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pts20160107004 Politik/Recht, Kultur/Lifestyle

PEN-Club-Lesung für Ashraf Fayadh am 13. Jänner

Palästinensischer Dichter soll in Saudi-Arabien hingerichtet werden


Ashraf Fayadh (© Ashraf Fayadh via Instagram)
Ashraf Fayadh (© Ashraf Fayadh via Instagram)

Wien (pts004/07.01.2016/09:30) - Anlässlich des "Worldwide Reading for Ashraf Fayadh", einer Solidaritätsaktion zugunsten eines in Saudi-Arabien zum Tod verurteilten Poeten, organisiert der PEN-Club Austria am 13. Jänner 2016, um 19 Uhr, eine Lesung in Wien. Österreichische Autorinnen und Autoren werden im Presseclub Concordia (Bankgasse 8, 1010 Wien) inkriminierte literarische Texte ihrer bedrohten, verfolgten, eingesperrten und vom Tod bedrohten Kollegen lesen. Die Veranstaltung ist frei zugänglich. http://www.penclub.at

Der 35-jährige, in Saudi-Arabien lebende palästinensische Dichter Ashraf Fayadh wurde von einem saudischen Gericht am 17. November 2015 für das "Verbrechen" der Apostasie zum Tode verurteilt. Neben dem Abfall vom Islam wird Fayadh auch Gotteslästerung und Förderung des Atheismus durch seine Gedichtsammlung "Befehle verinnerlicht" vorgeworfen, die im Jahr 2008 veröffentlicht worden ist. Es hilft ihm auch nicht, dass er seine Gedichte, in denen er sich mit kulturellen und philosophischen Fragen beschäftigt, "nur auf sich und auf sein Schicksal als palästinensischer Flüchtling" bezieht. Für seine Richter stellen diese Gedichte ein mit dem Tod zu bestrafendes Verbrechen dar.

Poesie als Verbrechen

Ashraf Fayadh ist nicht der einzige vom Tod bedrohte Autor oder Andersdenkende, deren "Verbrechen" in der Beanspruchung ihrer Eigenständigkeit besteht und die diesen Anspruch mit sprachlichen Mitteln zum Ausdruck zu bringen. Doch er steht stellvertretend für viele Autoren. Am 13. Jänner 2015 ab 19 Uhr präsentieren IG Autoren, PEN-Club und Grazer Autorenversammlung literarische Texte, für die ihre Verfasser mit Gefängnis, Folter und dem Tod gebüßt haben oder büßen sollen. Hochpoetische Texte, keine Aufrufe zum Sturz von Regierungen oder dergleichen, deren persönlicher und literarischer eigenständiger Ausdruck, Integrität und intellektuelle Redlichkeit ihre Verfasserinnen und Verfasser zu "Kriminellen" macht.

Es ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, nach der sich literarische Texte auf die Suche machen, in ihren sämtlichen Formen, in Eigenregie ihrer Verfasserinnen und Verfasser, ungeschützt von den großen Institutionen. Einzig und allein die Grund- und Freiheitsrechte, wo sie bestehen, sind ihr Rückhalt. Autorinnen und Autoren können mit Fug und Recht den Anspruch auf eine besondere Rolle in gesellschaftlichen Diskursen und Prozessen stellen. Nur in Diktaturen nicht.

Wie die Gefährdung und die Folgen des Missbrauchs der Sprache aussehen, hat Toni Morrison in ihrer Nobelpreisrede 1993 unmissverständlich zum Ausdruck gebracht: "Das systematische Plündern der Sprache erkennt man an der Tendenz ihrer Benutzer, auf deren nuancierte, komplexe Hebammeneigenschaften zugunsten von Bedrohung und Unterwerfung zu verzichten. Unterdrückersprache repräsentiert nicht nur Gewalt, sie ist Gewalt; repräsentiert nicht nur die Grenzen des Wissens, sie begrenzt Wissen."

"Wer Wissen begrenzt, verhindert die Suche nach Wahrheit und erlaubt weder abweichendes noch eigenständiges Denken und Handeln. Der Versuch, durch Unterdrückung Wissen zu begrenzen, ist in zahlreichen Staaten mehr oder weniger offen gängige Praxis", klagt der PEN-Club Austria.

(Ende)
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