pts20010228031 in Leben
Jahrespressegespräch der Erdgaswirtschaft
Der Erdgasverbrauch ist um 5,5 Prozent gesunken; Branche fordert Pflichtreservehaltung
Wien (pts031/28.02.2001/13:00)
"Im Jahr 2000 wurden in Österreich ca. 7.098 Mio. m3 Erdgas abgesetzt. Im Vergleich zu 1999 bedeutet dies einen Rückgang um 5,5 Prozent", erklärte Dkfm. Heinz Krug, Geschäftsführer der Austria Ferngas Gesellschaft m.b.H., im Rahmen des Jahrespressegespräches des Verbandes Gas&Wasser (ÖVGW) und des Fachverbandes Gas&Wärme. Von der genannten Absatzmenge flossen rund 36 Prozent in den Sektor Haushalt und Gewerbe, 47 Prozent in die Industrie und Chemie und 17 Prozent in die Wärmekraftwerke zur Stromerzeugung.Im Bereich der Haushalts- und Gewerbeversorgung wurden zwar 20.000 Kunden neu angeschlossen, auf Grund der warmen Witterung kam es aber dennoch zu einem Rückgang um etwa sieben Prozent. Der Sektor Industrie und Chemie blieb nahezu unverändert, im Kraftwerkssektor wurde ein bedeutender Rückgang um etwa 16,5 Prozent registriert. Dieser Rückgang resultiere laut Krug aufgrund der durch die Stromliberalisierung stark gefallenen Strompreise und der gestiegenen Preise der Ölprodukte (und damit auch von Erdgas). Die Erdgasaufbringung stieg um 160 Mio. m3 oder zwei Prozent auf 8.022,7 Mio. m3. Die Gesamtaufbringung setzte sich aus Inlandgas mit 22,5 Prozent und Importgas mit 77,5 Prozent zusammen. Aus Russland stammten rund 62 Prozent der Gesamtaufbringung.
Das Transport- und Verteilnetz der Landesferngasgesellschaften, ohne Transitleitungen der OMV, hatte per Ende 2000 eine Gesamtlänge von etwa 28.000 km. Der Längenzuwachs betrug 700 km.
Pflichtreservehaltung für alle Lieferanten von Erdgas gefordert
Der Vorsteher des Fachverbandes Gas&Wärme, Generaldirektor Dr. Karl Skyba, betonte, dass die österreichische Gaswirtschaft das GWG vorbildhaft umsetze. Er forderte aber besonders im Hinblick auf eine totale Öffnung des Marktes neuerlich vehement eine Pflichtreservehaltung.
Ebenso ging er auf Aussagen der EU-Kommission ein, welche im Grünbuch zur Energieversorgungssicherheit in Europa die hohe Importabhängigkeit bei Erdgas beklagt und auch Maßnahmen wie z.B. eine Erdgasbevorratung fordert. Im Hinblick auf die Liberalisierung des Marktes spiele laut Skyba die Versorgungssicherheit eine bedeutende Rolle.
Wesentlicher Grundsatz zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit ist die Vorhaltung einer unmittelbar verfügbaren Mindestreserve nicht nur für den Lastausgleich im laufenden Netzbetrieb, sondern vor allem auch zum Ausgleich saisonaler Anlieferungs- und Absatzdifferenzen bzw. Störungsausgleich. Während dies die Versorgungsunternehmen bisher auf Basis freiwilliger kommerzieller Vereinbarungen sichergestellt haben, ist bei einer Marktliberalisierung eine gesetzliche Verankerung im Rahmen der gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen unbedingt erforderlich, um einerseits die notwendige Versorgungssicherheit beibehalten zu können, andererseits Verzerrungen des Wettbewerbes hintanzuhalten. "Diese Verpflichtung muss alle Erdgasunternehmen treffen, die zumindest einen Kunden versorgen", meinte Skyba. Und weiter: "Gerade auch vor dem Hintergrund der Ölpreisbindung langfristiger Erdgaslieferverträge und deren momentanen Entwicklung gewinnt unsere Forderung, die bereits im Zuge der Entstehung des Gaswirtschaftsgesetzes erhoben, jedoch von der Politik negiert wurde, massiv an Bedeutung. Während Amerika das Instrumentarium der strategischen Ölreserven erfolgreich dazu verwendet, am Markt preisstabilisierend einzugreifen, sehen der gegenständliche Änderungsvorschlag zur Gasbinnenmarktrichtlinie und auch die nationale Gesetzgebung keine diesbezügliche Regelung vor. Die österreichische Gaswirtschaft fordert daher, sowohl auf nationaler als auch europäischer Ebene eine Pflichtreservehaltung für alle Lieferanten von Erdgas in allen Ländern der EU zu verankern."
