pte20260318016 in Leben

Nierenleiden: Säureungleichgewicht übersehen

Metabolische Azidose wird laut neuer Untersuchung der Niigata University viel zu selten behandelt


Datenspeicher: Fehlende Medizindaten sind problematisch (Foto: pixabay.com, Panumas Nikhomkhai)
Datenspeicher: Fehlende Medizindaten sind problematisch (Foto: pixabay.com, Panumas Nikhomkhai)

Niigata (pte016/18.03.2026/10:30)

Forscher der Niigata University haben in einem japanischen Familienregister einen blinden Fleck in der Routineversorgung von Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) identifiziert. Die sogenannten Serum-Bicarbonat-Werte werden demnach nur selten ermittelt. Dadurch bleibt eine metabolische Azidose, also eine Übersäuerung, großteils unentdeckt und daher auch unbehandelt. Details sind in "Scientific Reports" veröffentlicht.

Metabolische Azidose

Bei der metabolischen Azidose handelt es sich um eine häufige Komplikation von CKD. Sie steht mit Muskelschwund, Knochenerkrankungen, einer Insulinresistenz, einer beschleunigten Abnahme der Nierenfunktion und einer erhöhten Sterblichkeit in Zusammenhang. Die klinischen Richtlinien empfehlen eine Behandlung, wenn der Serum-Bicarbonat-Wert unter 22 mEq/L fällt. Aus Asien standen bisher nur eingeschränkt Real-World-Data (RWD) zur Verfügung, also Daten, die außerhalb eines Labors erhoben wurden.

Das Team unter der Leitung von Mai Tanaka über die "Japan Chronic Kidney Disease Database Extension" Informationen von mehr als 21 Universitätskliniken ausgewertet. Dabei wurden die Bicarbonat-Messung, die Diagnose und die Behandlungsmuster bei CKD-Patienten im Stadium 3a bis 4 für den Zeitraum 2014 bis 2021 untersucht. Die Schlüsselerkenntnis: Das Serum-Bicarbonat wird routinemäßig nur selten getestet. Laut Tanaka lagen die jährlichen Werte in Japan anhaltend unter zehn Prozent.

Erkrankung sehr häufig

Aufgrund dieser seltenen Testung erschien das Auftreten der metabolischen Azidose in dieser Population als sehr gering. Hat sich die Analyse hingegen auf jene Patienten konzentriert, bei denen das Bicarbonat tatsächlich ermittelt worden ist, zeigte sich ein anderes Bild. Fast die Hälfte dieser Population entsprach den Kriterien für eine metabolische Azidose. Das Auftreten verstärkte sich zudem mit dem Fortschreiten der chronischen Nierenerkrankung.

Der aktuellen Studie nach ist die Kluft zwischen Diagnose und Behandlung auch bei Patienten besorgniserregend, deren Serum-Bicarbonat-Werte unter dem empfohlenen Wert von 22 mEq/L liegen. Bei Diagnose und Behandlung liegt der Anteil bei nur 8,6 Prozent respektive 7,5 Prozent. Die Ergebnisse werden durch eine Studie von Abramowitz und Whitlock mit Kohorten aus den USA und Kanada bestätigt. Weniger als 20 Prozent der CKD-Patienten erhielten eine entsprechende Behandlung.

(Ende)
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