pte20000516047 in Leben

Umweltgift in Babywindeln: Hersteller bestreiten alles

Bundesregierung wartet Analysen ab


Wien (pte047/16.05.2000/18:08) Die Umweltschutzorganisation Greenpeace http://www.greenpeace.at hat erneut Analyse-Ergebnisse über TBT-verseuchte Babywindeln erhalten. Procter & Gamble, Hersteller der Babywindeln Pampers http://www.pampers.de reagierte auf die Anschuldigungen von Greenpeace zurückweisend. Babywindeln seien sicher, so der Windelhersteller in einer offiziellen Aussendung. Auch das Sozialministerium reagierte mit Gelassenheit auf die Aussage und verwies auf toxikologische Untersuchungen, die in den kommenden 14 Tagen Gewissheit bringen soll.

Das Gift TBT (Tributylzinn) sei in Schiffsanstrichen in Österreich verboten, aber in Babywindeln nicht, sagte Herwig Schuster, Chemieexperte von Greenpeace Österreich zu pressetext.austria. Ministerin Sickl warte zunächst auf die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung und werde erst dann eine Entscheidung treffen, so Schuster. Dabei sei alles denkbar, vom einfachen Verschlafen bis hin zum Entfernen der Windeln aus den Verkaufsregalen. Jedenfalls garantierte Sickl, dass der mögliche Handlungsspielraum voll ausgenützt sei. "Aufgrund der derzeitigen Datenlage gibt es keinen Grund zur Besorgnis", sagte Michael Sulzner, Toxikologe beim Sozialministerium. Es sei grundsätzlich richtig, dass Schiffsanstriche mit TBT in Österreich verboten seien. Babywindeln fielen unter das Lebensmittelgesetz, aber dort gebe es kein Verbot von TBT, weil es normalerweise in Lebensmitteln nicht vorkomme, so der Toxikologe. "TBT wurde sicherlich nicht willentlich zugesetzt", so Sulzner. Es handle sich um eine ungewollte Verunreinigung.

Procter & Gamble erklärte, dass die Windeln sicher und somit gesundheitlich unbedenklich wären. "Wir sind von der Sicherheit von Pampers überzeugt. Für die Herstellung der Windeln werden keine organischen Zinnverbindungen verwendet", so Sylvia Podzuweit. Auf die Frage von pressetext.austria, ob Greenpeace mit seiner Aussage die Unwahrheit schreibe, gab die Pressesprecherin bekannt, dass es sich lediglich um verschiedene Standpunkte handle. Die Frage, ob nun die Windeln TBT enthielten, verneinte die Pressesprecherin.

Edana, die Europäische Handelsorganisation, der Repräsentant der europäischen Babywindelhersteller, verweist auf eine Untersuchung des deutschen Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin BGVV http://www.bgvv.de und des niederländischen Gesundheitsinstituts RIVM, wonach die Grenzwerte der TBT-Belastungen eindeutig unter dem von der WHO gesetzten Grenzwerten liegen und somit gesundheitsunschädlich seienn.

Greenpeace betonte jedenfalls, dass die Ergebnisse im klaren Widerspruch zu den Aussagen Procter & Gambles vom vergangenen Freitag stünden. "Anstatt die Windeln aus dem Verkehr zu ziehen, spielt der Konzern das Problem herunter", meinte Greenpeace-Sprecher Matthias Schickhofer. Die Umweltschutzorganisation forderte heute das rasche Verbot von TBT in allen Bereichen. Auch der Umweltmediziner Klaus Rhomberg sagte, dass bei Babys unbedingt jeder Kontakt zu diesem Stoff zu unterbinden sei. TBT stünde im Verdacht, auch beim Menschen hormonell zu wirken, darüber hinaus gebe es auch eine negative Beeinflussung des Immunsystems. (ww)

Weitere Informationen: http://www.greenpeace.de/SYSTEM/HOME_30.HTM

(Ende)
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