pte20260403005 in Forschung

Selektive Mediennutzung führt zu Polarisierung

Studie aus Südkorea zeigt trotz medialer Vielfalt inhaltlich verengte Informationshorizonte


Stets vernetzt: Homogene Mediennutzung befördert Tunnelblick (Symbolfoto: pixabay.com, wal_172619)
Stets vernetzt: Homogene Mediennutzung befördert Tunnelblick (Symbolfoto: pixabay.com, wal_172619)

Seoul (pte005/03.04.2026/06:15)

Wer häufig thematisch oder ideologisch ähnliche Medieninhalte konsumiert, neigt zu einer stärkeren Polarisierung in politischen Fragen. Das berichten die südkoreanischen Forscher Keungoui Kim (Yonsei University), Yunwoo Choi (Chosun University) und Changjun Lee (Sungkyunkwan University) in ihrer Studie, deren zentralen Ergebnisse kürzlich im Wissenschaftsmagazin "Nature" publiziert worden sind.

Daten der Korea Media Panel Survey

Die Wissenschaftler haben untersucht, wie homogener Medienkonsum die politische Polarisierung beeinflusst. Dafür haben sie eine neuartige, nutzerzentrierte Kennzahl eingeführt: den "Average Media Relatedness" (AMR). Anhand umfassender Paneldaten aus der Korea Media Panel Survey analysierten Kim, Choi und Lee, inwiefern das Medienrepertoire einzelner Personen interne Ähnlichkeiten aufweist und wie diese Homogenität mit Veränderungen der politischen Einstellungen im Lauf der Zeit zusammenhängt.

Im Gegensatz zu üblichen Messgrößen für selektive Mediennutzung, die auf Inhaltstypologien oder Plattform-Kategorien basieren, quantifiziert der AMR die Ähnlichkeit von Medien auf der Basis gemeinsamer Nutzungsmuster. Daher bietet er eine nachfrageseitige Perspektive auf ideologische Isolation. Mit Fokus auf dem Konsum von Inhalten aus TV, Zeitungen und Online-Nachrichtenportalen in Südkorea zwischen 2012 und 2016 haben die Forscher Muster selektiver Mediennutzung untersucht.

AMR matcht mit Polarisierung

Im Ergebnis zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen AMR und politischer Polarisierung. Wer sich vermehrt ähnlichen Themen und ideologischen Inhalten widmet, neigt im weiteren Zeitverlauf zu stärkerer Polarisierung. Das gilt auch bei Berücksichtigung soziodemografischer Variablen. Aus Sicht der Forscher verdeutlichen die Resultate das Paradoxon der Medienfülle in Umfeldern mit viel Auswahl: Während Nutzer mehr Wahlmöglichkeiten haben als je zuvor, können ihre Entscheidungen zugleich zur Verengung ihres Informationshorizonts führen.

Die Verortung der Analyse in Südkorea sehen die drei Forscher als Beitrag zu globalen Debatten darüber, wie personalisierte Mediennutzung ideologische Gräben vertiefen kann. Hier gebe es beispielhaft eine stark vernetzte, zugleich mediengesättigte und politisch gespaltene Gesellschaft. Sie erörtern in ihrer Studie die Folgen einer nutzerbedingten medialen Abschottung für demokratischen Zusammenhalt und zeigen Wege auf, um Polarisierung entgegenzuwirken - durch Medienkompetenz und Mechanismen zur Förderung der Vielfalt.

(Ende)
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