Social-Media-Verbot für Jugendliche hilft nicht
Laut Analyse der Universität Porto müssen Plattformen stattdessen ihre Funktionalität ändern
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Schloss: Aussperren bringt nichts im Jugendschutz (Foto: Pavlo, pixabay.com) |
Porto (pte005/26.01.2026/06:15)
Die Einschränkung des Zugangs junger Menschen zu sozialen Medien ist laut einer Untersuchung von Mariana Rodrigues von der Universität Porto nicht der effektivste Weg, um Online-Risiken zu bekämpfen. Stattdessen fordert sie eine strengere Regulierung digitaler Plattformen und ihrer Algorithmen. Die erste landesweite Studie hat die Exposition junger Menschen gegenüber Cybermobbing und Online-Inhalten wie Gewalt, Selbstverletzung und Suizid untersucht.
Mit Schädlichem konfrontiert
"Diese Technologien sind nicht mehr wegzudenken. Aber es bedarf einer stärkeren Regulierung, Kontrolle und Verantwortung. Die Funktionsweise von Algorithmen muss überprüft werden", so Rodriguez. Sie und ihr Team haben 2.071 Menschen zwischen zehn und 21 Jahren befragt und festgestellt, dass die Exposition gegenüber schädlichen Inhalten von diesen oft unbeabsichtigt ist.
61,1 Prozent der Befragten haben angegeben, dass sie mit gewalttätigen Inhalten oder Aufforderungen, sich selbst zu verletzen, konfrontiert wurden, obwohl sie nie aktiv danach gesucht hatten. 67,1 Prozent haben außerdem gesagt, dass manches, was sie unfreiwillig online gesehen hatten, auf sie verstörend gewirkt habe.
Viele erleben Suizid-Content
Bei 47,2 Prozent waren es Hassreden, bei 45,3 Prozent gewalttätige Inhalte. Mit Drogenkonsumenten wurden 39,7 Prozent der Jugendlichen konfrontiert und 36,6 Prozent erhielten Infos in Zusammenhang mit Selbstverletzung. Materialien, die ungesunde Essgewohnheiten fördern, erreichten 35,3 Prozent der Befragten, während 33 Prozent angaben, mit sexualisierten Inhalten konfrontiert worden zu sein.
Besonders alarmierend ist laut den Experten die Tatsache, dass fast jeder siebte Jugendliche (14,9 Prozent) mit Inhalten konfrontiert wurde, die Wege zum Suizid beschreiben. Für die Forscherin liegt das Kernproblem in der Funktionsweise digitaler Plattformen. Diese müsste so geändert werden, dass schädliche Inhalte nicht mehr automatisch präsentiert würden.
Rodrigues betont zwar, wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche zu befähigen, mit der Technologie umzugehen. Sie hebt jedoch auch hervor, dass die Social-Media-Unternehmen die Verantwortung nicht auf andere abwälzen dürfen. "Wir müssen in digitale Kompetenz und öffentliche Gesundheit investieren, insbesondere in Schulen", fordert sie.
Sie glaubt auch, dass Verbote weitgehend wirkungslos sind, da sie aufgrund eines "enormen Mangels an Mechanismen, die den Zugang für junge Menschen nach Alter effektiv regulieren", scheitern. Jugendliche fänden meist Wege, die Verbote zu umgehen. Von Eltern verhängte Verbote hätten sich als ebenso erfolglos erwiesen.
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