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pts20260826011 in Forschung

Neue Entdeckungen in Hattuscha

Bronzezeitliche Supermacht der Hethiter wird schrittweise zutage gefördert


Ankara/Çorum (pts011/26.08.2026/09:32)

Die Wiege der europäischen Zivilisation liegt zwischen Mesopotamien und dem alten Pharaonenreich am Nil, doch die Ausbreitung verlief über Kleinasien, der heutigen Türkei. In ganz Anatolien finden sich Spuren vorzeitlicher Kulturen, die nach und nach ans Licht der Öffentlichkeit gefördert werden. Archäologen haben so kürzlich drei bisher unbekannte Hethiter-Gräber aus dem späten 4. bis 3. Jahrhundert v. Chr. entdeckt.

Zu den wichtigsten Ausgrabungsstätten der jüngeren Zeit zählt Hattuscha, die bronzezeitliche Hauptstadt der Hethiter in Çorum rund 180 km östlich von Ankara. Nahezu wöchentlich überraschen Archäologen hier mit neuen Funden, die den Status der einstigen Supermacht in Anatolien dokumentieren. Ein Archiv mit über 30.000 Tontafeln, die im Rahmen des UNESCO-Programms "Welt-Dokumentenerbe" anerkannt sind, harrt noch der Entzifferung.

Auf dem Höhepunkt ihrer Macht erstreckte sich das Reich der Hethiter von der Ägäisküste bis nach Nordsyrien und kontrollierte wichtige Handelsrouten bis nach Palästina. Die Hethiter bauten die ersten Städte, monumentale Tempel, Festungen und Paläste und schufen eines der größten Archive an Keilschrifttafeln, darunter ragt der Vertrag von Kadesch, der 1259 v. Chr. mit Ägypten geschlossen wurde, heraus. Er gilt als der erste bekannte schriftliche Friedensvertrag der Welt und wird heute in den Archäologischen Museen Istanbuls ausgestellt.

Innovationen in Poltik und Verwaltung

Die Pankus-Versammlung der Hethiter ist eines der frühesten bekannten politischen Beratungsgremien der Geschichte. Die Hethiter leisteten Pionierarbeit im Familien-, Erb- und Zivilrecht und schufen mit den Königlichen Annalen die ältesten bekannten historischen Aufzeichnungen. Der erste Wasserdamm Anatoliens, vor über 3.200 Jahren von den Hethitern in Alacahöyük erbaut, wird noch heute zur Bewässerung genutzt.

Das Herz des einst mächtigen Reiches liegt bei Boğazkale in der anatolischen Provinz Çorum. Die Stadt an einem steilen Hang mit Blick auf die fruchtbare Ebene des Flusses Kızılırmak, war strategisch günstig gelegen und als "Stadt der tausend Götter" bekannt. Heute gleicht Hattuscha einem riesigen Steinpuzzle, das sich aus dem umliegenden Grün erhebt. Ihre Tempel, monumentalen Tore, königlichen Gebäude und Befestigungsanlagen geben einen Einblick in die Pracht einer der mächtigsten Zivilisationen der Bronzezeit.

In der Unterstadt befindet sich der Große Tempel, während die Oberstadt mit mächtigen Festungsmauern und monumentalen Toren wie dem Löwentor, dem Königstor und dem Sphinx-Tor beeindruckt. Der Büyükkale-Palastkomplex, erbaut an der Stelle der frühesten Siedlung der Stadt, ist ein weiteres Highlight. Wer eine Besichtigung plant, sollte auch das nahe gelegene Freilichtheiligtum Yazılıkaya mit seinen hethitischen Felsreliefs besichtigen, ebenso Alacahöyük, eines der wichtigsten urbanen Zentren des Reiches, und Shapinuwa, eines der frühesten Verwaltungs- und Militärzentren Anatoliens.

Neue Funde aus späteren Epochen

Die neu entdeckten Gräber untermauern die wachsende Zahl an Belegen dafür, dass Hattuscha noch lange nach der Hethiterzeit besiedelt war. Ausgrabungen haben in der Region acht Gräber aus der frühhellenistischen und galatischen Zeit freigelegt, darunter fünf aus der vorangegangenen Grabungssaison. Neun weitere wurden bei früheren Ausgrabungen weiter westlich gefunden. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der bekannten Gräber auf 17.

Eines der neu entdeckten Gräber ist aufgrund seines außergewöhnlich guten Erhaltungszustands besonders bemerkenswert. Umgeben von einer kreisförmigen Steinmauer mit etwa sieben Metern Durchmesser und einer zweiten inneren Begrenzung für einen einzelnen Erwachsenen, enthielt das Grab ein intaktes Skelett und ein reich verziertes Messer neben der rechten Schulter des Verstorbenen. Die Entdeckung ist besonders bedeutsam, da die spätere Geschichte von Hattuscha vergleichsweise wenig erforscht ist.

Auf den Spuren der Hethiter

Auch das Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara beherbergt eine reiche Sammlung von Artefakten aus der Hethiterzeit. Ausstellungsstücke wie ein Brief einer ägyptischen Königin an einen hethitischen König aus dem Jahr 1235 v. Chr. bieten einen einzigartigen Einblick in diese alte Kultur. Und wenn man schon in Ankara ist, sollte man das reiche touristische und historische Angebot der türkischen Hauptstadt auskosten: die Burg Ankara, die letzte Ruhestätte Atatürks, die Nationalbibliothek und die Römischen Bäder.

Anreise: Der Flughafen Amasya Merzifon ist der nächstgelegene Flughafen und etwa eine Stunde von Çorum mit dem Auto oder Bus entfernt.

Unterkunft: Çorum bietet eine breite Palette an Unterkünften, von Hotelketten bis hin zu Pensionen.

Kulinarische Highlights: Empfohlen werden insbesondere lokale Spezialitäten wie İskilip Dolması und Çorum Mantısı.

Einkaufsmöglichkeiten: Geröstete Kichererbsen (Leblebi) sind ein typisches Souvenir aus Çorum und hervorragend als Mitbringsel geeignet. Es gibt sie in verschiedenen Varianten, z.B. mit Pfeffer, Zucker oder Schokolade überzogen.

Weitere Fotos: hier zum Download.

(Ende)
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