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pte20190816004 Medien/Kommunikation, Politik/Recht

Medien untergraben #MeToo-Bewegung

Mutmaßliche Täter in Berichterstattung in vielen Fällen mächtiger als Betroffene selbst


"Time's Up"-Protest: Medien eher schädlich (Foto: unsplash.com/Elyssa Fahndrich)

Pittsburgh/Stuttgart (pte004/16.08.2019/06:15) - Die mediale Berichterstattung über die #MeToo-Debatte und die daraus resultierende "Time's Up"-Bewegung sind trotz Empathie für die Opfer sexueller Belästigung eher schädlich, da sie betroffene Frauen schwächer als die mutmaßlichen Täter darstellen. Das ergibt eine Studie der Carnegie Mellon University http://cmu.edu . "Das Ziel der Bewegung ist es, Frauen zu ermächtigen, aber unserer Computeranalyse zufolge passiert das in den Nachrichten nicht", meint Studienleiterin Yulia Tsvetkov.

Frauen in Opferrolle gedrängt

"Studien zeigen zum einen, dass #MeToo Opfern sexueller Belästigung eine Stimme geben konnte, die vorher zum Thema geschwiegen hatten. Sie konnten sich so aus der sozialen Stigmatisierung befreien und emotionalen und sozialen Support erhalten. Gleichzeitig zeigen die Studien aber auch, dass #Metoo online zu weiterer Belästigung geführt hat", sagt Laura Loths von der Universität Hohenheim http://uni-hohenheim.de im Bereich Wirtschafts- und Organisationspsychologie gegenüber pressetext. Loths zufolge sind betroffene Frauen durch den medialen Diskurs in eine Opferrolle geraten, aus der sie sich befreien müssen.

Das Forscher-Team hat mithilfe linguistischer Datenverarbeitung untersucht, welche Verben in der #MeToo-Berichterstattung im Kontext von Macht, Handlungsfähigkeit und auch Gefühlsempfindungen seitens der Medien verwendet wurden. So wollten sie ermitteln, als wie stark die Akteure der #MeToo-Debatte von Medien gezeigt werden. Insgesamt haben die Forscher 27.602 Artikel aus 1.576 verschiedenen Medien analysiert.

Ermutigen und untergraben

Es stellte sich heraus, dass Männer in der Berichterstattung deutlich mächtiger wirken als Frauen, auch wenn sie schon sexueller Übergriffe bezichtigt wurden. Positive Gefühlsempfindungen sind weniger auf die Betroffenen gerichtet als auf Akteure, die nicht direkt in die Anklagen involviert sind. Dazu zählen Aktivisten, Journalisten oder Prominente, die sich zu der Debatte äußern, wie beispielsweise Oprah Winfrey.

Laut Tsvetkov müssen Medien mehr Vorsicht walten lassen, wenn sie über Themen wie #MeToo berichten. Der Rahmen, in den sie Betroffene setzen, bestimme nämlich, wie die Öffentlichkeit sie wahrnimmt. "Journalisten können sich aussuchen, welche Narrative sie hervorheben, um bestimmte Darstellungen von Menschen zu unterstützen. Sie können eine Bewegung wie #MeToo ermutigen oder untergraben", gibt die Forscherin zu bedenken.

(Ende)
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