Einblicke in Venezuelas digitale Diktatur
DeepINTEL publiziert Informationen über staatliche Überwachung in Südamerika
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Titelseite des Simple Sabotage Field Manuals der CIA (1944) (Bild: DeepINTEL) |
Wien (pts011/07.01.2026/09:15)
Auf der vergangenen DeepINTEL Security Intelligence Konferenz wurde ein Vortrag über Venezuelas digitale Überwachungsdiktatur von der Sicherheitsexpertin Chris Kubecka gehalten. Im Anbetracht der aktuellen Lage und auf Wunsch der Vortragenden werden Teile des Inhalts nun öffentlich zugänglich gemacht. Damit soll die Kenntnisse um digitale Verteidigung gestärkt werden. Darüber hinaus dienen die Ergebnisse der Recherche als Warnung für das unbedarfte Verwenden digitaler Plattformen.
Diktatur als Fallstudie
Kubeckas Vortrag mit dem Titel "That Time I Hacked Venezuela: Digital Sabotage Against Authoritarianism" (übersetzt "Als ich Venezuela gehackt habe: Digitale Sabotage gegen Autoritarismus") beschreibt detailliert technische, evidenzbasierte Erkenntnisse darüber, wie autoritäre Regime westliche Technologieplattformen, digitale Infrastruktur und Datenanalyse als Waffen einsetzen, um die Zivilbevölkerung zu überwachen, zu verfolgen und zu unterdrücken. Venezuela dient hier als primäre Fallstudie dient. Die eingesetzten Methoden lassen sich auf andere Staaten leicht übertragen.
Die in der Präsentation vorgestellten Forschungsergebnisse basieren auf der Zusammenarbeit mit dem White Lotus Security Research Team, einer Gruppe ethischer Hacker, die sowohl die Sammlung von Informationen als auch gezielte operative Eingriffe in digitale Systeme unterstützt hat, die zur politischen Unterdrückung in Venezuela eingesetzt werden. Diese Maßnahmen zielten darauf ab, Mechanismen zu stören oder zu neutralisieren, die politische Entführungen, Verschleppungen und die Koordination zwischen staatlichen Stellen und kriminellen Netzwerken ermöglichen, wobei die Sicherheit der Zivilbevölkerung und die Sicherung von Beweismitteln im Vordergrund standen.
Auf der DeepINTEL wurden die wichtigsten Aspekte der digitalen Kontrolle durch die venezolanischen Behörden skizziert. Der Missbrauch kommerzieller Plattformen, darunter App-Ökosysteme, Analyse-Frameworks und Cloud-Infrastrastrukturen, zur Identifizierung von Demonstranten und politischen Gegnern ist ein Eckpfeiler der Überwachung. Die technische Verfolgung von Überwachungs- und Kontrollsystemen über Grenzen hinweg, einschließlich Infrastrukturverbindungen über Panama und globale Netzwerke, dient der Identifizierung von Aktivisten und Bürgern, die gegen die Regierung agieren.
Die Aufdeckung von Systemen zur Verfolgung von Häftlingen und Mechanismen zur Überwachung von Protesten, die in zivile Anwendungen eingebettet sind, fungiert als weiteres wichtiges Radar, um staatliche Reaktionen effektiv zu lenken. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) und Open Source Intelligence (OSINT) ermöglichte die Dokumentation, Zuordnung und Unterbrechung der digitaler Repression durch staatliche Organe in Venezuela.
IT-Sicherheit und Geopolitik
Chris Kubecka möchte mit den präsentierten Inhalten darauf hinweisen, dass autoritäre Systeme Fingerabdrücke in Form von Code, Metadaten, Infrastruktur und operativen Fehlern hinterlassen. In ihrer Präsentation wurde genau erläutert wie diese Fingerabdrücke gefunden, verifiziert und verantwortungsvoll offengelegt werden. Die Vortragende ordnete moderne digitale Unterdrückung in einen historischen Rahmen ethischer Sabotage ein. Im Zweiten Weltkrieg wurde vom Office of Strategic Services (OSS), einer Vorgängeroprganisation der Central Intelligence Agency (CIA), ein Sabotage-Handbuch für Zivilisten veröffentlicht. In der digitalen Welt gibt es klare Parallelen zur Widerstandslehre der OSS-Ära.
