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pts20210720015 Technologie/Digitalisierung, Medien/Kommunikation

Digital Wellbeing: Wie Eltern Android-Apps mit Suchtpotenzial eingrenzen

Immer mehr Kinder verbringen ihre Zeit mit Apps vor dem Handy-Bildschirm


Jena (pts015/20.07.2021/10:15) - 90 Prozent der Kinder haben ein Smartphone. Egal, ob am Esstisch oder im Bus: Viele Kids starren ständig auf das Handy. So ein Smartphone ist praktisch: In einem Gerät hat man Internet, Kamera und Apps in der Hosentasche. Doch manche Anwendungen haben es in sich und können zur Gefahr werden - und sogar suchtähnliches Verhalten auslösen. Der Sicherheitshersteller ESET gibt Eltern Tipps, damit ihre Kinder nicht in diese Falle tappen.

Zwischen den Hausaufgaben mal schnell ein TikTok- oder Youtube-Video verschlingen oder die coolsten Instagram-Stories checken - das ist heutzutage bei Kindern keine Seltenheit. Auf diesen Kanälen gibt es ständig was Neues und der Kommunikations- und Informationsfluss reißt nicht ab. Psychologen sehen eine Reihe an Faktoren, warum aus "Routine-Checks" Zwänge werden.
* Gewohnheiten werden getriggert von Auslösereizen,
* die Handlungen selbst sind einfach,
* der Betroffene empfindet die Handlung oder ihr unmittelbares Ergebnis als attraktiv.

Auf Sucht programmiert

Der sogenannte "Infinite Scroll" auf Kanälen wie YouTube, Facebook, Twitter und Pinterest ist nicht zufällig einer der effizientesten Tricks der App-Entwickler. Auch das "FOMO"-Phänomen ("Fear of missing out"), also die Angst etwas zu verpassen, wird durch visuelle oder akustische Signale getriggert. Sobald sich was in der App tut, vibriert und blinkt das Smartphone. So bleibt man immer auf den neuesten Stand. Man muss in der Regel nichts weiter tun, als zu tippen oder zu wischen, um Likes auf Instagram oder für ein lustiges TikTok-Video zu vergeben. Das ist für Kids weitaus einfacher und spannender, als sich mit Hausaufgaben herumzuschlagen. Der Like-Button auf Sozialen Netzwerken sorgt für Bestätigung und einen Dopaminausstoß, um sie weiter zum Posten zu bewegen. Es soll eine Art "Digital Wellbeing" erzeugt werden, das negative Gefühle ausschaltet. Wer sich ohnehin leicht ablenken lässt, kann solchen Gewohnheiten kaum widerstehen.

Nach diesem Muster sind fast alle erfolgreichen Apps aufgebaut. Auch viele Spiele-Anwendungen funktionieren über dieses "Wohlbefinden"-Prinzip und halten die Kids so bei der Stange. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Top 50 der umsatzstärksten Spiele-Apps im Google Play Store mit Mehrspiel-Mechanismen funktionieren, wie Pokemon Go. Ein anderer suchtfördernder Mechanismus sind die sogenannten Streaks: Erfüllt der Nutzer jeden Tag eine Aufgabe, erhält er Belohnungen und nach einer bestimmten Zeit wartet ein großer Preis auf ihn.

Smartphone-Nutzung steigt bei Kindern

Nicht erst seit der Corona-Krise ist die Smartphone-Nutzung bei Kindern erheblich angestiegen. Selbst Grundschulkinder spielen mit dem Handy oder schauen Videos darauf. Laut einer Bitkom-Studie aus dem Jahr 2019 hat bereits jedes zweite Kind im Alter von sechs bis sieben Jahren ein Handy genutzt. Bei den 11-Jährigen sind es schon 90 Prozent. Fünf Jahre zuvor lagen die Zahlen noch bei 20 und 60 Prozent. Folgt man einer Statista-Studie aus 2020 besitzen bereits sieben Prozent der Sechs- bis Siebenjährigen ein Smartphone. Jedes zweite Kind zwischen 10 und elf Jahren und 73 Prozent der 12- bis 13-Jährigen hat eins. Und auch der Konsum vor dem Handy-Bildschirm ist bei 14-Jährigen auf zweieinhalb Stunden im Schnitt angestiegen.

Sinnvolle Grenzen statt sinnloser Verbote

Wenn Eltern keine Grenzen setzen, whatsappen, youtuben und spielen Kinder und Jugendliche ohne Limit. Ihnen fällt es noch schwerer als Erwachsenen, diesen Versuchungen zu widerstehen. Doch kein Handy ist auch keine Lösung. Auch Verbote für die Nutzung bestimmter Apps führen selten zu den gewünschten Ergebnissen.

ESET-Tipps für sicheres "Digital Wellbeing"

* Apps richtig einstellen: Moderne Android-Smartphones bieten innerhalb der App "Einstellungen" eine Funktion, die - je nach Modell - "Digitales Wohlbefinden", "Digital Wellbeing" oder ähnlich benannt ist. Die Funktion verrät unter anderem, wie viele Stunden und Minuten das Smartphone heute und in den letzten Tagen genutzt wurde und wie viel Zeit davon jede einzelne App in Anspruch genommen hat.

* Timer aktivieren: Wollen Eltern eine bestimmte App wie TikTok & Co. zeitlich einschränken, gibt es dafür einen Timer in der gleichen Funktion. Das Smartphone schließt die App pünktlich nach Ablauf der erlaubten Zeit und startet erst wieder am nächsten Tag. Andere Apps, zum Beispiel WhatsApp, lassen sich weiterhin nutzen.

* "Konzentrationsmodus" einrichten: Unter "Digitales Wohlbefinden" können Eltern einen täglichen Zeitraum festlegen, in dem ausgewählte Apps nicht starten. Zum Beispiel, dass der Nachwuchs von Montag bis Freitag ab 14 bis 17 Uhr keinen Zugriff auf TikTok, Instagram und SnapChat hat. Nach einmaliger Aktivierung startet und endet der Konzentrationsmodus täglich automatisch.

* Auslösereize stoppen: Statt zeitlich begrenzter Verbote können auch die "Benachrichtigen" (oder auch "Apps/Apps verwalten") unter "Einstellungen" deaktiviert werden. Fehlen diese Auslösereize, sinkt die Nutzung unproduktiver Apps oft von ganz allein.

* Smartphone-freie Zeiten einplanen: Zum Beispiel beim Abendessen, während der Hausaufgaben und gemeinsamen Aktivitäten. Und auch in der Nacht den Nicht-stören-Modus aktivieren.

* Medienkompetenz vermitteln: Eltern sollten mit ihren Kids im Dialog bleiben, sich für ihre Apps interessieren und vor allem als Vorbild vorangehen. Wer selbst alle paar Minuten aufs Handy starrt, kann seinem Nachwuchs kaum glaubhaft vermitteln, das nicht zu tun.

Mehr Tipps und Informationen finden Sie unter: https://saferkidsonline.eset.com/de/article/hilfe-mein-kind-ist-app-suechtig

(Ende)
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