Longevity beginnt im Darm: Das Mikrobiom als gemeinsame Schnittstelle des Alterns
Rellingen (pts022/16.09.2026/15:30)
Die Longevity-Welt untersucht heute Themengebiete wie: Mitochondrien, Epigenetik, Telomere, Nährstoff-Sensing, mTOR/AMPK, Sirtuine, Autophagie, Seneszenz, Stoffwechsel, Immunalterung und biologische Altersuhren. Was all diese Themen verbindet, ist nicht nur die menschliche Zelle – sondern hauptsächlich der Darm mit seinem Mikrobiom. Die Mikroorganismen in unserem Darm sind keine passiven Gäste, die uns vielleicht ein bisschen bei der Verdauung behilflich sind. Sie produzieren jede Menge bioaktive Metabolite, die uns fit und gesund halten. Sie produzieren sozusagen eine ganze Apotheke nützlicher Substanzen, die mit unserem Stoffwechsel, Immunregulation, Darmbarriere und verschiedenen Signalwegen interagieren. Genau deshalb entwickelt sich das Mikrobiom von einem Nischenthema der Darmgesundheit zu einem zentralen Forschungsfeld der Healthspan- und Longevity-Forschung.
Das Interessante ist: Man kann heute schon gesundes Altern am Mikrobiom erkennen – und das biologische Alter lässt sich anhand der Darmflora erstaunlich genau schätzen.
Bereits eine Studie mit mehr als 4.000 mikrobiellen Profilen entwickelte eine sogenannte "Microbiome Aging Clock". Mithilfe von Machine Learning konnte das Alter eines Menschen anhand seines Darmmikrobioms mit einer mittleren Abweichung von rund 5,9 Jahren vorhergesagt werden. Das Mikrobiom trägt damit offenbar eine Art biologischen Fingerabdruck des Alters in sich. Noch spannender sind die Ergebnisse von Wilmanski et al., veröffentlicht 2021 in Nature Metabolism.
Die Forscher analysierten drei unabhängige Kohorten mit mehr als 9.000 Menschen. Ab dem mittleren bis höheren Erwachsenenalter wurde das Mikrobiom zunehmend individueller. Besonders interessant: Bei gesunden Menschen über etwa 80 Jahre setzte sich diese Entwicklung fort – bei weniger gesunden Menschen dagegen nicht. Die mikrobielle Individualität war außerdem mit im Blut zirkulierenden, mikrobiell produzierten Aminosäure-Derivaten verbunden und stand mit dem Überleben in Zusammenhang.
Das Mikrobiom ist damit nicht nur ein Spiegel des Alterns. Die entscheidende Frage lautet: Wird Langlebigkeit übertragbar?
2020 wurde es experimentell besonders interessant: Forschende transplantierten das Mikrobiom langlebiger Menschen in Mäuse. Und tatsächlich zeigten die Tiere messbare Veränderungen. Die Mäuse entwickelten unter anderem eine höhere mikrobielle Diversität, mehr Bakteriengruppen, die mit der Produktion kurzkettiger Fettsäuren in Verbindung stehen, weniger altersassoziierte Marker und längere Darmzotten. Die Autoren werteten dies als Hinweise darauf, dass das Mikrobiom langlebiger Menschen Merkmale des gesunden Alterns auf Mäuse übertragen kann.
Langlebigkeit als übertragbares Prinzip?
Die Richtung ist faszinierend: "Weit sind wir nicht mehr weg, daraus eine Therapie für den Menschen abzuleiten. Die Diversität und die Produktion kurzkettiger Fettsäuren können wir heute schon im Mikrobiom durch innovative Nahrungsergänzung steigern, sagt Dr. Henning Rosenfeld von bonaFeel. "Unsere Forschungen zielen genau darauf ab." Denn Longevity beginnt nicht bei besonderen Hightech-Therapien – sondern bei den Billionen Mikroorganismen in unserem Darm.
Besuchen Sie bonaFeels Vortrag "Länger leben, besser leben: Die Kraft des Mikrobioms" am 10. Oktober 2026 im Hörsaal des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) der Universitätsmedizin Rostock, Ernst-Heydemann-Straße 6, 18057 Rostock. Der Vortrag findet im Rahmen der Longevity-Informationsveranstaltung von 12 bis 18 Uhr statt.
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