pte20221117001 Medizin/Wellness, Forschung/Entwicklung

Implantierte Pumpe rückt Hirntumoren zu Leibe

Wissenschaftler der Columbia University können damit gezielt die Blut-Hirn-Schranke umgehen


Arzt erläutert einem Patienten das neue System ( Foto: cuimc.columbia.edu)
Arzt erläutert einem Patienten das neue System ( Foto: cuimc.columbia.edu)

New York (pte001/17.11.2022/06:00)

Mit einer kleinen Pumpe, die in den Bauchraum implantiert wird und über einen dünnen Schlauch unter der Haut mit einer bestimmten Stelle im Gehirn verbunden ist, lässt sich ein dort befindlicher Tumor mittels Chemotherapeutikum effektiv bekämpfen. Das System hat ein Team aus Medizinern und Ingenieuren um Jeffrey Bruce von der Columbia University entwickelt und am NewYork-Presbyterian Hospital an fünf Patienten erfolgreich getestet.

Nachbehandlung bisher unmöglich

"Dieser neue Ansatz hat das Potenzial, die Behandlung von Patienten mit Hirntumoren zu verändern, bei denen die Überlebensaussichten nach wie vor sehr schlecht sind", sagt Bruce. Patienten mit Hirntumor würden zuerst operiert, um so viel Tumor wie möglich zu entfernen, gefolgt von Bestrahlung und Chemotherapie, die allerdings weitgehend wirkungslos bleibe, weil die Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn vor Schadstoffen schützen soll, den größten Teil nicht passieren lässt.

Theoretisch könnten Ärzte Patienten höhere Dosen der Chemotherapeutika geben - über Tabletten oder intravenös - um die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und mehr Chemo in das Gehirn zu bekommen. Aber je höher die Dosierung, desto schlimmer sind die Nebenwirkungen. Infolgedessen ist die Menge an Chemotherapie, die Patienten mit Hirntumoren sicher verabreicht werden kann, "ausnahmslos unwirksam", so Bruce. "Die Tumore wachsen unweigerlich nach. Und wenn sie nachwachsen, gibt es keine bewährte Behandlung mehr", sagt er.

Erfolg nach zehn Jahren Forschung

In den vergangenen zehn Jahren haben Bruce und sein Team an einer Pumpe gearbeitet, um die Blut-Hirn-Schranke zu umgehen und die Chemotherapie in den Bereich des Gehirns zu lenken, in dem sich der Tumor befindet. Aber frühe Prototypen, zu denen eine externe Pumpe gehörte, die an einem Katheter befestigt war, der durch den Schädel eingeführt wurde, erlaubten nur eine einzige Behandlung, die auf wenige Tage begrenzt war, bevor das Infektionsrisiko zu groß wurde. Die Patienten mussten auch im Krankenhaus bleiben, während sie an die Pumpe angeschlossen waren.

Das neue System kann laut den Wissenschaftlern über längere Zeit eingesetzt werden, und die Patienten können ihrer normalen Beschäftigung nachgehen. "Die Medikamentenkonzentration, die im Gehirn landet, ist 1.000 Mal höher als alles, was bei intravenöser oder oraler Verabreichung erreichbar ist", verdeutlicht Bruce die Vorteile. Etwaige Nebenwirkungen blieben zudem überschaubar.



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