pts20010221025 in Leben
Sozialpartnergipfel:Zweifelhafte Anreizsysteme nicht gefragt
Pharmig zu Mitterlehner-Ankündigungen
Wien (pts025/21.02.2001/12:39)
Der Ankündigung des Vize-Generalsekretärs der Wirtschaftskammer Österreich, Dr. Peter Mitterlehner, gemeinsam mit den Sozialpartnern kurzfristige Maßnahmen gegen Liquiditätsprobleme der Krankenkassen zu setzen, und dabei auch bei den Medikamentenkosten anzusetzen, tritt die Pharmig, Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen, entschieden entgegen.Die Pharmig steht zu jedem Modell, das zu einem auch ökonomisch vernünftigeren Umgang mit Arzneimitteln führt, positiv gegenüber. Das beweist auch die von der Pharmig 1994 initiierte Initiative Arznei & Vernunft, ein europaweit einzigartiges und gut laufendes Gemeinschaftsprojekt zwischen Pharmawirtschaft und Hauptverband.
Die Pharmig wendet sich jedoch dezidiert:
a) gegen jegliche Einschränkung der Verordnungsfreiheit der Ärzte, die nicht nur patientenfeindlich ist, sondern auch wettbewerbsverzerrend wirken kann;
b) gegen jeglichen Druck auf die Ärzteschaft, "noch ökonomischer" zu verschreiben, denn jeder niedergelassene Arzt ist durch seinen "Kassenvertrag" ohnedies verpflichtet, nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch (= sparsam) zu verordnen;
c) gegen "Sparversuche, die keine sind". Ein Beispiel: Durch das "Anreizsystem" des Oberösterreichischen Modells lukrieren zwei Drittel der "Einsparungen" Ärztekammer und individuelle Ärzte (1999 bis zu ATS 18.000,- pro Arzt), das restliche Drittel bringt der OÖGKK nach Abzug des administrativen Mehraufwandes keinen Groschen.
So sehr die Pharmig langfristig strukturelle Effizienzmaßnahmen, wie sie Mitterlehner einfordert, auch begrüßt, ist der angekündigte Ansatz, nämlich noch mehr als bisher die Ausgaben für Medikamente einzuschränken, kein taugliches Mittel, weil:
a) Medikamente machten netto nur 13,39 Prozent der Gesamtausgaben der Krankenkassen aus. Damit ist der Spielraum von vorn herein sehr begrenzt. Eine absolut unrealistische Absenkung der Medikamentenausgaben um 10 Prozent würde der Wiener Gebietskrankenkasse, der größten Österreichs, nicht einmal 500 Millionen ATS bringen. Dem gegenüber steht aber ein angeblicher Liquiditätsengpass von weit über einer Milliarde Schilling.
b) Nach einem Aderlass bei der pharmazeutischen Industrie im Vorjahr, der heuer 3,2 Milliarden Schilling in die Börsen der Kassen bringen wird, sind weitere Ausgabensenkungen nicht mehr möglich, weil
- Ärzte bei der Qualität der Therapie sparen würden (z.B. durch Verordnung nebenwirkungsstärkerer und daher billigerer Medikamente),
- Ärzte ihre Verschreibungskosten senken würden, indem sie Patienten ganz einfach weiter überweisen anstatt behandeln würden. Die dadurch angestiegenen Spitalskosten hätte der Steuerzahler, nicht die Krankenkasse zu zahlen.++/rm (Forts. möglich) (Ende)
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