pte19980314007 in Business
PC-Preise stürzen ab - Bald Rechner um 500 Dollar ?
PCs werden künftig zur Software verschenkt
Hamburg (pte) (pte007/14.03.1998/14:39)
Mehr Geschwindigkeit, mehr Leistung - und dennoch sinkende Preise: Dieser Spagat verlangt der Computerindustrie immer artistischere Beweglichkeit ab. Der Preiskampf, da sind sich die Experten auf der deutschen Computermesse CeBIT einig, könnte die Branche heftig durcheinanderwirbeln. Schon Mitte vergangenen Jahres gab es in den USA plötzlich Rechner unter 1000 Dollar. Der Marktanteil von Billig-PCs kletterte im Weihnachtsgeschäft 1997 auf 40 Prozent und besserte die eher flaue Jahresabsatz-Statistik für Computer auf.In Deutschland begann der Krieg mit PC-Angeboten bei Aldi und anderen Discountern. Einfache Standard-Rechner kosten heute nur noch 1500 D-Mark. Nach Schätzungen der Marktforscher von IDC sind diese Geräte zu Jahresende für 999 Mark zu haben. Das Warten auf niedrigere Preise macht freilich kaum Sinn: "Ein neuer PC soll ja Zeit und dadurch Geld sparen. Beim Warten verlieren Sie aber mehr, als der Preis sinkt", warnt der amerikanische Computerkolumnist Jesse Berst.
Den Herstellern wird die Dumping-Schlacht unheimlich: So sehr verringern sich die Gewinnspannen, daß die bisherigen Marktstrategien nicht mehr funktionieren. Vor allem Intel, dessen Prozessoren Herzstück der meisten PCs sind, gerät ins Wanken. So ging der Aktienkurs des Chip-Riesen innerhalb einer Woche von 95 auf 75 Dollar zurück. Konkurrenten wie Cyrix, AMD oder IDT versorgen den Billig-PC-Markt mit schwächeren, aber billigeren Prozessoren.
Nun schwenkt auch Intel um: Im Januar reduzierte man den Preis für Prozessoren um 53 %. Eigens für den Markt der "Heimgeräte" konzipierte Intel den abgespeckten "Celeron"-Prozessor, der zwar im Prinzip wie der bekannte Pentium funktioniert, dem aber ein besonderer Zwischenspeicher, der "Level 2 Cache", fehlt. Im April soll der "Celeron" für 155 Dollar an die Computerbauer verkauft werden, sein "professionelles" Pentium-II-Gegenstück mit Cache kostet heute 375 Dollar. Was da stattfindet, so ein Branchenkenner ist mit der Segementierung in der Automobilindustrie vergleichbar: Klein-, Mittel-, Luxusklasse.
Konkurrierende Chip-Bauer wollen noch viel weiter gehen. Brian Halla, Chef des traditionellen Chipherstellers National Semiconductor aus dem kalifornischen Santa Clara, hält den 500-Dollar-PC bereits bis Ende des Jahres für realistisch. "System-on-a-Chip" heißt sein technische Programm: Die Funktionen eines kompletten PC sollen auf einen einzigen briefmarkengroßen Prozessorchip mit etwa 20 Mio. Transistoren passen - um weniger als 100 Dollar. Viele Experten teilen die Ansicht des Nobelpreisträgers Arno Penzias. Der Leiter des Forschungszentrums von Lucent Technologies, Bell Labs, in denen der Transistor erfunden wurde, sagt voraus, daß der Computer selbst zur Nebensache wird, die man mal eben mit der Software verschenkt. Oder der Rechner dient als Beigabe zu einer Packung Cornflakes. (stern.de) (Ende)
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