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pts20260616023 in Business

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz: Worauf es in der Finanzberatung künftig wirklich ankommt


Finanzplanung ist Lebensplanung (Foto: iStock)
Finanzplanung ist Lebensplanung (Foto: iStock)

Frankfurt am Main (pts023/16.06.2026/12:30)

Für Banken ist die Einführung von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung aufwändig und kostenintensiv, aber alternativlos – Allerdings sollte die persönliche Beratung dabei nicht vernachlässigt werden, rät Maximilian Kleyboldt vom Financial Planning Standards Board Deutschland e.V. (FPSB Deutschland)

Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist allgegenwärtig. Nicht nur die Aktienmärkte werden maßgeblich davon angetrieben, sondern es werden auch gigantische Summen weltweit in allen Branchen in KI investiert. Zugleich sind die Fortschritte gewaltig. Vor allem agentische KI, die in der Lage ist, Aufgaben selbstständig durchzuführen, wird immer mehr zum Kernthema. Für Banken ist diese Entwicklung aus verschiedenen Gründen von entscheidender Bedeutung. Denn zum einen sehen sie sich veränderten Kundenwünschen gegenüber, auf die sie reagieren müssen. Zum anderen kommen sie aufgrund notwendiger Investitionen und eines verschärften Wettbewerbs durch Fintechs und agile junge Wettbewerber unter Kostendruck, was die Rentabilität zu schmälern droht.

"Banken, die auf diese Herausforderungen nicht reagieren, werden mittel- bis langfristig zu den Verlierern gehören", warnt Maximilian Kleyboldt, CFP®, Vorstand des FPSB Deutschland. "Deshalb sind Digitalisierung und insbesondere die Einführung von KI mit Blick auf die Zukunft für Banken von entscheidender Bedeutung." Tatsächlich hat gerade der Einsatz von KI ein gewaltiges Wachstumspotenzial und bietet die Chance auf erhebliche Effizienzsteigerungen. Die Analysten der Boston Consulting Group kommen in einer aktuellen Studie zu dem Ergebnis, dass die Finanzbranche bis 2030 und darüber hinaus ein jährliches Gewinnpotenzial von mehr als 370 Milliarden US-Dollar durch KI erzielen könnte. "Deshalb kann es sich kein Finanzinstitut erlauben, diesen tiefgreifenden Wandel zu ignorieren", folgert er.

Sinkende Kosten durch autonome Abläufe

Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten vielfältiger als man auf den ersten Blick meinen könnte. Innerhalb von Banken zum Beispiel könnte künftig vieles autonom ablaufen. KI wird dann nicht nur im Kundenservice ihren Einsatz finden, sondern auch ganze Arbeitsabläufe in Bereichen wie Compliance oder Risikomanagement überwachen und ausführen. "Für Banken bedeutet das sinkende Kosten, während sich die Mitarbeiter sehr viel mehr auf die Erstellung wirkungsvoller Analysen und Interventionen konzentrieren können", sagt Kleyboldt. Auch werden KI-Systeme künftig in der Lage sein, Bilanzen dynamisch zu steuern und Liquidität, Finanzierung und risikogewichtete Aktiva nahezu in Echtzeit zwischen Kunden, Portfolios und Regionen zu verlagern.

"So können Banken die Kapitalrendite unter Einhaltung der regulatorischen Vorgaben maximieren und gleichzeitig maßgeschneiderte Lösungen für jeden Kunden entwickeln", folgert Kleyboldt, der auch Direktor im Wealth Planning bei der Bethmann Bank ist.

Zudem können Finanzinstitute an Reichweite und Effektivität gewinnen. Denn die Mitarbeiter werden sich damit sehr viel mehr auf Tätigkeiten wie die Erarbeitung von Strategien, die Unternehmensführung und Kundenbeziehungen konzentrieren können. "Die KI-orientierte Bank beschäftigt dann möglicherweise weniger Mitarbeiter als ein mittelständisches Fintech-Unternehmen", so Kleyboldt, "verwaltet aber mehr Vermögen als die größten Banken des vergangenen Jahrhunderts."

