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pts20260414008 in Leben

40 Jahre Tschernobyl: Atomrisiko wird verdrängt, kaum Vorsorge für Ernstfall

Aktuelle INTEGRAL-Studie zum Jahrestag am 26. April: Klare Ablehnung von Atomkraft in Österreich


Wien (pts008/14.04.2026/10:30)

  • Drei Viertel (76 %) befürworten, dass es in Österreich kein Atomkraftwerk gibt
  • Nur ein Drittel (35 %) sorgt sich heute vor einem Atomunfall
  • Lediglich 20 % haben für einen atomaren Katastrophenfall vorgesorgt

Angriffe auf kritische Infrastruktur und die Frage der Energiesicherheit haben die Atomkraftfrage wieder stärker ins Zentrum gerückt. Eine nukleare Gefahr wird nur von wenigen Menschen wahrgenommen, konkrete Vorsorgemaßnahmen gibt es kaum.

Dabei erinnern sich viele an den Super-GAU, der den Alltag schlagartig veränderte: Der Verkauf frischer Lebensmittel war eingeschränkt, Spielplätze und Sportanlagen geschlossen, und im persönlichen Umfeld gab es kaum ein anderes Gesprächsthema. Was ein wenig an die Corona-Pandemie erinnert, beschreibt die Folgen des Reaktorunfalls von Tschernobyl am 26. April 1986. Die Katastrophe war ein Moment massiver Verunsicherung, der das Leben von einem Tag auf den anderen veränderte. Vier Jahrzehnte später ist das Ereignis weiterhin tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Gleichzeitig zeigt sich ein deutlicher Widerspruch zwischen historischer Erfahrung, aktueller Einschätzung und persönlicher Notfallvorsorge. Eine aktuelle INTEGRAL-Studie zum Jahrestag der Katastrophe hat die Stimmungslage in Österreich untersucht.

Tschernobyl prägt die Erinnerung, aber nicht das Verhalten

Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, dem heute in der Ukraine liegenden Tschornobyl, ist im gesellschaftlichen Bewusstsein nach wie vor präsent: 94 % haben davon bereits gehört, bei den über 50-Jährigen sind es nahezu alle (99 %). 48 % der Befragten können genau erklären, was damals geschehen ist, weitere 46 % erinnern sich zumindest oberflächlich.

Falls bekannt, hatte das Ereignis nachhaltige Wirkung: 60 % geben an, dass Tschernobyl ihre grundsätzliche Einstellung zur Atomkraft verändert hat. Besonders ausgeprägt ist dieser Einfluss bei Frauen (71 %), während er bei Männern (49 %) deutlich geringer ausfällt.

Dennoch spielen Langzeitfolgen heute für die Mehrheit kaum eine Rolle – etwa beim Lebensmitteleinkauf: 68 % machen sich selten oder nie Gedanken über eine mögliche Strahlenbelastung von Pilzen oder Wildfleisch, die selbst 40 Jahre nach der Atomkatastrophe noch erhöhte Werte aufweisen können. Männer und Befragte mit Matura zeigen sich dabei besonders unbesorgt.

Gestiegenes Risiko, trotzdem geringe Sorge um Atomunfall

Dass es in Europa heute zu einem schweren Atomunfall kommen könnte, stimmt nur wenige besorgt: 8 % machen sich überhaupt keine, weitere 54 % nur geringe Sorgen. Frauen äußern dabei deutlich stärkere Bedenken als Männer. Gleichzeitig schätzen 66 %, dass durch den Krieg in der Ukraine das Risiko eines Atomunfalls in Europa gestiegen ist. 41 % sorgen sich konkret um die Sicherheit der stillgelegten Kraftwerkruine in Tschernobyl.

Kaum Vorsorge für Ernstfall – weder privat noch staatlich

Entsprechend überrascht es nicht, dass die Menschen in Österreich kaum für den Fall einer Atomkatastrophe vorgesorgt haben. Nur 20 % geben an, Vorkehrungen getroffen zu haben – 18- bis 29-Jährige und Befragte mit Matura liegen hier über dem Schnitt. 30 % haben sich immerhin informiert, was im Ernstfall zu tun oder zu unterlassen ist (z.B. Lüftung abschalten, Leitungswasser meiden).

Auch dem Staat wird wenig Vertrauen entgegengebracht: Nur 19 % sind der Ansicht, Österreich wäre für den Fall einer Atomkatastrophe gut vorbereitet. Männer, 18- bis 29-Jährige und Befragte aus Wien urteilen hier positiver.

