pts20041008022 in Leben
Ein gesundes Herz für europäische Frauen
Auch Frauen haben was am Herzen! Warum Herzkreislauferkrankungen keine reine Män
Kongresszentrum Bad Hofgastein (pts022/08.10.2004/13:14)
7. European Health Forum Gastein 2004"Globale Herausforderungen für die Gesundheit Europäische Zugänge und Verantwortlichkeiten"
Ein gesundes Herz für europäische Frauen
Auch Frauen haben was am Herzen!
Warum Herzkreislauferkrankungen keine reine Männersache sind
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Herzinfarkt - das ist was für Manager, denen das Gehetze zwischen Privatjet, Businessmeeting und Luxusrestaurants zuviel wird... Nichts als ein Mythos, heißt es beim 7. European Health Forum Gastein (6. bis 9. Oktober 2004), wo in einem Workshop dem Herz der europäischen Frauen das Stethoskop angesetzt wird.
Die EHFG-Experten räumen mit zwei grundlegenden Herzkreislaufmärchen auf:
Märchen Nr. 1: Den reichen Geschäftsmann trifft der Infarkt!
Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass dem Smokingträger nach einer Überdosis Austern mit Champagner das Herz versagt. "An diesem Mythos hat freilich die Filmindustrie kräftig mitgebastelt: Für gewöhnlich sind es die Firmenbosse, Politiker oder andere einflussreiche Leute, die sich in den Filmen plötzlich ans Herz greifen und umfallen", erklärte Susanne Volqvartz von der Danish Heart Foundation. Tatsache sei jedoch, dass Herzkreislauferkrankungen deutlich öfter bei Männern und Frauen niedrigerer sozialen Klassen vorkomme. "In England erliegen dreimal mehr ungelernte Männer einem Leiden an den Herzkranzgefäßen als Männer mit Fachausbildung. Dieser Unterschied hat sich in den letzten 20 Jahren drastisch vergrößert", bemerkte auch der für Gesundheit und Konsumentenschutz zuständige EU-Kommissar David Byrne, als er die Gesundheitsunterschiede zwischen Armen und Reichen in Europa erörterte. "Dem ist hinzuzufügen, dass Frauen immer noch schlechter ausgebildet sind und weniger verdienen als Männer und schon deswegen benachteiligt sind", so Volqvartz.
Märchen Nr. 2: Herzinfarkt ist Männersache
Ein weiteres Märchen, das sich nicht nur unter Laien hartnäckig hält, ist das männliche Primat in Sachen Herzgefäßerkrankungen. "Diese Meinung entsteht dadurch, weil Männer diese Krankheiten in der Regel zehn Jahre früher ausbilden als Frauen. Männer leiden oder sterben daran, wenn sie noch mitten im Erwerbsleben stehen", erläuterte Volqvartz. Wahrscheinlich stünde deshalb stets die Herzgesundheit der Männer im Mittelpunkt.
Koronare Herzerkrankung - die Haupt-Todesursache für Europas Frauen
Sehr zu Unrecht, stellte Peggy Maguire vom European Institute of Women's Health, Dublin, fest: "Koronare Herzerkrankungen sind bei den europäischen Frauen sogar die häufigste Todesursache und der Hauptgrund für schweres Leiden und Behinderung. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass Frauen durchschnittlich sechs Jahre länger leben als Männer: Mehr als ein Drittel der Frauen zwischen 55 und 64 und die Hälfte alle über 75-Jährigen sind durch ein Herzleiden behindert." Das kommt natürlich teuer: "Eine Behinderung kostet dem Gesundheitssystem Geld und den Betroffenen die Lebensqualität", sagte Maguire. 30 Prozent der durch verfrühten Tod verlorenen Jahre gehen in Europa auf die Rechnung von Herzkreislauferkrankungen.
Frauen fürchten sich vor Krebs - und sterben am Infarkt
Noch fehlt den Frauen das Bewusstsein, genauso Risikogruppe zu sein wie die Männer. "Eine Umfrage in Dänemark zeigte, dass weniger als zehn Prozent der Frauen glaubt, dass kardiovaskuläre Krankheiten die größte Gesundheitsbedrohung für sie darstellt", berichtet Volqvartz. "Zwei Drittel der Befragten hielten Brustkrebs für die größte Gefahr." Tatsächlich stünden die Chancen 1:4 - nur zehn Prozent der Frauen erkranken an Brustkrebs, 40 Prozent an einer kardiovaskulären Erkrankung.