Große Differenzen im Ausmaß der erfolgten Marktöffnung in Europa
Direktor Ing. Otto Musilek, Leiter des Bereiches Erdgas bei der OMV, wies in seinen Ausführungen auf die großen Unterschiede im Ausmaß der erfolgten Marktöffnung und in den angekündigten weiteren Öffnungsschritten hin: "Die Spannweite reicht von einer die Minimalerfordernisse der Richtlinie nur unwesentlich übersteigenden Öffnung in Frankreich bis zur vollständigen Marktöffnung in Deutschland oder Großbritannien. Führt man sich alle unterschiedlichen Entwicklungen vor Augen, so muss man doch klar feststellen, dass man am eigentlichen Ziel eines Binnenmarktes mit gleichen Bedingungen noch einigermaßen weit entfernt ist. Weder ist die Gasrichtlinie in den einzelnen Mitgliedsstaaten vollständig umgesetzt, noch - und das wiegt wesentlich schwerer - sind ihre tatsächlichen Auswirkungen bekannt. Dennoch wird bereits über eine Gasrichtlinie II diskutiert, obwohl zunächst zu wünschen wäre, dass der mit der Gasrichtlinie und ihrer Umsetzung verbundene Ordnungsrahmen wirksam werden kann und dass die dabei gewonnenen Erkenntnisse Grundlage für eine allfällig erforderliche Revision werden."
Die Kommission fordert, für die Übertragungs- und Verteilnetze in einer neuen Richtlinie einen regulierten Netzzugang mit vom Regulator zu genehmigenden Tarifen vorzusehen. Ein Verfahren zur Bestimmung von Netzbenutzungsentgelten für internationale Fernleitungen würde aber europaweit einen totalen Systemumbruch bedeuten. Zudem ist die Frage der Kostenermittlung und -zuordnung derart komplex, dass sie nur auf dem Verhandlungswege handhabbar sein wird.
Vorschau auf 2001
Vorstandsdirektor DI Dr. Friedrich Gerstl, Leiter des Hauptausschusses Gas im Verband Gas&Wasser rechnet mit einem Rückgang der Einstandspreise im 2.Quartal 2001: "Die weitere Preisentwicklung ist von vielen, derzeit nicht vorhersehbaren Faktoren abhängig. Da man jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass der Ölpreis in der 2. Jahreshälfte nicht unter 25 Dollar pro Barrel sinken wird, ist auch ein entsprechend hohes Niveau beim Gaseinstandspreis zu erwarten."
Die Wettbewerbssituation, die in Oberösterreich schon vor der Marktöffnung eingetreten war, wird sich durch weitere Anbieter noch verschärfen. Im vollen Umfang wird diese Wettbewerbssituation in der Gaswirtschaft mit der gänzlichen Marktöffnung per 1. 10. 2002 auf den gesamten österreichischen Markt zukommen. Gerstl weiter: "Hat man sich entsprechend auf diese neue Herausforderung vorbereitet, wird man auch unter diesen geänderten Spielregeln, die eine gewisse Kundenfluktuation mit sich bringen werden, bestehen können. Kunden, die wissen, welche Vorteile ihnen ein ortsansässiger Vollversorger bieten kann, sind auch gewillt, ihm die Treue zu halten."
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