Jedes dritte neue innovative Arzneimittel wird nicht zur Vergütung durch die Krankenkassen eingereicht
|
|
Schweizer Pharmabranche spürt Folgen der neuen US-Politik (Foto: iStock)
|
Basel (pts022/13.08.2026/08:30)
Die Schweiz spürt die Auswirkungen der neuen US-Politik zur Senkung von Medikamentenpreisen bereits heute. Seit die USA angekündigt haben, bei ihren Preisen auch die Schweiz als Vergleichsland heranzuziehen, haben Pharmaunternehmen rund ein Drittel ihrer neuen innovativen Medikamente nicht mehr für die Vergütung durch die Schweizer Krankenkassen eingereicht. Damit wird der Zugang von Patientinnen und Patienten zu neuen Therapien erschwert. Die geplante Revision der Krankenversicherungsverordnung (KVV) dürfte diese Entwicklung zusätzlich verstärken.
Eine anonymisierte und aggregierte Umfrage unter den Mitgliedern von Interpharma zeigt: Die Most-Favored-Nation-Regime (MFN) der USA haben bereits heute einen erheblichen Einfluss auf die Einreichung neuer Therapien in der Schweiz. Zwischen Januar 2025 und Juni 2026 haben die Mitglieder von Interpharma aufgrund von MFN sieben von insgesamt 22 neuen innovativen Arzneimitteln nicht zur Aufnahme in die Spezialitätenliste eingereicht. Bei drei weiteren wurde sogar darauf verzichtet, sie zur Zulassung bei Swissmedic einzureichen.
Somit haben Patientinnen und Patienten in der Schweiz über die obligatorische Krankenversicherung keinen Zugang zu etwa einem Drittel aller neu entwickelten, innovativen Arzneimittel – es droht eine Zweiklassenmedizin. Die Umfrage zeigt, dass sich Arzneimittelhersteller nicht mehr in der Lage sehen unter den aktuellen Rahmenbedingungen neue Therapien zeitnah in der Schweiz zu lancieren, um die Preise in den USA nicht zu gefährden.
Über die Auswirkungen von MFN muss also nicht mehr spekuliert werden. Sie sind bereits jetzt messbar und stellen eine ernstzunehmende Gefahr für den gleichberechtigten Zugang zu innovativen Arzneimitteln in der Schweiz dar. Weiteres Abwarten verschlechtert die Patientenversorgung der Schweiz. Als Referenzland für die USA mit vergleichsweise niedrigen kaufkraftbereinigten Preisen für innovative Arzneimittel ist die Schweiz besonders exponiert.
Damit akzentuiert die MFN-Politik der US-Administration den ohnehin bereits negativen Trend beim Zugang zu innovativen Arzneimitteln in der Schweiz. Eine Studie mit Daten aus den Jahren 2021-2024 zeigte, dass für Patientinnen und Patienten in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland über die Spezialitätenliste des BAG bereits heute nur rund die Hälfte der neuen Therapien verfügbar sind. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, dass der Zugang zu Innovationen nicht noch weiter eingeschränkt wird.
Die vorgelegte Revision der Krankenversicherungsverordnung KVV und KLV droht jedoch genau das zu tun. Der einseitige Kostenfokus der Vorlage berücksichtigt die spürbaren Konsequenzen von MFN nicht und gefährdet die Patientenversorgung. Die Vorlage muss deshalb ganzheitlich überarbeitet werden. Um den Zugang zu innovativen Therapien für Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern, benötigt die Schweiz ein MFN-kompatibles Preis-festsetzungssystem, das die Aspekte Versorgung, Qualität und Kosten von Innovationen gleichermassen berücksichtigt.
| Aussender: | Interpharma |
| Ansprechpartner: | Georg Därendinger |
| Tel.: | +41 61 264 34 00 |
| E-Mail: | georg.daerendinger@interpharma.ch |
| Website: | www.interpharma.ch |
