leben

AUSSENDER



European Health Forum Gastein

Ansprechpartner: Dr. Carmen Kiefer

E-Mail: carmen.kiefer@utanet.at

FRüHERE MELDUNGEN

09.10.2004 - 13:16 | European Health Forum Gastein
08.10.2004 - 18:07 | European Health Forum Gastein
08.10.2004 - 13:14 | European Health Forum Gastein
08.10.2004 - 13:06 | European Health Forum Gastein
07.10.2004 - 21:58 | European Health Forum Gastein

LEBEN

20.04.2026 - 10:30 | pressetext.redaktion
20.04.2026 - 10:00 | Paul Temmel & Friends GmbH
20.04.2026 - 06:30 | Spiraldynamik® Med Center Schweiz AG
20.04.2026 - 06:00 | pressetext.redaktion
19.04.2026 - 15:55 | Ärztliche Interessensgemeinschaft TPS - Alzheimer Deutschland

Mediabox

pts20031002022 in Leben

Altes in neuen Schachteln

Warum Novitäten im Arzneimittelschrank nicht unbedingt Innovation bedeutet


Bad Gastein (pts022/02.10.2003/16:51)

"Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass weniger als 15 Prozent der pharmazeutischen Innovationen auch einen therapeutischen Fortschritt in der Medizin bringen", kritisierte Dr. Kees de Joncheere vom WHO-Regionalbüro für Europa beim 6. European Health Forum Gastein (1.-4. Oktober 2003). Bei dem diesjährigen Gesundheitsgipfel in Bad Gastein kreisen viele Veranstaltungen um das zentrale Thema "Health & Wealth". Geht man nach den nicht enden wollenden Debatten in Wirtschaft und Politik, so droht der Gesundheitssektor das Schwarze Loch der Staatsfinanzen zu werden. Nicht nur, weil in einer älter werdenden Gesellschaft das Verhältnis von Beitragszahlern und -empfängern aus dem Lot gerät. Auch die Vorliebe für die neuesten Pillen und Pülverchen trägt das Ihre dazu bei, dass die Kosten für die medizinische Versorgung genauso in den Himmel schießen wie das Angebot von neuen Preistreibern.

Novitäten? "Ich-auch-Medikamente"!
Neue Medikamente? Wohl eher alte Hüte in neuer Verpackung! Einer der EHFG-Vortragenden, Prof. Silvio Garattini von der European Agency for the Evaluation of Medical Products teilt die Skepsis über die scheinbaren Novitäten in den Arzneischränken und sucht die Wurzel des Übels bei der EU-Zulassungspolitik: "Man tut bei den Zulassungsverfahren geradezu so, als bestünde ein therapeutisches Vakuum! Es wird lediglich darauf geachtet, ob die Qualitäts-, Wirksamkeits- und Sicherheitsrichtlinien in Ordnung sind, aber es fehlt die Pflicht, alte und neue Produkte gegen ein- und dasselbe Leiden miteinander zu vergleichen!" Sollte man einmal eines Vergleiches habhaft werden, so besage dieser zumeist nicht mehr, als dass das neue Produkt nicht schlechter sei als das alte. Unterm Strich fiele die Innovationsbereitschaft bei der Entwicklung neuer Produkte enttäuschend gering aus: "Die meisten Novitäten sind nichts anderes als 'Ich-auch-Produkte'." Firmen würden einander imitieren, aber nicht übertreffen. Leider seien Medikamente, die gleich wirkten, nicht immer gleich im Preis, was die Gesundheitssysteme vor erhebliche Probleme stelle. "Wenn es schon bei der Zulassung einen Vergleichszwang gäbe, würde auch die 'Neu-Entwicklung' von Arzneien mehr von den Bedürfnissen der Patienten als von den Regeln des Marktes vorangetrieben", kommentiert Garattini die derzeitige Zulassungspraxis.

Das Generikum als Allheilmittel
Viel gepriesen, vielgehasst und viel billiger sind die Nachahmer-Produkte von Markenmedikamenten nach Ablauf des Patentschutzes - aber der läuft erst nach geraumer Zeit ab, in den meisten Staaten nach 20 Jahren. Man tut sich schwer, bei so einem Nachfolge-Medikament den Begriff "innovative Medizin" in den Mund zu nehmen. Doch da die wirklichen Fortschritte bei Medikamenten ohnedies überschaubar bleiben, stellt sich die Frage, ob die Patienten nicht auch ohne diese Billigprodukte viel Veraltetes konsumieren, auch wenn einen neue Etikette auf der Schachtel klebt. In der Gesundheitspolitik reißt jedenfalls die Begeisterung für Generika nicht ab. Kein Wunder: Ein Generikum kostet je nach Preispolitik eines Landes um 30-50% weniger als ein neues Markenprodukt. Der Stein der Weisen scheint gefunden, um dem wachsenden Preisdruck bei Arzneimitteln begegnen zu können. In Deutschland und den Niederlanden liegt der Einsatz von Generika bereits zwischen 30 und 40 Prozent, in Österreich erst bei 10 Prozent.

