übersetzerin Erna Pfeiffer, die Politikwissenschafterin Sieglinde Rosenberger, Alt-Bischof Michael Bünker und die tschechische Autorin Radka Denemarková sowie ORF-Korrespondent Friedrich Orter. fresach.org/toleranzpreistraegerinnen
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