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pte20190819016 Umwelt/Energie, Unternehmen/Finanzen

"Effektive Klimapolitik muss nicht teuer sein"

Forscher vergleicht Deutschland und Großbritannien - Klimaziele mit moderatem CO2-Preis schaffen


Mario Liebensteiner:
Mario Liebensteiner: "Effektive Klimapolitik sieht anders aus" (Foto: uni-kl.de)

Kaiserslautern (pte016/19.08.2019/11:30) - Das europäische Handelssystem für Emissions-Zertifikate, das European Union Emission Trading System (EU ETS), reduziert den Emissionsausstoß nicht, wie Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) http://www.uni-kl.de ermittelt haben. "Die Kosten, die hierbei pro Tonne CO2 entrichtet werden, sind jedoch weitgehend zu günstig, um Emissionen signifikant zu verdrängen. Sie lagen während unserer Untersuchung gerade einmal bei sieben Euro pro Tonne CO2. Effektive Klimapolitik sieht anders aus", sagt TUK-Wirtschaftswissenschaftler Mario Liebensteiner.

Subventionen überdenken

Die Experten haben ein statistisches Modell entwickelt, mit dem sie relevante Daten zum Strommarkt in Deutschland mit denen in Großbritannien verglichen haben. Seit der Einführung einer CO2-Steuer nur für den Strommarkt sind dort die Emissionen zwischen 2012 und 2017 um rund 55 Prozent gesunken. "Alleine durch die effektive CO2-Bepreisung sind die gesamten Emissionen um rund 30 Prozent, die aus Kohle um etwa 50 Prozent gesunken", konstatiert Liebensteiner. Ursächlich dafür sei, dass es zur Verschiebung bei der Stromerzeugung gekommen ist.

Waren zuvor Kohlekraftwerke stärker an der Einspeisung von Strom ins Netz beteiligt, sind es mittlerweile Gaskraftwerke. Diese setzen bis zu 60 Prozent weniger CO2 pro Kilowattstunde frei. Dieses Jahr gab es in Großbritannien sogar eine Woche, in der bei der Stromerzeugung komplett auf Kohle verzichtet werden konnte. In Deutschland hingegen spielen Kohlekraftwerke bei der Energieproduktion immer noch eine wichtige Rolle. "Obwohl sich Deutschland die höchsten Pro-Kopf-Förderungen für erneuerbare Energien weltweit leistet, sind die Emissionen in den letzten Jahren nur leicht gesunken", sagt Liebensteiner.

Briten sind kostengünstiger

Subventionierungen wie bei den erneuerbaren Energien in Deutschland sind laut den Forschern wesentlich teurer und weniger effektiv. In seiner Studie hat Liebensteiner mit Kollegen der Wirtschaftsuniversität Wien http://wu.ac.at untersucht, ob dies der Fall ist und ob sich diese Annahme auch mit Zahlen belegen lässt. Sie haben dazu mittels eines statistischen Modells und auf Basis relevanter Daten wie CO2-Preis, Preise für Gas und Kohle sowie Wind- und Solareinspeisung die Effekte auf CO2-Emissionen berechnet. So kostet es in Deutschland bei einem Preis von 15 Euro pro Tonne CO2 nur 41 Euro, eine Tonne CO2 zu verdrängen.

"Damit ließen sich bereits 21 Prozent der täglichen Emissionen reduzieren", so Liebensteiner. Auf Basis der derzeitigen deutschen Subventionierung für Wind- und Solarenergie kostet es durchschnittlich allerdings 204 Euro, um eine Tonne CO2 durch Windenergie zu verdrängen - für Solarenergie liegen die Kosten sogar bei 979 Euro. "Das liegt daran, dass Solarenergie in Deutschland ineffektiver ist, also weniger CO2 pro erzeugter Stromeinheit verdrängt, jedoch höher gefördert wird", meint der Forscher. Das britische System sei "viel kostengünstiger" und setze marktbasierte Anreize. "Bei einem CO2-Preis von 36 Euro je Tonne kostet es nur noch 30 Euro, um eine Tonne CO2 zu reduzieren." Auch die Windenergie sei dort günstiger und effektiver, wobei ihre Kapazität weit unter der in Deutschland liege.

Das Fazit der Wissenschaftler: Auch in Deutschland könnte ein moderater CO2-Preis helfen, die Klimaziele einzuhalten. "Dies wäre günstiger als die derzeitige Subventionierung. Wir könnten in relativ kurzer Zeit bis zu 30 Prozent der Emissionen senken", fasst der Wirtschaftswissenschaftler zusammen. "Durch einen höheren Preis wird Kohlestrom teurer und Gaskraftwerke werden kosteneffektiver." Allerdings stehen in Deutschland derzeit weniger Gaskraftwerke zur Verfügung als in Großbritannien. "Ein CO2-Preis setzt aber auch langfristige Anreize, um Änderungen auf dem Strommarkt vorzunehmen", sagt Liebensteiner weiter, "um etwa an neuen Technologien zu forschen". PDF-Download zur Studie: http://bit.ly/2L77i2L

(Ende)
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