Frauenherzen haben beruflich mehr Stress als Männer
"Frauen sind beruflich gestresster als Männer. Sie leisten mehr Arbeitsstunden pro Tag als ihr Partner, denn gewöhnlich bleibt auch noch der Löwenanteil der Haushaltsführung an ihnen hängen", erörterte Volqvartz. Eine schwedische Studie habe belegt, dass sich diese Doppelbelastung körperlich nachweisen lasse: Stresstests zeigen, dass Männer eine hohe Konzentration Stresshormone am Beginn ihres Arbeitstages aufweisen. Diese senkt sich im Verlauf der Tages und ist bei Feierabend auf einem normalen Level. Bei Frauen ist der Stresshormonspiegel ebenfalls am Morgen hoch und senkt sich im Tagesverlauf, doch vor Feierabend steigt er erneut an, weil sich die Frauen körperlich für den "nächsten Job", die Arbeit daheim, bereit machen. "Auch eine dänische Studie belegt, dass sich Frauen gestresster fühlen als Männer", so Volqvartz. Die beschrieben Lebensbedingungen machten es den Frauen nicht leicht, gesund zu leben und auf sich zu achten. Im Gegenteil: "Was passiert bei Stress und Überlastung? Die Frauen stecken sich noch eine Zusatzzigarette an, um sich eine kleine Pause in den langen Tagen zu verschaffen. Sie versuchen sich zu entlasten und greifen zu Fastfood statt etwas Gesundes zu kochen. Am Abend sind sie zu ausgelaugt, um noch Lust auf Joggen zu verspüren. Sie entspannen sich lieber vor dem Fernseher und trösten sich und die Familie mit Süßigkeiten und einer Cola", beschreibt Volqvartz. "So ein Verhalten züchtet geradezu die Voraussetzungen für Herzkreislauferkrankungen."
Frauenherzen schlagen anders
Nicht nur um den gesunden Lebensstil ist es bei Frauen schlecht bestellt, es gibt auch große Mängel bei der Forschung, die auf weibliche Gesundheit zugeschnitten ist. "Traurig, aber wahr: Wir können zur Herzgesundheit der Frau manche der banalsten Fragen nicht beantworten!", bedauert Maguire. Die meisten Untersuchungen zur Koronaren Herzerkrankung ist mit Männern durchgeführt worden; zu Frauen, und hier speziell zu älteren Frauen, gibt es einfach nicht ausreichend Datenmaterial. "Wir wissen z.B. nicht, wie der Hormonhaushalt genau den Cholesterinspiegel steuert; ob Aspirin als Herzmittel für Frauen gleich gut wirkt wie bei Männern; in wie weit sich Diäten bei Männer und Frauen unterschiedlich auswirken. Oder wie sich Frauen am ehesten dazu motivieren lassen, ihren Lebensstil zu ändern."
Mangelnde Vorsorge für Frauen
Die Tatsache, dass in Europa nicht nur jeder fünfte Mann, sondern auch jede fünfte Frau in Europa an Koronarer Herzerkrankung stirbt, scheint noch nicht in alle Arztpraxen vorgedrungen zu sein. Männerherzen werden eher und gründlicher untersucht als Frauenherzen: "Studien haben gezeigt, dass Frauen nur halb so oft einer Herzuntersuchung unterzogen werden, selbst wenn die Symptome auf Herzprobleme schließen lassen", so Maguire.
Was kann getan werden?
"Die EU sollte eine entscheidende Rolle in der Forschung spielen, wie frauen- bzw. familienfreundlichere Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Es sollte eine Familienpolitik etabliert werden, die einen gesünderen Lebensstil zulässt", meint Volqvartz. Maguire fordert, möglichst rasch die augenfällige Wissenslücke zu schließen, die es immer noch bei der weiblichen Herzgesundheit gibt: "Es wird höchste Zeit, Studien durchzuführen, die speziell für Frauen designt sind." Von europäischer Seite erwartet sie zudem umfassende Gesundheitsprogramme, die einerseits Forschung und das Sammeln von vergleichbarem statistischem Material fördern. Prävention sollte massiv forciert werden - etwa in Form von Aufklärungskampagnen, die die Bürger über die Risiken informieren, die von Rauchen, Übergewicht oder Bewegungsmangel ausgehen. Solche Bemühungen wären umso effektiver, wenn sie europaweit koordiniert werden könnten. "Die Notwendigkeit, endlich Präventivstrategien, Diagnose-Tests und eine sinnvolle Behandlungs- und Rehabilitationspolitik für Frauen zu entwerfen, wird mit jedem Tag dringlicher." Mit dem steigenden Prozentsatz älterer Frauen in der Gesellschaft werden auch die Inzidenzen Koronarer Herzerkrankungen rapide mehr.
ZAHLEN UND FAKTEN:
Medizinische Hintergründe:
* Rauchen, Cholesterin, Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel und negativer Stress stellen für das männliche wie weibliche Herzkreislaufsystem ein Risiko dar.
* Frauen sind durch das Hormon Östrogen besser geschützt als Männer - allerdings nur bis zur Menopause. Addieren sich nach den Wechseljahren Diabetes und Bluthochdruck, wächst die Gefahr für einen Schlaganfall drastisch an. (Ende)
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