pts20110526022 Umwelt/Energie, Unternehmen/Wirtschaft

Traktormarkt: Nach der Talfahrt setzt Erholung ein

Westeuropäischer Markt geht im ersten Halbjahr zurück, Erholung in Sicht


Graz (pts022/26.05.2011/15:10) Das Agrarportal http://www.landwirt.com analysiert jährlich den europäischen Traktormarkt. In Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise setzte sich der rückläufige Traktorenmarkt in den ersten sechs Monaten des Jahres 2010 weiter fort. Im zweiten Halbjahr setzte dann in unterschiedlichem Tempo in den westeuropäischen Märkten eine Erholung der Nachfrage ein, die sich gegen Jahresende noch weiter verstärkte. In der Summe des Jahres 2010 fiel dann das Zulassungs- beziehungsweise das Verkaufsergebnis mit minus 9,5 % gegenüber dem Vorjahr 2009 noch einigermaßen glimpflich aus.

Hintergrund für die Markterholung gegen Jahresende sind verbesserte Erzeugerpreise für Getreide, Ölsaaten und Milch, gute Aussichten für Stabilität der Erzeugerpreise auch in 2011, sowie ein insgesamt verbessertes Investitionsklima. Die parallel verlaufende Erholung der Automobil- und der Maschinenbaubranche führt im ersten Quartal 2011 sogar zu Lieferengpässen der Zulieferer technischer Komponenten für den Traktoren- und Landmaschinensektor.

Steigende PS-Zahl senkt Stückzahl

Die Erholung des Traktorenmarktes verläuft in sehr unterschiedlichem Tempo: Unter den großen Flächenländern verzeichnet Frankreich beispielsweise mit -22 % den stärksten Rückgang in 2010, während kleinere Märkte wie Österreich, die Schweiz, Portugal und die meisten nordischen Länder schon 2010 wieder zulegen konnten. Das hängt natürlich auch vom unterschiedlichen Verlauf der Vorjahre ab. Der Gesamtmarkt Westeuropa liegt mit 134.000 Traktoren noch weit entfernt von der Zulassungs-/Verkaufsspitze mit mehr als 170.000 Traktoren im Boomjahr 2008 und liegt auch noch weit unter den 168.000 Zulassungen in 2007. Neben dem konjunkturellen Einfluss darf man bei dieser Betrachtung allerdings nicht vergessen, dass die durchschnittlichen Motorleistungen landwirtschaftlicher Traktoren in Westeuropa sich nach oben in den Bereich über 150 PS verschieben. Dadurch verringert sich zwangsläufig auch die Stückzahl der Neuzulassungen, vor allem in Ländern mit großflächigem Ackerbau.

Gewinner und Verlierer des Jahres 2010

In den deutschsprachigen Ländern ist die Rückkehr in die Markterholung bereits deutlich erkennbar: Österreich legte bei den landwirtschaftlichen Traktoren 2010 zu, die großen Gewinner sind hier John Deere, Fendt und Same. Die Schweiz legte gleichfalls zu, wobei auch hier John Deere und Fendt überproportional zulegten. Deutschland verzeichnete einen Rückgang der Zulassungen um 3 %, allerdings bei einer sehr starken Zunahme der Kompakttraktoren bis 50 PS. Hier punkteten vor allem die Asiaten mit Kubota, Iseki und Daidong/Kioti. Bei den vorwiegend landwirtschaftlichen Traktoren mit über 50 PS Motorleistung war der deutsche Traktorenmarkt um mehr als 8 % rückläufig. Nur New Holland konnte sich auf dem sechsten Rang gegenüber dem Vorjahr stark verbessern und endlich den erwarteten Schritt nach vorne tun.

Im übrigen Mitteleuropa hat sich der belgische Markt relativ stabil gehalten. Zugelegt haben insbesondere Fendt, Deutz-Fahr und Case IH. In den Niederlanden ging der Markt nochmals um 7 % zurück. Traditionell stehen hier New Holland, John Deere und Fendt an der Spitze.

In Großbritannien waren die Gesamtzulassungen im Jahr 2010 rückläufig gegenüber 2009. In England stehen traditionell John Deere, New Holland und Massey Ferguson an der Spitze des Marktes.

Unter den nordischen Ländern, die im Vorjahr 2009 sehr starke Markteinbrüche zu verkraften hatten, verzeichnete allein Dänemark nochmals einen kräftigen Markteinbruch. Die Marktführer John Deere, MF und Fendt mussten dabei besonders starke Einbrüche hinnehmen. Der Traktorenmarkt in Finnland blieb fast stabil, während Norwegen und Schweden mit bereits einen kräftigen Wiederaufschwung in Gang setzten. Zu den Marktführern in Finnland, Norwegen und Schweden zählen in jeweils unterschiedlicher Rangfolge Valtra, John Deere, New Holland und MF.

Die südeuropäischen Länder verzeichnen 2010 - bis auf Portugal - starke Marktrückgänge: Die Zulassungen landwirtschaftlicher Traktoren in Frankreich ließen im Vergleich zum Vorjahr um 22 %, Claas und Same waren von diesem Rückgang überproportional betroffen. Auch der italienische Markt ließ nach. Der spanische Markt, seit jeher angeführt von John Deere und New Holland, musste nochmals einen Rückgang hinnehmen. Der griechische Markt sackte nach einer unbestätigten Meldung nochmals auf ein absolutes Tief von 525 Traktoren ab. Portugal konnte erstmals nach mehreren rückläufigen Jahren 2010 wieder zulegen. Permanente Marktführer auch hier am südwestlichen Rand Europas sind New Holland und John Deere, dicht gefolgt von Kubota.

Die genauen Zahlen können Sie der Ausgabe 10 von "Der fortschrittliche Landwirt", S. 64-68 oder http://www.landwirt.com/traktorzulassungen/ entnehmen.

Ausblick auf den Traktormarkt 2011

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass der westeuropäische Traktorenmarkt nach einem nochmaligen Rückgang um 9,5 % in 2011 endgültig auf der Talsohle herauskommt. Insbesondere John Deere und New Holland haben 2010 ihre Führungspositionen weiter ausbauen können.

Autor: DI Wolfgang KUTSCHENREITER, Agrartechnik-Strategiepartner, Gailingen/Hochrhein

(Ende)
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