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pte20220630001 Medien/Kommunikation, Technologie/Digitalisierung

Handy-Stummschalten erhöht Nutzungsdauer

Neue US-Untersuchung zeigt Angst der Menschen, etwas in den sozialen Medien zu verpassen


Handy-Sucht: Stummschaltung oft sogar kontraproduktiv (Foto: unsplash.com, Robin Worrall)
Handy-Sucht: Stummschaltung oft sogar kontraproduktiv (Foto: unsplash.com, Robin Worrall)

State College (pte001/30.06.2022/06:00) -

Das Stummschalten des Handys führt in den meisten Fällen nicht zur Reduktion des Stresslevels der Nutzer, sondern hat oft genau die gegenteilige Folge: User, die ihr Gerät bei Anrufen oder neuen Nachrichten höchstens vibrieren lassen, verbringen im Endeffekt mehr Zeit vor dem Bildschirm. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Pennsylvania State University (Penn State) http://psu.edu . Sie zeigt auch auf, wie groß die Angst mancher Menschen ist, in sozialen Medien etwas zu verpassen.

"FOMO" als Phänomen

"Wenn kein klares Signal oder kein Sound von ihren Smartphones ausgegeben wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Individuen mit hohem FOMO-Level ihr Handy noch mehr benutzen", zitiert das US-Newsportal "U.S. News & World Report" Mengqi Liao, Doktoraststudentin der Penn State. "FOMO" steht dabei für ein Phänomen, das im Internetzeitalter zunehmend an Bedeutung gewonnen hat: die Angst der Menschen, etwas Wichtiges zu verpassen ("Fear of missing out").

"Der Begriff FOMO wurde zum ersten Mal 1996 in einem wissenschaftlichen Artikel eines Marketing-Strategen geprägt. Seit den frühen 2000er-Jahren wird er immer wieder dafür herangezogen, zu erklären, warum viele Leute so dermaßen süchtig nach ihren Handys sind, insbesondere nach ihren sozialen Netzwerken", erläutert die Forscherin. Das Phänomen selbst gehe in der Regel mit negativen Emotionen wie Einsamkeit, vermindertem Selbstwertgefühl, Stress, Ängstlichkeit oder Depressionen einher. "In seinem Zentrum steht die Wahrnehmung, dass andere mehr Spaß und ein besseres Leben haben. Soziale Medien verschärfen diese Gefühle", so Liao.

Studie mit nur vier Tagen

Um dem Zusammenhang von Stummschaltung, FOMO und Handy-Nutzung zu ergründen, hat die Wissenschafterin gemeinsam mit ihrem Team eine viertägige Studie mit 138 Personen durchgeführt. Rund 42 Prozent davon wurden angewiesen, ihre Smartphones auf Vibrationsalarm umzustellen, weitere 8,7 Prozent schalteten ihre Geräte ganz stumm. Der Rest ließ die Handys im Normalzustand. Vor den Experimenten wurden alle getestet, um festzustellen, ob sie FOMO haben oder nicht.

Das Ergebnis hat auch die Wissenschafter überrascht: "Diejenigen, die ihr Handy stumm- oder auf Vibration geschalten hatten, haben öfter danach gegriffen als sie es normalerweise tun würden", fasst Liao zusammen: "Studienteilnehmer, die den Ton abgestellt hatten, haben zudem mehr Zeit auf sozialen Medien verbracht. Und bei den Personen mit FOMO hat das Stummschalten dazu geführt, dass sie letztlich mehr Zeit vor dem Bildschirm verbrachten und höhere Stresslevel erreichten."

(Ende)
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