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pts20260813024 in Leben

Gewaltkriminalität auf 25-Jahres-Hoch: CCHR Austria fordert stärkere Kontrolle bei Psychopharmaka

Millionen Psychopharmaka-Verordnungen in Österreich


Wien (pts024/13.08.2026/08:30)

Millionen Psychopharmaka-Verordnungen in Österreich – internationale Studien und Arzneimittelwarnungen zeigen mögliche Risiken von Aggressivität und Verhaltensänderungen au

Die Gewaltkriminalität in Österreich erreichte 2025 mit 88.133 angezeigten Fällen den höchsten Stand seit 25 Jahren. Gleichzeitig werden hierzulande jährlich Millionen Psychopharmaka verschrieben. CCHR Austria fordert angesichts dokumentierter Nebenwirkungen wie Agitiertheit, Impulsivität, Feindseligkeit und Aggressivität eine systematische Erfassung des Medikamentenstatus bei schweren Gewalttaten sowie eine umfassendere Aufklärung von Patienten über mögliche psychiatrische Arzneimittelwirkungen. Einen pauschalen ursächlichen Zusammenhang zwischen Psychopharmaka und Gewalt belegen die verfügbaren Daten bislang nicht.

Die jüngsten Zahlen des österreichischen Innenministeriums sind alarmierend: 2025 wurden 88.133 Fälle von Gewaltkriminalität registriert – um 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 25 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig blieb auch die Kinder- und Jugendkriminalität auf hohem Niveau: 75.724 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wurden als Tatverdächtige ausgeforscht, 2,3 Prozent mehr als 2024.

Für CCHR Austria (Bürgerkommission für Menschenrechte) wirft diese Entwicklung auch eine bislang nur unzureichend untersuchte Frage auf: Welche Rolle spielen psychiatrische Medikamente bei einzelnen schweren Gewalt- und Aggressionsfällen?

Psychopharmaka gehören längst zum medizinischen Alltag. Nach einem 2024 veröffentlichten Bericht der Gesundheit Österreich GmbH wurden allein 2022 im ambulanten medizinischen Versorgungsbereich 11.868.139 Psychopharmaka-Verordnungen über die österreichischen Sozialversicherungsträger registriert. Mehr als die Hälfte davon – 54 Prozent – entfiel auf Antidepressiva, 21 Prozent auf Antipsychotika.

Die österreichischen Daten müssen dabei differenziert betrachtet werden: Die Gesamtzahl der über die Sozialversicherung erfassten Psychopharmaka-Verordnungen sank zwischen 2014 und 2022 um knapp vier Prozent. Bei Antidepressiva kam es allerdings nach einem Rückgang bis 2018 ab 2019 wieder zu einem Anstieg, bevor die registrierten Zahlen ab 2021 zurückgingen. Die GÖG weist ausdrücklich darauf hin, dass ein wachsender Teil der Verschreibungen aufgrund der Erstattungsgrenze in diesen Statistiken möglicherweise gar nicht erfasst wird. Bei Psychostimulanzien sowie Medikamenten zur Behandlung von ADHS wurde im Beobachtungszeitraum hingegen ein Anstieg festgestellt.

Auch international nimmt die Verwendung von Antidepressiva zu. Nach dem OECD-Bericht "Health at a Glance 2025" stieg der Antidepressiva-Konsum in den OECD-Staaten zwischen 2013 und 2023 im Durchschnitt um mehr als 40 Prozent. Die OECD betont allerdings, dass dies verschiedene Ursachen haben kann – darunter eine bessere Erkennung psychischer Erkrankungen, veränderte Behandlungsleitlinien und längere Behandlungszeiträume.

Aggressivität als dokumentiertes Warnsignal

Dass bestimmte psychiatrische Medikamente bei einzelnen Patienten mit erheblichen Verhaltensveränderungen einhergehen können, ist keine bloße Behauptung von Kritikern. Die US-Arzneimittelbehörde FDA nennt in Warninformationen zu Antidepressiva unter anderem Agitiertheit (krankhafte innere Unruhe), Reizbarkeit, Feindseligkeit, Aggressivität, Impulsivität, Akathisie (Unfähigkeit zu sitzen, quälender unstillbarer Bewegungsdrang), Hypomanie (milde bis mäßige Form der Manie, häufige Begleiterscheinung bei bipolaren Störungen) und Manie (unkontrolliertes zwanghaftes Verhalten, das meist zwischen Euphorie und Depression hin und her wechselt) als Symptome, die während einer Behandlung beobachtet wurden. Gleichzeitig stellt die Behörde ausdrücklich fest, dass daraus allein kein gesicherter kausaler Zusammenhang abgeleitet werden kann.

Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hat bei der Bewertung von SSRI- und SNRI-Antidepressiva Risiken insbesondere für Kinder und Jugendliche untersucht und entsprechende Warnhinweise im Zusammenhang mit suizidalem Verhalten gefordert.

Eine im British Medical Journal veröffentlichte systematische Auswertung klinischer Studienberichte kam 2016 zu dem Ergebnis, dass bei Erwachsenen insgesamt kein signifikanter Anstieg aggressiven Verhaltens durch die untersuchten Antidepressiva nachgewiesen werden konnte. Bei Kindern und Jugendlichen zeigte die Analyse jedoch ein erhöhtes Risiko für Aggressivität und suizidales Verhalten.