Dabei stehen gewaltfreie, reversible, evidenzbasierte Maßnahmen zum Schutz von Zivilisten und Journalisten klar im Vordergrund. Die wachsende internationale Besorgnis über technologiegestützte Unterdrückung in vielen Staaten erfordert eine breite Kenntnis der von Kubecka diskutierten Gegenmaßnahmen. Journalistinnen, Journalisten, Regulierungsbehörden und die Zivilgesellschaft muss daher informiert werden. Technische Klarheit muss immer politisch geprägten Narrativen vorgehen. Gerade im Bereich der Digitalisierung und der immensen Abhängigkeit von wenigen Tech-Konzernen ist daher eine ungefilterte Transparenz nötig. Autoritäre Regimes weltweit zweckentfremden digitale Dienste ständig für ihr Agenda. Nur das Wissen darum kann davor schützen.
Wie geht es weiter in Venezuela?
Laut Kubeckas Analyse tritt Venezuela in eine Phase ein, in der digitale Kontrolle die politische Legitimität als primären Mechanismus der Regierungsführung ablöst. Dies kann anderen Ländern weltweit als Blaupause dienen, um die gleichen Mittel für die gleichen Ziele einzusetzen. Angesichts der zunehmenden internationalen Kontrolle werden autoritäre Systeme wahrscheinlich stärker auf automatisierte Identifizierung, KI-gestützte Narrativkontrolle und zivile Technologien setzen, die für Überwachung und Einschüchterung umfunktioniert werden. Diese Instrumente erhöhen zwar die Geschwindigkeit und Reichweite, vergrößern aber auch die technische Exposition und schaffen damit internationale rechtliche, regulatorische und unternehmerische Verantwortungsvektoren, die es zuvor nicht gab.
Anstelle eines sauberen Übergangs oder eines plötzlichen Zusammenbruchs ist eine Fragmentierung wahrscheinlicher: uneinheitliche Durchsetzung, interner Wettbewerb zwischen Institutionen und wachsende Abhängigkeit von externen Verbündeten und stellvertretenden Infrastrukturen. Diese Fragmentierung erhöht sowohl die Instabilität als auch die Sichtbarkeit technischer Beweise. Sobald die Infrastruktur der Unterdrückung dokumentiert, kartiert und zugeordnet ist, kann sie nicht mehr übersehen werden. Der langfristige Wandel ist nicht nur politischer, sondern auch archivarischer Natur – was einst leugnet werden konnte, wird zu einer dauerhaften Aufzeichnung.
Kubeckas umfassendere Arbeit zu Frühwarnungen, ignorierten technischen Signalen und den Folgen der Ablehnung von Expertenanalysen wird auch in der demnächst erscheinenden deutschen Essaysammlung "Cassandra" vorgestellt, die sich mit Weitsicht und Verantwortlichkeit in der sich entwickelnden Technologielandschaft befasst. Die Veröffentlichung umfasst die Originalpräsentationsunterlagen und ausgewählte kontextbezogene Anmerkungen für ein nicht-technisches Publikum. Es wurden keine sensiblen Quellen oder operativen Details hinzugefügt, die über die ursprüngliche Präsentation hinausgehen.
Kubecka, CEO von HypaSec, ist eine ehemalige Pilotin der US-Luftwaffe, Space Command und Cyber Warfare Incident Responder mit Erfahrung in der Unterstützung von Regierungen und kritischen Infrastrukturen in EMEA und Lateinamerika. Zuvor leitete sie hochkarätige Untersuchungen zu staatlich unterstützten Cyberoperationen und Missbräuchen der digitalen Überwachung.
DeepINTEL 2026
Die nächste DeepINTEL Security Intelligence Konferenz findet am 18. November 2026 statt. Da es sich um eine geschlossene Veranstaltung handelt, bitten wir um direkte Anfragen zum Programm an unsere Kontaktadressen. Wir stellen dafür starke Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Kommunikation zur Verfügung: https://deepsec.net/contact.html
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