Billig heißt schlecht?
Die öffentliche Generika-Debatte wogt hin und her zwischen der Begeisterung der sparwilligen Politiker und dem Unwillen der Pharmaindustrie. Der Patient bleibt bei der ganzen Kontroverse um die Finanzen im Schatten; schließlich kommt es darauf an, ob er als Endverbraucher Generika akzeptiert oder ablehnt. Dieser entscheidende Konfliktpunkt spielt sich allerdings weniger im Rampenlicht medialer Berichterstattung ab, sondern eher im stillen Kämmerlein der Arztpraxen und Apotheken. "Es muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, ehe die Menschen Vertrauen zu Generika fassen", weiß EHFG-Präsident und Generika-Befürworter Dr. Günther Leiner aus seiner Erfahrung als Arzt zu berichten. Manche Medikamente seien einem über Jahre bekannt, andere kennen die Patienten aus Zeitschriften, aus der Werbung oder dem Internet. "Da ist mit einem No-Name-Produkt schwer zu punkten, von dem es auch noch heißt, es sei billiger. Billiger heißt für viele einfach schlechter!", erklärt Leiner. Selbst wenn man Generika von oben befohlen würde, sei für einen verunsicherten Patienten wenig gewonnen: Abgesehen vom nicht zu unterschätzenden Placebo-Effekt nehmen die Kranken Arzneien, denen sie wenig zutrauen, unregelmäßig oder brechen die Medikation früher als angeordnet ab. "Misstrauen gefährdet den Erfolg der Therapie", ist EHFG-Präsident Leiner überzeugt und setzt auf den "Arzt als besten Werbefachmann für Generika".

Die Rolle der Pharmaindustrie in Europa
Um ganze 80 Prozent könnte der Pharma-Markt einbrechen, sollte ernst gemacht werden mit der forcierten Verwendung von Generika. So war es zumindest in einer österreichischen Tageszeitung zu lesen, doch EHFG-Experte Univ.-Prof. DDr. Werner Clement von der Wirtschaftsuniversität Wien winkt ab ob solch drastischer Zahlen: "Wegen der Generika wird die Pharmabranche nicht am Hungertuch nagen, doch eines sollte den politischen Entscheidungsträgern klar sein: Auch wenn die Pharma-Industrie üblicherweise als Dienerin des Gesundheitssystems gesehen wird, ist diese Branche ein ganz normaler Wirtschaftszweig", sagt Clement. Mit dem Unterschied allerdings, dass die Pharma-Industrie ausgesprochen forschungs- und investitionsintensiv sei und daher sei eine hohe Wertschöpfung nicht nur erfreulich, sondern für den erfolgreichen Fortbestand unbedingt notwendig. Dumpingpreise bei Medikamenten und schlechte Bedingungen für die nationalen Pharma-Standorte gefährden daher die Forschung und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe, aber auch Arbeitplätze.

Überdurchschnittliche Wertschöpfung
Zur Verdeutlichung ein paar Zahlen: Im Vergleich zu anderen Wirtschaftsektoren wächst die Pharmaindustrie trotz Rezession und gibt einer großen Anzahl von hoch qualifizierten Menschen Arbeit. In Österreich gibt es einige multinationale Konzerne mit Weltforschungskompetenz für Dermatologie, Generika und Blutplasma-Forschung. Wie eine Studie des Instituts für pharma-ökonomische Forschung ergeben hat, beschäftigten die 101 österreichischen Pharma- und Biotech-Unternehmen im Jahr 2001 mehr als 9.000 Mitarbeiter. Die Umsatzerlöse und die Bruttowertschöpfung lagen mit 260.000 bzw. 67.000 Euro pro Mitarbeiter weit über dem Durchschnitt der österreichischen Sachgüter-Erzeugung (170.000 bzw. 57.000 Euro). Auch die Exportquoten liegen weit über dem österreichischen Durchschnitt, ebenso die Entwicklungsausgaben: Bei den etwa 30 österreichischen klein- und mittelbetrieblichen Biotech-Unternehmen betragen die Entwicklungsausgaben heuer etwa 23,5 Millionen Euro. "Diese Summe wird vor allem für die Krebs- und Immunologieforschung ausgeben", sagt Clement, "was jedes Unternehmen für Forschung aufwendet, ist unterschiedlich."

Aktuelle Presseinformationen und Fotos unter http://www.ehfg.org/presscenter/2003/ (Ende)
Aussender: European Health Forum Gastein
Ansprechpartner: Dr. Carmen Kiefer
E-Mail: carmen.kiefer@utanet.at
|
Top