Eine große schwedische Kohortenstudie mit Daten von mehr als 850.000 Personen untersuchte zudem die Einnahme selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Gewaltkriminalität. Bei den 15- bis 24-Jährigen fanden die Forscher während der Einnahmeperioden eine statistische Assoziation mit Verurteilungen wegen Gewaltdelikten. Die Autoren warnten jedoch ausdrücklich davor, daraus vorschnell einen ursächlichen Zusammenhang abzuleiten, da unter anderem die zugrunde liegende Erkrankung sowie weitere Risikofaktoren eine Rolle spielen können.

Genau diese Differenzierung hält CCHR Austria (Bürgerkommission für Menschenrechte) für entscheidend.

"Wir behaupten nicht, dass jeder Mensch, der Psychopharmaka einnimmt, gewalttätig wird. Millionen Menschen nehmen solche Medikamente ein, ohne jemals aggressiv zu werden. Wenn Arzneimittelbehörden aber Aggressivität, Impulsivität und extreme Verhaltensänderungen als mögliche Warnsignale aufführen und wissenschaftliche Studien bei bestimmten Altersgruppen Zusammenhänge feststellen, muss dieser Faktor bei schweren Gewalttaten konsequent untersucht werden", erklärt CCHR Austria.

CCHR fordert transparente Erfassung

Bislang lässt sich aus der österreichischen Polizeilichen Kriminalstatistik nicht ablesen, wie viele Tatverdächtige bei schweren Gewaltdelikten zum Tatzeitpunkt Psychopharmaka eingenommen hatten, welche Präparate verwendet wurden oder ob kurz zuvor Medikamente angesetzt, abgesetzt oder ihre Dosierung verändert worden war.

CCHR Austria fordert daher, bei Tötungsdelikten, Amoklagen und anderen außergewöhnlich schweren Gewalttaten künftig – unter Wahrung des Datenschutzes – wissenschaftlich auszuwerten, ob psychiatrische Medikamente eingenommen wurden, welche Wirkstoffgruppen betroffen waren und ob es zeitliche Zusammenhänge mit Neueinstellung, Dosisänderungen oder Absetzen gab.

Eine solche Erfassung würde weder Medikamente noch psychisch erkrankte Menschen pauschal für Gewalt verantwortlich machen. Sie könnte vielmehr dazu beitragen, bislang übersehene Risikofaktoren zu identifizieren und die Arzneimittelsicherheit zu verbessern.

Gerade angesichts eines 25-Jahres-Hochs bei der Gewaltkriminalität dürften mögliche Einflussfaktoren nicht aus ideologischen Gründen ausgeblendet werden, so die Bürgerkommission.
Gefordert seien transparente Forschung, sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägungen, eine umfassende Patientenaufklärung und eine engmaschige Beobachtung insbesondere zu Beginn einer Behandlung sowie bei Veränderungen der Dosierung.



Ausstellung in Wien beleuchtet die Schattenseiten der Psychiatrie: Die Ausstellung "Psychiatrie – Tod statt Hilfe" dokumentiert vom 12. bis 15. August 2026 von der WHO und UN kritisierte Praktiken.

Sie zeigt historische Entwicklungen, umstrittene Behandlungsmethoden und Berichte von Betroffenen, Elektroschocks, Zwangsmaßnahmen, Psychochirurgie und den erhöhten Einsatz von Psychopharmaka: Eine multimediale Ausstellung am Wiener Josefsplatz erhebt schwere Vorwürfe gegen psychiatrische Praktiken und fordert eine offene Debatte über Menschenrechte, Patientenschutz und Alternativen.

Diesen Fragen widmet sich die Ausstellung "Psychiatrie – Tod statt Hilfe", die von 12. bis 15. August 2026 im Palais Palffy, Josefsplatz 6, 1010 Wien, zu sehen ist.

Veranstalter ist die Bürgerkommission für Menschenrechte, international bekannt als Citizens Commission on Human Rights, kurz CCHR.

Ort: Palais Palffy, Josefsplatz 6, 1010 Wien

Zeit: Die Ausstellung ist vom 12.August bis inklusive 15. August von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

Die interaktive und visuell eindringliche Präsentation zeichnet ein kritisches Bild der Geschichte der Psychiatrie und stellt zugleich die Frage, welche umstrittenen Praktiken bis heute fortbestehen. In insgesamt 14 Dokumentationen kommen Ärzte, Akademiker, Rechtsanwälte, Menschenrechtsexperten, Künstler und Menschen zu Wort, die nach eigenen Angaben psychiatrische Übergriffe erlebt haben.

Thematisiert werden unter anderem Elektroschockbehandlungen, heute als Elektrokrampftherapie bezeichnet, politische Folter, Psychochirurgie, Freiheitsbeschränkungen in psychiatrischen Einrichtungen sowie mögliche schwerwiegende Folgen psychotroper Medikamente.

Quellen: Österreichisches Bundesministerium für Inneres, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025; Gesundheit Österreich GmbH, Psychotherapie als Sozialversicherungsleistung – Inanspruchnahme und Finanzierung, 2024; OECD, Health at a Glance 2025; European Medicines Agency (EMA), Review zu SSRI/SNRI; U.S. Food and Drug Administration (FDA), Warnhinweise zu Antidepressiva; Molero et al., Selective Serotonin Reuptake Inhibitors and Violent Crime: A Cohort Study, PLOS Medicine 2015; Sharma et al., Suicidality and aggression during antidepressant treatment, BMJ 2016.
Für mehr Fragen:
www.cchr.at
www.kvpm.de
www.cchr.org

(Ende)
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