pte20260302010 in Leben

Snacks und Co tricksen stets das Gehirn aus

Menschlicher Wille und Sattsein spielen laut Erhebung der University of East Anglia keine Rolle


Popcorn: Gehirn will trotz Sättigungsgefühl immer mehr davon (Foto: pixabay.com, Devon Breen)
Popcorn: Gehirn will trotz Sättigungsgefühl immer mehr davon (Foto: pixabay.com, Devon Breen)

Norwich (pte010/02.03.2026/10:30)

Das menschliche Gehirn reagiert auf verlockende Essensreize, auch wenn der Appetit eigentlich gestillt ist. Zu dem Schluss kommen Forscher von der University of East Anglia. In einer Welt voll Werbung und Hinweisen auf Snacks an jeder Ecke sagen diese Forschungsergebnisse viel darüber aus, warum so viele Menschen Probleme damit haben, ein gesundes Gewicht zu halten.

Keine Appetitkontrolle

Laut Forschungsleiter Thomas Sambrook ist der weltweite Anstieg der Fettleibigkeit nicht nur auf die Willenskraft zurückzuführen. Es gehe vielmehr darum, dass eine Umgebung voller Lebensmittel und erlernte Reaktionen auf appetitanregende Reize die natürlichen Appetitkontrollen des Körpers überwältigen. "Wir wollten besser verstehen, wie unser Gehirn auf Essensreize reagiert, auch wenn wir längst satt sind."

Die Forscher haben die Gehirnwellen von Menschen untersucht, nachdem sie gegessen hatten. Obwohl ihre Mägen zufriedengestellt waren, hat dies das Gehirn ignoriert. "Kein Ausmaß an Vollsein konnte die Reaktion des Gehirns auf köstlich aussehende Lebensmittel deaktivieren. Das weist darauf hin, dass Lebensmittel ein übermäßiges Essen auch ohne Hunger auslösen können", unterstreicht Sambrook.

Elektrische Aktivität bleibt

An der Studie haben 76 Freiwillige teilgenommen, die mittels EEG-Gehirn-Scans überwacht wurden. Sie absolvierten ein belohnungsbasiertes Lernspiel mit Lebensmitteln wie Süßigkeiten, Schokolade, Chips und Popcorn. Bei der Hälfte der Aufgabe erhielten die Teilnehmer so lange eines dieser Produkte, bis sie nichts mehr davon essen wollten. Sie waren also bereits satt und berichteten von einem drastisch reduzierten Verlangen nach Nahrung.

Ihre Gehirne erzählten jedoch eine andere Geschichte. Die elektrische Aktivität in Arealen, die mit Belohnung in Verbindung stehen, reagierten genauso stark auf das nicht gewollte Essen. Das war auch dann der Fall, als die Teilnehmer vollständig statt waren. Laut Sambrook weigert sich das Gehirn herabzustufen, wie lohnend Nahrungsmittel aussehen. Sobald Nahrungsmittel auftauchten, sende das Gehirn weiter entsprechende Signale. "Das ist ein Rezept für das Überessen", so Sambrook.

Den in "Appetite" veröffentlichten Ergebnissen nach reagieren Menschen auf Essensreize wie Gewohnheiten. Dabei handelt es sich um automatische, erlernte Reaktionen. Sie entstenden innerhalb von Jahren, in denen bestimmte Nahrungsmittel mit Genuss in Verbindung gebracht wurden. Die Studie hat keinen Zusammenhang zwischen der Fähigkeit, zielgerichtete Entscheidungen zu treffen und der Resistenz des Gehirns, Lebensmittel abzuwerten, festgestellt. So wird selbst eine ausgezeichnete Selbstkontrolle durch automatische neuronale Reaktionen untergraben.

(Ende)
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