"Atomkraft? Nein danke"

Die Haltung zur Atomkraft ist eindeutig. Drei Viertel (76 %) finden es richtig, dass in Österreich kein Atomkraftwerk betrieben wird. 58 % gehen noch weiter und befürworten einen Ausstieg aus der Atomkraft in ganz Europa. Verunsicherung verursacht auch die ungelöste Frage der Atommüll-Lagerung: 67 % haben diesbezüglich Angst. Bei gewünschten Formen der Energiegewinnung liegt Atomkraft daher mit 12 % deutlich abgeschlagen hinter Erneuerbaren wie Wasserkraft (78 %), Photovoltaik (77 %), Windkraft (70 %) und Biomasse (41 %).

Argumente für Atomkraft finden dagegen nur bei einer Minderheit Zuspruch: 18 % befürworten Atomkraft im Sinne des Klimaschutzes, 23 % mit dem Ziel der Kostenersparnis und 24 % im Dienste der Versorgungssicherheit.

Zwischen Ablehnung und Pragmatismus: Einstellungen je nach Lebenswelt

Die Haltung gegenüber Atomkraft ist stark von den grundlegenden Lebenseinstellungen geprägt. Ein Blick auf die Sinus-Milieus verdeutlicht diesen Einfluss. In diesem Modell, das Menschen nach ihren Werten und Lebensstilen in "Gruppen Gleichgesinnter" zusammenfasst, lassen sich Milieus identifizieren, die Atomkraft besonders kritisch gegenüberstehen – und auch jene, die einen pragmatischen Zugang zur Nuklearenergie pflegen.

Das verantwortungsbewusste und nachhaltigkeitsorientierte Postmaterielle Milieu und das veränderungswillige und problembewusste Progressiv-Realistische Milieu eint die Sorge um die Auswirkungen der Atomkraft. Sie lehnen diese Art der Energiegewinnung entsprechend klar ab. Dagegen pflegen die nutzenorientierte Adaptiv-Pragmatische Mitte und die risikoaffinen Kosmopolitischen Individualisten teilweise einen offen-pragmatischen Zugang zu Atomkraft.

"In diesen beiden Milieus findet sich noch am ehesten die Ansicht, dass Atomkraft eine Lösung für Klimaschutz, Kostenersparnis oder Versorgungssicherheit darstellen könnte. Allerdings ist sogar hier die Mehrheit skeptisch", so INTEGRAL-Geschäftsführer Bertram Barth.

Methodischer Hinweis
Die Ergebnisse beruhen auf einer INTEGRAL-Eigenforschung, für die zwischen dem 5. und 23. März 2026 n=1.000 Personen aus dem Austrian Onlinepool online befragt wurden, repräsentativ für die österreichische Wohnbevölkerung im Alter von 18 bis 75 Jahren.

Über INTEGRAL
INTEGRAL ist ein Full-Service-Institut und Anbieter maßgeschneiderter Marktforschungslösungen auf wissenschaftlicher Basis, von der Datenerhebung bis zur Lieferung handlungsrelevanter Informationen und Empfehlungen. INTEGRAL kooperiert eng mit den Schwesterunternehmen SINUS Markt- und Sozialforschung in Heidelberg und Berlin und OPINION Market Research & Consulting, Nürnberg (INTEGRAL-SINUS-OPINION Gruppe). In Kooperation mit dem Heidelberger SINUS-Institut, dessen Mehrheitsanteile INTEGRAL im Jahr 2009 übernommen hat, engagiert sich der österreichische Marktforscher intensiv in der Sinus-Milieu Forschung. Die Ergebnisse bieten Marketingentscheidern aus Unternehmen, Medien und Politik wettbewerbsrelevante Informationen über Märkte und Zielgruppen.

Bilddownload: https://we.tl/t-AFRBZKN7xoMBxwsx (Fotocredit: INTEGRAL Markt- und Meinungsforschungsges.m.b.H)

Für Rückfragen: Dr. Bertram Barth, Geschäftsführer, und Mag. Sandra Cerny, Öffentlichkeitsarbeit, www.integral.co.at, Anfragen an office@integral.co.at , Tel.Nr. +43 1 7991994

Externer Medienkontakt: Doris Spiegl, ds@dorisspiegl,at, Tel.Nr. +43 676 5401594

(Ende)
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