pte20060426036 in Leben

Forscher sind dem Parasitismus auf der Spur

Fadenwürmer von Mikroorganismen leben an Käfern


Tübingen (pte036/26.04.2006/13:55) Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie in Tübingen http://www.tuebingen.mpg.de sind der Entstehung von Parasitismus auf die Spur gekommen: Sie haben entdeckt, dass einige Fadenwürmer, die auf Käfern vorkommen, als Dauerlarven ausharren und erst dann, wenn der Wirt gestorben ist, Bakterien, Pilze und andere Fadenwurmarten fressen, die sich auf dem Kadaver ausgebreitet haben. Die Biologen halten es für möglich, dass diese Lebensweise eine Vorstufe des Parasitismus darstellt.

Fadenwürmer gibt es fast überall auf der Erde: Im Meer, im Strandsand und im Ackerboden. Bestimmte Arten können sich sogar in den Augen des Menschen einnisten und die in den Tropen gefürchtete Flussblindheit auslösen. Parasiten leben auf Kosten ihres Wirts und töten ihn dabei in vielen Fällen. Alleine die Fadenwürmer sind acht Mal unabhängig voneinander auf die parasitäre Lebensweise verfallen. Das Forscherteam um Ralf Sommer hat untersucht, wie Fadenwürmer der Gattung Pristionchus leben. Sie konnten diese Fadenwürmer an mehr als der Hälfte von 4.000 Käfern in ganz Westeuropa finden. In der Umgebung von Tübingen waren sogar bis zu 70 Prozent der Mistkäfer befallen. Sieben verschiedene Pristionchus-Arten habe die Entwicklungsbiologen bei ihren Untersuchungen identifiziert.

Diese Fadenwürmer leben allerdings nicht als Schmarotzer in den Käfern, vielmehr warten sie auf den natürlichen Tod des Insekts. Die Zwischenzeit überleben sie als Dauerlarve, einem inaktiven Stadium. Wen der Käfer stirbt, werden diese Larven aktiv und entpuppten sich dabei als Allesfressern unter den Schmarotzern. Dieses Verhalten nennen Wissenschaftler necromenisch. Sie vermuten, dass es eine direkte Vorstufe des Parasitismus darstellt. Die nun gewonnnen Erkenntnisse könnten dazu beitragen, die Entstehung des Parasitismus besser zu verstehen. In weiteren Arbeiten wollen die Forscher das Zusammenleben der Käfer und Fadenwürmer genauer erforschen. Das US National Institutes of Health entschlüsselt derzeit das komplette Genom der Fadenwürmer. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden den Forschern vermutlich sehr helfen.

(Ende)
Aussender: pressetext.deutschland
Ansprechpartner: Wolfgang Weitlaner
Tel.: +43-1-811 40-307
E-Mail: weitlaner@pressetext.com
|