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21.07.2026 - 12:30 | pressetext.redaktion
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pts20260721008 in Forschung

Täuschend echt, teuer bezahlt

Wucherer und Kriminelle nutzen Einreiseformulare für Abzocke


Wucher und Betrug sind bei ETAs weitverbreitet (Copyright: ESET)
Wucher und Betrug sind bei ETAs weitverbreitet (Copyright: ESET)

Jena (pts008/21.07.2026/09:00)

Großbritannien ist ein beliebtes Reiseziel für Deutsche. Zwischen zwei und drei Millionen zieht es jedes Jahr auf die Insel. Seit dem 02. April 2025 benötigt jeder, der das Vereinigte Königreich besuchen will, eine elektronische Reisegenehmigung (ETA). Cyberbetrüger haben die Bescheinigung für sich entdeckt. Mit angeblichen Ausfüllhilfen und aggressiver Werbung versuchen sie, unwissende Reisende in die Falle zu locken. Ihre Angebote landen bei entsprechenden Suchanfragen in den Top-Suchmaschinenergebnissen.

"Die Kosten für eine ETA liegen bei genau 20 Pfund Sterling, also ungefähr 23 Euro", erklärt ESET-IT-Sicherheitsexperte Thorsten Urbanski. "Dubiose Anbieter versprechen ihren Kunden Hilfestellung beim Ausfüllen, einen 24/7-Service und weitere Dienste, die Reisende in den meisten Fällen gar nicht brauchen. Am Ende stehen 200 Euro auf der Rechnung – neunmal mehr als es eigentlich gekostet hätte."

Gekaufte Werbeanzeigen, professioneller Web-Auftritt

Die Anbieter solcher ETA-Seiten gehen immer gleich vor: Sie erstellen eine professionell wirkende, suchmaschinenoptimierte Webseite. Diese landet bei Suchanfragen wie "ETA für England" oder "ETA beantragen" weit oben in den Suchergebnissen. Auch Werbeanzeigen auf Social Media und in Suchmaschinen kommen häufig zum Einsatz. Auf ihnen können Nutzer Visa und ETAs für verschiedene Länder beantragen, beispielsweise für die USA, Großbritannien und Thailand.

Ziel der Anbieter ist es, ihre Kunden möglichst schnell zur Antragsstellung und Bezahlung zu bringen. Dabei loben die Werbeseiten die Vorzüge der jeweiligen Services. Eine manuelle Prüfung aller eingereichten Dokumente bis hin zu einem rund um die Uhr erreichbaren Kundendienst: Für einen Aufpreis erhalten Reisende scheinbar ein Rundum-sorglos-Paket, das wenig Mehrwert bietet. Ein angeblicher "Express-Service" bietet angeblich eine schnellere ETA-Bereitstellung. Allerdings warten Nutzer genauso lange auf ihre Einreisegenehmigung wie bei der offiziellen Seite.

Viele Anbieter nehmen darüber hinaus nicht die Daten auf, die für die ETA erforderlich sind, etwa biometrische Bilder oder einen NFC-Scan des Reisepasses. Reisende, die auf diese Dienste zurückgreifen, verlieren im schlimmsten Fall Geld und stehen vor ihrer Reise ohne Einreisegenehmigung da.

Gefahr für Datenmissbrauch ist hoch

Ein weiterer Haken: Selbst bei Dienstleistern, die alle benötigten Informationen abfragen, laufen Reisende Gefahr, dass der Anbieter ihre Daten zu spät übermittelt und sie am Ende ohne Einreisegenehmigung dastehen. Zudem vertraut man sensible Informationen, inklusive Bilder von Personalausweisen, einer Privatfirma an. Damit einher geht das Risiko für Datenlecks. Damit können Cyberkriminelle im Ernstfall mit Hilfe der entwendeten Daten Identitäten kopieren und Straftaten begehen, indem sie sich als ihre Opfer ausgeben. Reisende müssen sich in dem Fall neue Reisedokumente ausstellen lassen, was mehrere Wochen in Anspruch nehmen und damit den gesamten Urlaub gefährden kann.

Das steckt dahinter

Hinter diesen Online-Angeboten stecken oftmals Unternehmen und Reiseagenturen, die mit der Unwissenheit einiger Reisender Profit machen wollen. Ein paar Anbieter geben zumindest im Kleingedruckten an, dass der reguläre Weg über die offizielle Regierungswebsite kostengünstiger ist. Gleichzeitig betonen sie aber die Vorzüge ihrer Dienste.

Auch Online-Kriminelle haben die ETA als neues Geschäftsfeld für sich entdeckt und erstellen Fake-Websites, auf denen Nutzer Geld für scheinbar legitime Einreisegenehmigungen ausgeben. Erst bei der Reise selbst fällt dann auf, dass die ETA ungültig ist und die Einreise wird verweigert.

So sparen Reisende bares Geld

ESET rät allen Großbritannien-Reisenden zu folgenden Vorsichtsmaßnahmen:

• Nur die offizielle Seite nutzen: Die ETA lässt sich ausschließlich über die offizielle Website der britischen Regierung oder die offizielle "UK ETA"-App beantragen (Download App Store, Download Google Play). Der Preis liegt dort garantiert bei 20 Pfund Sterling. Alle Angebote mit höheren Preisen sind ein Warnsignal. Google markiert Nicht-Regierungs-Websites in Suchergebnissen mit einer Warnung.

• Adressleiste prüfen: Vor der Eingabe persönlicher Daten sollten Nutzer die URL genau kontrollieren. Offizielle Regierungsseiten enden auf "gov.uk" – Nachahmerseiten nutzen häufig ähnlich klingende Domainnamen, um Verwechslungen zu provozieren.

• Werbeanzeigen kritisch hinterfragen: Auch wenn eine Anzeige bei Google oder in sozialen Netzwerken seriös wirkt, garantiert das nicht die Echtheit des Angebots. Im Zweifel lohnt sich die direkte Eingabe der offiziellen Adresse statt eines Klicks auf einen Werbelink.

• Kleingedrucktes lesen: Wer dennoch einen Drittanbieter nutzen möchte, sollte vorab genau prüfen, welche Zusatzleistungen im Preis enthalten sind und ob diese tatsächlich benötigt werden.

• Kreditkarte statt Vorkasse per Überweisung: Zahlungen per Kreditkarte bieten im Betrugsfall oft bessere Rückbuchungsmöglichkeiten als Überweisungen.

• Sicherheitssoftware nutzen: Eine aktuelle Sicherheitslösung mit Anti-Phishing-Funktion warnt bereits beim Aufruf betrügerischer Webseiten und verhindert so den Kontakt mit der Falle von vornherein.

"Wer sich vorab informiert und ausschließlich die offizielle Regierungsseite nutzt, spart nicht nur Geld, sondern schützt auch seine persönlichen Daten vor Missbrauch", so Urbanski abschließend.

Weitere Informationen dazu bietet die Niedersächsische Polizei unter diesem Link an.

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