Hyperpersonalisierte Kundenansprache

Aber auch in der Beziehung zu den Kunden kann sich eine KI-orientierte Bank auszeichnen. Dazu gehört die hyperpersonalisierte Kundenansprache. "So könnte man sich den Finanzberater der Zukunft als KI-Agent in der Hosentasche des Kunden vorstellen, der dessen finanzielle Situation kontinuierlich überwacht, dessen Bedürfnisse antizipiert, bevor er sie selbst äußert und, falls autorisiert, selbst Maßnahmen ergreift und umsetzt", beschreibt Kleyboldt. Ferner dürften adaptive Finanzlösungen, die sich in Echtzeit an das Kundenverhalten und dessen unmittelbare Bedürfnisse anpassen, traditionelle Produkte und Dienstleistungen ersetzen. Zudem sollten Bankdienstleistungen künftig in die bereits bestehenden Ökosysteme des Kunden integriert werden.

"All das wird dazu führen, dass wir uns weg von der rein produktorientierten Beratung und hin zu einer zielbasierten Finanzplanung bewegen, weil die Kunden künftig immer häufiger Lösungen wollen, die ihre Lebensziele abbilden", sagt Kleyboldt. Doch dafür braucht es die Kombination aus Technologie und menschlicher Expertise. Das heißt, trotz allen Potenzials, das KI und Digitalisierung versprechen, sollten Banken auch künftig die persönliche Interaktion mit dem Kunden nicht vernachlässigen. "Zwar erwarten Kunden heute digitale Dienstleistungen und nahtlose Prozesse, da es aber gerade bei vermögenden Kunden um komplexe Sachverhalte geht, müssen Banken ihr digitales- und KI-Angebot mit persönlicher Beratung kombinieren", erklärt er.

So können digitale Tools für Szenario-Simulationen oder die Cashflow-Planung eine wichtige Unterstützung bieten, während KI-gestützte Analysen für die Personalisierung und das Risikomanagement wichtig sind. Ergänzt durch menschliche Expertise können so individuelle Lösungen erarbeitet werden, die zielgenau auf die Lebenssituation des Kunden sowie auf dessen Werte und Ziele abgestimmt sind.

Über den FPSB Deutschland e.V.
Das Financial Planning Standards Board Ltd. - FPSB ist ein globales Netzwerk mit derzeit 29 Mitgliedsländern und über 236.000 Zertifikatsträgern. Dessen Ziel ist es, den weltweiten Berufsstandard für Financial Planning zu verbreiten und das öffentliche Vertrauen in Financial Planner zu fördern. Das Financial Planning Standards Board Deutschland e.V. (FPSB Deutschland) mit Sitz in Frankfurt/Main gehört seit 1997 als Vollmitglied dieser Organisation an.

Zentrale Aufgabe des FPSB Deutschland ist die Zertifizierung von Finanz- und Nachfolgeplanern nach international einheitlich definierten Regeln. Wichtige Gütesiegel sind der CERTIFIED FINANCIAL PLANNER®-Professional, der CERTIFIED FOUNDATION AND ESTATE PLANNER, der EFPA European Financial Advisor® EFA und der CGA® CERTIFIED GENERATIONS ADVISOR. Der FPSB Deutschland hat ferner den Anspruch, Standards zur Methodik der ganzheitlichen Finanzberatung zu setzen. Dafür arbeitet der FPSB Deutschland eng mit Regulierungs- und Aufsichtsbehörden, Wissenschaft und Forschung, Verbraucherschützern sowie Presse und interessierter Öffentlichkeit zusammen.

Ein weiteres Anliegen des FPSB Deutschland ist die Verbesserung der finanziellen Allgemeinbildung. Zu diesem Zweck hat der Verband den Verbraucher-Blog www.frueher-planen.de lanciert. Er informiert neutral, anbieterunabhängig und werbefrei über alle relevanten finanziellen Themen und beinhaltet drei Online-Rechner zur Berechnung der Altersrente und der Basisrente sowie zur Optimierung der Fondsanlage.

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